Lange Zeit galten Fachkompetenz und ein hoher IQ als Erfolgsgarant für den beruflichen Erfolg. Die Wahrnehmung von Gefühlen spielt allerdings eine ebenso wichtige Rolle, weil wir selten isoliert und ausschließlich nach logischen Kriterien handeln. Die Fähigkeit, Emotionen zu verstehen und auszudrücken, verhilft den Betroffenen zu mehr Klarheit beim Miteinander.

Michael Blochberger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit den Themen Führung und Emotionale Intelligenz. Er arbeitet als Persönlichkeitstrainer, Coach und leitet Trainings zur Persönlichkeitsentwicklung von Führungskräften. In seinen monatlichen Artikeln (Emotion-Blog) bietet Michael Blochberger praxisrelevante Hilfestellung zu alltäglichen Führungsproblemen.

In Ihrem Buch „Emotionale Intelligenz in der Mitarbeiterführung“ beschreiben Sie zu Beginn sehr anschaulich einen für Sie bis dahin eher ungewöhnlichen Gefühlsausbruch. Was hat sich dadurch für Sie verändert?

Damals hatte ich zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass das Zeigen tiefer Emotionen im Beruf eine besondere Stärke sein kann, wenn es darum geht, den eigenen Standpunkten überzeugend und authentisch zum Ausdruck bringen zu müssen. Zuvor hatte ich wie viele Menschen strikt darauf geachtet, tiefere Gefühle aus dem Berufsleben fern zu halten. Der überraschende Erfolg aufgrund meines Gefühlsausbruches hat meine Einstellung im Umgang mit Emotionen nachhaltig verändert. Seitdem vertraue ich meinen Gefühlen und bringe sie viel selbstbewusster zum Ausdruck.

Wie wichtig ist es, Gefühle auch im Beruf zu zeigen?

Der Grad unseres beruflichen Erfolges hängt in ganz besonderem Maße von unserer Fähigkeit ab, mit unseren Gefühlen – den eigenen wie denen anderer – selbstbewusst umzugehen. Das heißt nicht, dass ich tiefe Gefühle wie Angst, Wut oder Enttäuschung hemmungslos zeigen oder darauf unreflektiert reagieren sollte. Vielmehr geht es darum, die Ursachen meiner oder fremder Gefühle zu erkennen und dies ohne Bewertung oder Schuldzuweisungen zum Ausdruck zu bringen. Es geht also darum, anderen Emotionen verständlich zu machen. Gemeinsames Fühlen ist der Beginn jeder erfolgreichen Beziehung – im Privaten wie im Beruf. Nur so kann ich Menschen motivieren, überzeugen, für etwas gewinnen oder das Vertrauen in die Notwendigkeit von Veränderungen schaffen.

Was sind die Folgen missachteter Gefühle?

Emotionen bestimmen unser Denken und Handeln, sie lassen sich nicht beiseite schieben, sondern finden vielfältige Wege sich auszudrücken. Je mehr wir unsere Gefühle verdrängen, leugnen, vermeiden, rationalisieren, sie auf andere verschieben oder projizieren, desto subtiler und kritischer kommen sie an anderer Stelle zum Vorschein und schaden uns selbst und der Gemeinschaft. Am Arbeitsplatz zeigen sich versteckte Aggression und andere kritische Gefühle häufig als Schuldzuweisung, Missgunst, Demotivation, Resignation, Boykott oder Mobbing. Die daraus resultierende sinkende Leistungsbereitschaft der Beteiligten richtet großen finanziellen und emotionalen Schaden an. In persönlicher Hinsicht sind die Folgen unberücksichtigter Emotionen nicht minder schädlich. Wer sich emotional zurück nimmt und Gefühle in sich hinein frisst, der schadet seiner Gesundheit. Das führt langfristig zu einer Vielfalt psychosomatischer Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Depression oder Burnout. Die Krankenstände und anwachsenden psychischen Erkrankungen sind ein Beleg für unsere gefühlsfeindliche Arbeitswelt.

Was verstehen Sie unter emotionaler Intelligenz?

Emotionale Intelligenz bezeichnet die Fähigkeit, die eigenen Gefühle erfolgreich zu managen und auf die anderer zielführend einzugehen. Der Begriff ist weitgehend mit dem Wort „Reife“ gleichzusetzen. Emotionale Intelligenz ist also von der Vielseitigkeit und Tiefe der persönlichen Erfahrung und deren bewusster Reflexion abhängig. Emotional intelligente Menschen besitzen ein tiefes Vertrauen in ihren Erfahrungsschatz und sind fähig, auch intuitiv die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wie kann emotionale Intelligenz helfen, mehr Qualität in unseren Alltag zu bringen?

Erst wenn ich gelernt habe, mit mir und meinen Gefühlen selbstbewusst umzugehen, kann ich auf die Gefühle und Bedürfnisse anderer eingehen und Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Je höher die emotionale Intelligenz einer Gesellschaft entwickelt ist, desto mehr Zufriedenheit, Menschlichkeit und Solidarität wird entstehen. Emotionale Intelligenz heißt für mich also auch, den Fokus mehr auf Qualität als auf Quantität zu legen und zu erkennen, dass Egoismus und Gier uns nicht glücklicher machen, sondern Vertrauen, Verständnis und Liebe.

Wie lässt sich emotionale Intelligenz erlernen?

Jeder Mensch kann aus eigenem Antrieb heraus in Freizeit, Beruf und Partnerschaft sein Leben lang neue Erfahrungen sammeln, um seine emotionale Intelligenz zu entwickeln. Nur hindern uns gesellschaftliche Abhängigkeiten, Erziehung und Ängste häufig daran, diesen persönlichen Weg zu finden und zu gehen. Deshalb ist es sinnvoll, sich auf dem Gebiet der Persönlichkeitsentwicklung von einem Trainer und Coach begleiten zu lassen. Auch unsere Trainings zur Emotionalen Intelligenz sind eine Chance, sich selbst zu finden und zu entwickeln.

Gibt es eine Möglichkeit, den eigenen EQ zu ermitteln?

Inzwischen gibt es zahlreiche auch wissenschaftlich fundierte Test, um den eigenen EQ zu ermitteln. Auch CIT bietet einen solchen Test an, um sich auf die Trainings vorzubereiten. Solche Tests sind aber nicht mehr als eine Standortbestimmung und ersetzen nicht die Selbsterfahrung.

Haben Sie den Eindruck, dass Arbeitgeber zunehmend auf soziale Kompetenz achten?

Ja, die soziale Kompetenz ist für viele Arbeitgeber heute eines der entscheidenden Einstellungskriterien. Nur herrscht kaum Einigkeit darin, welche Fähigkeiten unter diesen Begriff fallen und mit welchen Methoden soziale Kompetenz zu trainieren und zu entwickeln ist. Viele glauben noch daran, Sozialverhalten durch Führungstechniken trainieren zu können. Für mich beinhaltet Sozialkompetenz aber alle zwischenmenschlichen Fähigkeiten einer „gereiften“ Persönlichkeit, die gelernt hat, ihre eigenen Emotionen zum Wohle der Gemeinschaft zu managen, ist also von Persönlichkeitsentwicklung gar nicht zu trennen.

Wie sind Sie zu Ihrem jetzigen Beruf als Coach gekommen? War es Ihr „Traumberuf“?

Ursprünglich habe ich Kommunikationsdesign studiert, mich mit 27 Jahren als Designer und Marketingberater selbstständig gemacht. Ausgelöst durch eine berufliche und persönliche Krise begann ich im Alter von 39 Jahren eine mehrjährige Trainerausbildung. Durch diese intensive Selbsterfahrung erkannte ich mich und meine wirkliche Berufung und fand den Mut, mein Leben noch einmal grundlegend zu verändern. Nach 20 Berufsjahren gab ich die Geschäftsleitung meiner Werbeagentur auf, um mich ausschließlich der Entwicklung von Mensch und Organisation zu widmen. So gesehen ist meine heutige Tätigkeit als Trainer und Coach mein zweiter Traumberuf, den ich inzwischen seit 15 Jahren ausübe.

Welche Gedanken kommen Ihnen zu den Worten von Robert Bly? „Jeder Teil unserer Persönlichkeit, den wir nicht lieben, wird uns zum Feind werden.“

Diese Worte erinnern mich an zahlreiche auch schmerzhafte Erfahrungen während meiner Aus- und Weiterbildung. Ja, Persönlichkeitsentwicklung heißt, alle eigenen Anteile der Persönlichkeit anzuerkennen und wertzuschätzen. Unsere Persönlichkeit funktioniert wie ein inneres Team: Wenn wir Teile in uns ausgrenzen oder unterdrücken, machen diese sich auf subtile Weise bemerkbar: sie sabotieren unsere Pläne durch Unlust, emotionale Ausfälle oder melden sich in Form von Krankheiten. Wir tun also gut daran, auch die Schwächen und Schattenseiten in uns als wertvolle Teammitglieder zu integrieren und lieben zu lernen.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Selbstreflexion, Lebensfreude, Gelassenheit, Achtsamkeit, Toleranz sind mir wichtige Begriffe im Umgang mit mir selbst und anderen. Die Lösung vieler Probleme liegt für mich in der Integration von scheinbaren Gegensätzen wie: Verstand und Gefühl, Angst und Freude, Mann und Frau oder Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Erst wenn wir unsere Abneigung vor dem uns Fremden überwinden, können wir ganz werden – zu Gelassenheit und Zufriedenheit finden.

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