Was können wir tun, damit unser Auftritt stimmig wirkt? Constance Klemenz, vielseitige Moderatorin, Sprecherin und studierte Schauspielerin, weiß, worauf es dabei ankommt.

Constance Klemenz arbeitet seit Abschluss Ihres Schauspielstudiums und Ihres Volontariats als freie Schauspielerin, Sprecherin (SWR) und Moderatorin sowie als Sprech- und Stimmtrainerin. Erfahrungen sammelte Sie seither als Bühnen- und Filmschauspielerin und als Event, Business- und Fernsehmoderatorin.

Wann ist bei Ihnen der Wunsch gereift, Schauspielerin zu werden?

Das fing in der Schulzeit an, als ich in der Theater AG war und ich kurz danach die Chance bekam in den Jugendspielclub einzusteigen. Auf einmal konnte ich Talente ausleben, die in der Schule damals nicht unbedingt gefordert waren. So reifte in mir der Wunsch nach dem Abschluss auf die Schauspielschule zu gehen.

Was verbinden Sie mit Ihrem Beruf?

Die Möglichkeit mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt zu kommen. Unterschiedlichste Lebensweisen kennen zu lernen und durch das Spielen immer wieder „Kind“ sein zu dürfen. Kreativität und Lebensfreude sind zwei wichtige Faktoren, die ich mit diesem Beruf verbinde. Das Lernen hört nie auf, ein guter Schauspieler entwickelt sich stetig weiter.

Für viele Menschen ist es eher ein Alptraum, vor Menschen zu sprechen. Wie viel Selbstbewusstsein gehört dazu, um auf der Bühne zu stehen?

Selbstbewusstsein auf der Bühne entwickelt sich und es ist eine Frage der Technik. Soll heißen: Selbstbewusstsein ist lernbar. Mit etwas Vorbereitung und einer guten Eigenwahrnehmung kann aus dem „Alptraum“ eine schöne Bühnenerfahrung werden.

Inwiefern wird Ihr schauspielerisches Talent anders gefordert, wenn Sie auf der Theaterbühne stehen, anstatt in einem Film mitzuspielen?

Einer der größten Unterschiede ist, dass der Abend live ist. Einmal auf der Bühne geht es los bis das Stück zu Ende ist, mit allen Pannen und Texthängern, die schon mal vorkommen können. Abgebrochen wird nicht. Als Schauspielerin erlebe ich also chronologisch die Geschichte von Anfang bis Ende.

Anders im Film, wo meist nicht zusammenhängend gedreht werden kann. Auch wenn wir im Theater genauso Wert auf ein authentisches Spiel legen, ist hier der Einsatz von Stimme, Resonanz und einer guten Artikulation besonders erforderlich, um in einem großen Saal bis in die letzte Reihe verstanden zu werden.

Welche Tipps können Sie zum Thema Lampenfieber geben? Also wenn kurz vor der Präsentation sich die Beine auf einmal seltsam wackelig anfühlen?

Kurz vor dem Auftritt kann es hilfreich sein, sich kurz zurück zu ziehen. 2-3 mal bewusst tief einzuatmen und mit dem Mund wieder auszuatmen. Um einen stabilen Stand aufzubauen, denken wir während dessen, dass sich unsere beiden Füße in den Sand einbuddeln. Um die Gedanken positiv zu steuern, stelle ich mir vor wie die Zuschauer interessiert und wohlwollend meiner Präsentation zu hören.

Um Sicherheit aufzubauen, gehe ich kurz vor dem Auftritt nochmals die ersten beiden Sätze meiner Begrüßung durch. Auf der Bühne selbst, ist es wichtig den Fokus auf die Zuhörer zu legen. Also raus mit der Stimme und Sprache, anstatt zu sehr darüber nachzudenken wie das Gesagte rüberkommt. Dies verwirrt meist nur und führt zu Unsicherheiten.

Sie bieten auch Coaching für Stimm- und Sprechtraining an. Welche Vorteile ergeben sich, wenn wir die Wirkung unserer Stimmung verbessern?

Wenn wir beim Beispiel des Lampenfiebers bleiben: Ich kann innerlich nervös sein, aber mit einer trainierten Stimme klingt diese dennoch fest und resonanzreich. Eine zittrige und nervöse Stimme bleibt somit aus. Die eigenen stimmlichen Fähigkeiten auszubauen verleiht jeder Präsentation und Rede mehr Persönlichkeit, Souveränität und Authentizität.

Wie stark beeinflusst unsere Stimme die Botschaft?

Wesentlich, da wir Menschen vor allem beim ersten Eindruck auf die emotionale Ebene achten, also auf den Stimmklang und die Sprachmelodie. Wichtige Botschaften sollten aus dem Brustton der Überzeugung kommen, das ist der Ton aus der Stimmmittellage, auch Kompetenzton genannt. Dieser wirkt vertrauens- und glaubwürdig.

Ich bringe in meinen Seminaren oft das Beispiel der Call Center Mitarbeiter, die anrufen, um etwas zu verkaufen. Meist reden Sie in einer überhöhten Stimmlage mit gespielter Freundlichkeit und zu viel Sprachmelodie. Dies wirkt nicht authentisch und wir haben sofort das Gefühl hier will uns jemand was andrehen / verkaufen.

In der Regel setzen viele Menschen bei einem Gespräch den Fokus auf die inhaltliche Ebene. Wie können wir es schaffen, unserer Stimme mehr Beachtung zu schenken?

In dem wir anfangen bei einem Gespräch das bildhafte Sprechen zu beachten. Also auch einen Fokus darauf zu setzen wann ein Sinnschritt zu Ende ist und dort auch Pausen zu setzen. Nur so kann mein Gegenüber Gesprochenes verarbeiten und wichtige Informationen abspeichern. Wenn ich mich dazu auf meinen Gesprächspartner konzentriere, also seine Mimik und Gestik wahrnehme, kommt meine Stimme mehr nach draußen und wirkt präsenter. Wenn wir durch regelmäßige kurze Übungen unsere Stimme trainieren, ändert dies auch die Sprechweise und der Stimme wird automatisch mehr Beachtung geschenkt.

Welche Gedanken kommen Ihnen bei den Worten von Goethe? „Sobald wir lernen, uns selbst zu vertrauen, fangen wir an zu leben.“

Es ermutigt mich eigene Entscheidungen im Leben zu treffen und keine Angst vor „Fehlern“ zu haben. Denn diese Erlebnisse sind Erfahrungen, die unser Leben bereichern. Und auch mehr Zeit mit mir selbst zu verbringen, um herauszufinden was ich momentan vom Leben möchte, was für Wünsche und Ziele ich habe.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Wichtig ist mir meine Familie und meine Freunde. Ich bin ein sehr geselliger Mensch und möchte, dass es meinen Liebsten gut geht und wir trotz vieler Verpflichtungen und Arbeit immer wieder genügend Zeit miteinander verbringen können. Mein Leben mit Sinn zu erfüllen und mich immer wieder zu hinterfragen, ob mich mein derzeitiges Leben glücklich macht. Und offen zu sein für Neues, für viele unterschiedliche Lebensformen und Verständnis für Lebensmodelle zu haben, die meinem nicht unbedingt so entsprechen. Kurz um: Toleranz und Freiheit sind mir wichtig.

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