Wünsche und Ziele haben die meisten von uns. Wenn es um die Umsetzung geht, tun wir uns dagegen schon schwerer. Dr. Bernd Slaghuis begleitet Menschen auf dem Weg der Veränderung, und hilft Ihnen, die eigenen Werte wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen.

Dr. Bernd Slaghuis appelliert an die Selbstverantwortung jedes Einzelnen für sein Leben. Der Ökonom und Systemische Coach hat sich auf Fragen der Neuorientierung im Beruf spezialisiert, betreibt eine Coaching-Praxis in Köln und ist zudem als Strategieberater für Unternehmen sowie als Dozent und Redner tätig. Sein Leitsatz: „Glück und Zufriedenheit sind die Basis für Gesundheit und Erfolg im Leben.“ Er ist überzeugt, dass jeder das Rüstzeug und die Möglichkeiten hat, das zu tun, was ihn glücklich macht.

Die fachliche Weiterbildung hat im Leben vieler Menschen oftmals einen höheren Stellenwert als die persönliche Weiterentwicklung. 
Wie sehen Sie diese Gewichtung?

Diese Gewichtung hat in der Wahrnehmung der Arbeitnehmer vermutlich damit zu tun, dass ein direkter Zusammenhang zwischen fachlicher Weiterbildung und beruflicher Entwicklung in einem Unternehmen gesehen wird. Zudem haben viele Angestellte die Sorge, dass die Inanspruchnahme von Angeboten zur persönlichen Weiterentwicklung im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung in der Außenwahrnehmung als persönliches Makel angesehen wird. Der Kurs „PowerPoint für Marketing-Profis“ wird lieber gebucht als der Kurs „Stärkung des Selbstbewusstseins“. Dabei wäre es vielleicht für den Mitarbeiter, der Probleme mit Präsentationen vor Gruppen hat wichtiger, an seinem Selbstbewusstsein zu arbeiten als weitere Kniffe zur Foliengestaltung zu lernen.

Hinzu kommt, dass ich in meinen Coachings sehr häufig Klienten erlebe, die fachlich hoch ausgebildet sind und eine Bilderbuch-Karriere vorweisen können. Dennoch sind diese Menschen, die mich aufsuchen, unzufrieden und suchen nach einer Möglichkeit zur Veränderung. Dies liegt aus meiner Erfahrung daran, dass sich im Laufe der Zeit die eigenen Werte im Leben und im Beruf verändern. Nach dem Studium oder der Ausbildung standen vielleicht noch Karriere und Einkommen im Fokus, nach 20 Jahren Berufstätigkeit sind vielleicht eher Werte wie Anerkennung oder Sinn einer Tätigkeit wichtig. Persönliche Weiterentwicklung bedeutet für mich daher auch immer, die eigenen Werte und Einstellungen laufend zu hinterfragen und bei Veränderungen hierauf zu reagieren. Fachliche Weiterbildung sollte daher immer mit persönlicher Weiterentwicklung einhergehen.

Gerne schieben wir unliebsame Dinge auf die äußeren Umstände. 
So nach dem Motto: Irgendwie sind wir in den Schlamassel hinein gerutscht. Weshalb ist es so wichtig, für sein Leben die volle Verantwortung zu übernehmen?

Es ist für uns der bequemste Weg, den Anderen die Schuld für die eigene vermeintlich schlechte Situation zu geben. Der böse Arbeitgeber ist schuld, dass ich unzufrieden im Job bin, die Lebensumstände sind schuld, dass ich zu wenig Sport treibe oder es immer noch nicht geschafft habe, mit dem Rauchen aufzuhören. Wir mögen es zu jammern und über unsere eigenen Probleme zu sprechen, denn das verbindet uns sozial mit anderen Menschen auf der Suche nach Anerkennung und Mitgefühl. Jeder von uns dürfte aber genau wissen, dass Jammern und die Abgabe der Verantwortung an andere nur sehr selten zum Ziel führen. Nur wer selbst die volle Verantwortung für sein Leben übernimmt, hat die Möglichkeit, positive Veränderungen zu meistern und die eigenen gesteckten Ziele zu erreichen. Das Verhalten anderer verändern zu wollen, damit es uns besser geht, ist kein realistischer Weg. Vielmehr sollten wir immer bei uns selbst anfangen.

Wünsche und Ziele haben die meisten von uns. Wenn es um die Umsetzung geht, tun wir uns dagegen schon schwerer. Wie stellen Sie fest, ob persönliche Veränderung einem wirklich wichtig ist?

Ich glaube, dass ein Umsetzungserfolg nur indirekt damit zu tun hat, ob uns etwas wirklich wichtig ist. Vielmehr scheitert die Umsetzung häufig daran, dass wir die eigenen Ziele falsch oder zu wenig konkret vor Augen haben. Viele Menschen denken in ihren Problemen und definieren ihre Ziele als Vermeidungsziele, die ausdrücken, von welchem Zustand sie gerne weg möchten, z. B. „Ich möchte weniger Stress haben.“ Der Umsetzungsweg von einem Problem weg ist für unser Gehirn ziemlich schwierig zu bearbeiten. Denken Sie einmal nicht an den rosa Elefanten ;-)

Sobald ein Ziel stattdessen als Annäherungsziel definiert wird, also feststeht, was anstelle des Stresses zukünftig als Lösung vorhanden sein soll, werden Ziele meist schon deutlich konkreter. Je konkreter wir unsere Ziele beschreiben und damit be-greifen können, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch den Weg dorthin meistern. Denken Sie beispielsweise an die Mental-Techniken, die bei Profisportlern eingesetzt werden. Die geistige Vorstellung eines konkreten Ziels ist bei Sportlern erfolgsentscheidend – vor der Technik und der körperlichen Verfassung.

Um Ihre Frage zu beantworten: Als Coach muss ich nicht wissen, wie wichtig meinem Klienten die Veränderung wirklich ist. Vielmehr stellt der Klient im Laufe des Coaching-Gesprächs für sich fest, was ihm wichtig ist. Es kommt häufig vor, dass zu Beginn einer Sitzung ein bestimmtes Ziel im Vordergrund steht und sich im Gesprächsverlauf herausstellt, dass dahinter tatsächlich ein ganz anderes Ziel liegt. Ich hatte vorhin bereits über das Thema Selbstverantwortung gesprochen, bezogen auf Ihre Frage ist es auch hier die Aufgabe des Klienten zu entscheiden, was für ihn und sein Leben wichtig ist. Als Coach unterstütze ich ihn dabei, dies für sich herauszufinden.

Was ist die Idee des Systemischen Coachings?

Wir sind alle ein Teil verschiedener Systeme, wie beispielsweise das System der Eltern, Großeltern, Geschwister, Freunde, Arbeitskollegen, Stammtisch-Brüder und vieler mehr. Diese Systeme beeinflussen – direkt oder indirekt – unser Handeln und Leben – und auch umgekehrt hat unser Verhalten Einfluss auf das Leben unseres Umfelds. Im Systemischen Coaching spielen daher häufig Fragen eine Rolle, die unsere verschiedenen Systeme betreffen: „Wie wäre es für (…), wenn Sie (…) tun würden?“ oder „Woran würde (…) bemerken, dass Sie einen Schritt in Richtung Ihres Ziels weiter wären?“.

Oft geht es im Coaching auch um Entscheidungen, die ein Klient treffen möchte. Das Systemische Coaching schaut dann auch auf die von einer Entscheidung vielleicht betroffenen Personen oder hinterfragt, ob noch andere Personen an der Entscheidung beteiligt sind. Diese Blickwinkel machen es für den Klienten leichter, sein Handeln umfassend zu betrachten. Es wird also immer die Wirkung einer Handlung oder Verhaltensänderung auf die Systeme des Klienten hinterfragt.

Eine weitere Annahme im Systemischen Coaching ist, dass es keine Rolle spielt, an welcher Stelle in einem System eine Veränderung herbeigeführt wird. Ich hatte einmal eine Mutter im Coaching, die mir von Problemen ihres 7-järhigen Sohnes in der Schule erzählte. Das anschließende Coaching mit der Mutter hatte zur Folge, dass ein verändertes Verhalten ihrem Sohn gegenüber – in diesem Fall weniger Druck, sondern mehr Wertschätzung für seine Leistungen – auch dessen Einstellung zur Schule und den Mitschülern gegenüber so stark verändert hat, dass der Junge in kurzer Zeit viel fröhlicher wurde und gerne zur Schule ging.

Oftmals sind wir in unseren Gewohnheiten gefangen. Wenn man allerdings stets das Gleiche unternimmt, werden die Resultate sich kaum ändern. 
Mit welchem Methoden bewirken Sie einen Wechsel der Perspektive?

Ja, ich höre oft, dass meine Klienten das Gefühl haben, im Hamsterrad zu stecken oder sich im Kreis zu drehen, aber nicht weiter zu kommen. Sie sind auf der Suche nach dem nächsten sinnvollen Schritt. Zunächst einmal ist Coaching extrem lösungs- und handlungsorientiert. Es geht immer darum, was jemand (selbst!) tun kann, um seiner Lösung näher zu kommen. Es geht nicht um ein gutes Gefühl in einem gedanklichen Lösungszustand, sondern um konkrete Handlungsschritte.

Basis jedes Coachings ist es, den Klienten in einen lösungsorientierten Zustand zu versetzen. Wer das Glas Wasser immer halb leer sieht, dem wird es nicht gelingen, in Lösungen zu denken. Es geht also zunächst um die eigene Wertschätzung von bereits Geleistetem und die Wiederentdeckung vorhandener, aber vielfach in Vergessenheit geratener eigener Ressourcen und Potenziale. Oft ist dies der entscheidende Schalter im Coaching, von einem „Ich kann ja nichts.“ zu einem „Wow – ich bin stolz, was ich in meinem Leben schon geschafft habe.“ zu kommen.

Ich setze im Coaching gerne Methoden ein, die es dem Klienten ermöglichen, von außen, also dissoziiert auf ihr Leben zu blicken. Hierdurch gelingt es, die vielfach blockierenden und mit einer bestimmten Situation verbundenen emotionalen Gedanken zu reduzieren und den Kopf für ein Lösungsdenken frei zu bekommen. Oft ist es auch einfach nützlich, Struktur zu schaffen und die vielen Gedanken einmal zielgerichtet „aufzuräumen“. Als Coach bin ich absichtslos und die Lösung, die meine Klienten für sich entwickeln, bleibt von mir unbewertet.

Dies unterscheidet das Gespräch mit einem Coach maßgeblich von dem mit dem eigenen Partner, der Partnerin oder mit guten Freunden. Die Klienten schätzen diese Zeit für sich, in der sie die Freiheit haben, eigene stimmige Lösungen und Wege zu entwickeln – anstelle auf gut gemeinte Ratschläge zu reagieren, die meist das Tempo im Hamsterrad nur noch weiter erhöhen.

Wie wichtig sind Selbstorganisation und Zeitmanagement, um die eigenen Ziele zu erreichen?

Selbstorganisation ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die „Jammerer“ in unserer Gesellschaft sind in der Regel Menschen, die sich gerne darauf verlassen, dass andere ihr Leben für sie organisieren. Es gibt die SMART-Formel, die besagt, welche Eigenschaften gute Ziele haben sollten (sinnesspezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminlich realisierbar). Ich möchte gerne noch ein „E“ anfügen für eigenständig erreichbar. Wer ein Ziel erreichen möchte, sollte sich klar darüber sein, dass er/sie das Ziel eigenständig erreichen kann. Dies bedeutet nicht, dass man keine Unterstützung in Anspruch nehmen darf, sondern vielmehr, dass man sich nicht darauf verlassen sollte, dass andere Menschen einem schon helfen werden, das Ziel zu erreichen.

Zeitmanagement ist aus meiner Sicht ein in den letzten Jahren sehr strapaziertes Wort. Sogar der Zeitmanagement-Experte Lothar Seiwert postuliert inzwischen den Abschied vom Zeitmanagement in seinem Buch „Ausgetickt – Lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert“. Wer selbstbestimmt lebt, entscheidet für sich, ob ihn 100 Mails und 20 Telefonate pro Tag im Büro stressen oder ob er an dieser Situation etwas verändert. Zeitmanagement umfasst nützliche Techniken, den Alltag zu strukturieren und die Zeit im Blick zu behalten – an der Lebenssituation und dem eignen Umfeld ändert dies jedoch meist nichts.

Was sind Ihrer Meinung nach die 3 häufigsten Gründe, an denen die Umsetzung der eigenen Ziele scheitert?

1. Die Ziele sind keine Ziele.
2. Es sind nicht die eigenen Ziele.
3. Die Umsetzungsschritte sind nicht klar.

Wann haben Sie gespürt, dass die Arbeit als Coach eine Herzensangelegenheit ist?

Ich hole für die Antwort etwas aus. Eigentlich bin ich ein totaler Kopf- und Zahlenmensch, habe nach einer Bankausbildung in Bochum Wirtschaftswissenschaft studiert und im Bereich Operations Research promoviert (hier geht es um komplexe mathematische Modelle und deren Lösung) und war dann bei einer Versicherung, zuletzt als Leiter Unternehmensentwicklung und Controlling tätig. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich mit meinem Beruf und dem hiermit verbundenen Umfeld nicht mehr glücklich war und suchte nach einer Veränderung. Über einen Freund habe ich vom Coaching erfahren und konnte tiefere Einblicke in die Methoden bekommen. Das Vorgehen im Coaching und die persönliche Veränderung, die diese Ausbildung bei vielen Menschen bewirkt haben mich tief beeindruckt und das Feuer auch in mir entfacht. Der Beginn der Coaching-Ausbildung stand damals für mich noch unter dem Gesichtspunkt einer Weiterbildung und dem möglichen Einsatz von Coaching-Methoden im Rahmen meiner Arbeit als angestellte Führungskraft.

Meine eigene Ausbildung zum Coach hat mein Leben dann komplett verändert. Die sukzessive Übernahme einer wertschätzenden, gelassenen und lösungsfokussierten Grundhaltung eines Coachs und die intensive Beschäftigung auch mit den eigenen Themen haben mein Denken und Handeln, insbesondere aber auch das Bewusstsein über meine Werte im Beruf und Leben stark geprägt. Dies hat schließlich auch den Entschluss herbeigeführt, den sicheren Job zu kündigen und mit der Selbständigkeit als Coach und Unternehmensberater einen neuen Weg einzuschlagen.

Viele Menschen kommen zu mir auf der Suche nach einer beruflichen Neuorientierung, weil sie eine Verbindung zu meinem Werdegang sehen. Ich bin nicht der „Tschacka ich habe es geschafft, also könnt Ihr das auch-Typ“, sondern das Coaching ist vielmehr eine Herzensangelegenheit für mich, weil ich selbst erfahren durfte, welche Kraft von den Methoden ausgeht und ich diese Erfahrung gerne weitergeben möchte. Ich möchte Menschen auf ihrem eigenen Weg – wie bunt oder schwarz-weiß, gestreift oder kariert dieser auch immer er für sie aussieht – begleiten und dabei unterstützen, zu einem stärker selbstbestimmten und damit glücklichen und zufriedenen Leben zu finden.

Welche Gedanken kommen Ihnen zu den Worten von LaChapelle? „Verantwortung ist keine Last auf meinen Schultern, 
sondern die Antwort des Herzens auf den Zustand der Welt.“

• Ein schönes Zitat.
• Es passt zu meinem letzten Satz der vorigen Frage.
• In Verantwortung steckt das Wort Antwort.
• Ich denke an Menschen, denen Verantwortung auferlegt wurde, die diese als Last empfinden und sie gerne loswerden möchten. Verantwortung kann auch bedrücken.
• Es ist wichtig, dass wir auch mit unserem Herzen Antworten finden und Impulse aufgreifen. Klingt esoterisch (was nicht so sehr meins ist), aber ich bemerke, dass viele Menschen zu selten auf Ihr Herz – oder ihren Bauch – hören, sondern zu rational an die Dinge herangehen. Häufig weiß unser Körper sehr genau, was gut für uns ist, als Erwachsene verbieten wir uns dies jedoch zu oft aus irgendwelchen Gründen.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Mein Leitsatz ist „Glück und Zufriedenheit sind die Basis für Gesundheit und Erfolg im Leben.“ Natürlich ist nicht jeder Zeitpunkt in meinem Leben von Glück und Zufriedenheit geprägt, aber ich versuche konsequent daran zu arbeiten, dass diese Momente zunehmen. Zu sehen, dass dies funktioniert, macht mir große Freude. Es ist mir wichtig, Neuem neugierig und offen zu begegnen, Dinge auszuprobieren und einfach „mein Ding“ zu machen, mich und mein Handeln aber auch infrage zu stellen. Der Kopfmensch und Stratege Bernd Slaghuis ist in den letzten Jahren etwas stärker in den Hintergrund gerückt, ich folge heute stärker meinen Impulsen und genieße den Moment. Gerne mit einem schönen Glas Wein und guten Freunden.

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