Krisen gehören zum Leben. Doch wie können wir lernen, mit ihnen umzugehen, ohne unterzugehen und eine innere Widerstandskraft zu entwickeln, ohne abzustumpfen?

Barbara Messer ist seit 1999 selbstständige Trainerin und Autorin. Sie verfügt über Ausbildungen im Sozialmanagement, (Leitung Pflege, Validation, systemische Strukturaufstellungen) sowie über 15 Jahre Berufserfahrung als Altenpflegerin. Weiterhin ist Barbara Messer NLP-Master und -Trainerin und Ausbildungstrainerin für Suggestopädie, TMS®-Trainerin und Beraterin (Team Management System). Sie ist Autorin zahlreicher Bücher aus den Bereichen Pflege und Trainingsmethoden.

Bei manchen Menschen steht in belastenden Situationen weniger die Angst im Vordergrund, sondern vielmehr der eigene Handlungsspielraum. Wie lässt sich diese innere Stärke erklären? Und vor allem: Kann ich sie trainieren?

Sie fällt uns nicht immer gleich auf, allerdings dann, wenn wir sie brauchen, steht sie zur Verfügung. Zur Zeit wird innere Kraft und Stärke auch in einen Topf mit Resilienz geworfen. „Hindernisse machen uns groß“ André Chénier. So sehe ich es auch. Wenn wir den Herausforderungen des Lebens und den Hindernissen ausweichen, dann bringt uns das auf den ersten Blick Bequemlichkeit, im zweiten Schritt allerdings haben wir eine wichtige Lernchance verpasst. Denn mit genau dieser Lernchance hätte sich unsere Stärke ausbauen und trainieren lassen.

Ja, ich denke schon, dass sich das trainieren lässt. Ein ganz bekannter Ansatz ist das Modell der Resilienz. Mittlerweile klingt der Begriff relativ abgedroschen und dennoch nenne ich ihn ganz gerne. Das was Menschen tun, die über diese ausgeprägte Resilienz verfügen, ist etwas, was wir lernen können. Es sind ganz klare Glaubenssätze, Verhaltensweisen und Strategien. Sie sind also erlern- und trainierbar. Allerdings gibt es Menschen denen es leichter fällt Resilienz zu erlangen, als anderen. Es wird auch davon ausgegangen, dass wir eine bestimmte Konstitution dafür mitbringen. Ich habe sie zum Beispiel von meiner Mutter gelernt.

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Herausbilden von Stärken, körperlicher Kraft und mental, gerade dann wenn das Leben sehr schwer ist und wir sogar in einer Krise sind. Und auch darüberhinaus habe ich mich mit dem Thema Schmerz intensiv beschäftigt, da ich es unter anderem im Pflegebereich unterrichtet habe. Ich spreche hier von körperlichen und seelischen Schmerzen. Vor kurzem erlebte ich – neben vielen anderen – ein Augen öffnendes Ereignis. Eine – für mich recht neue – Body Pump Trainerin heizte uns während der Trainingsstunde ordentlich ein.

Sie sagte während eines sehr anstrengenden Workouts: „Genießt die Schmerzen im Bizeps“. Im ersten Moment dachte ich, sie ist nicht ganz bei Trost. Doch während des Trainings dachte ich tatsächlich über diesen Satz nach. Und mit der Zeit begann ich zu ahnen, was sie meint. Die Schmerzen waren für diesen Moment überschaubar. Ich wusste, der Schmerz wird nur noch 3 Minuten dauern. Durch das Überwinden dieses Schmerzes habe ich mich selber für die Herausforderung trainiert.

Durch diese und ähnliche Erlebnisse, habe ich erfahren, dass es einerseits möglich ist, unseren Körper zu trainieren und mit seelischen Schmerzen besser umgehen zu können. Und im Gegenzug auch die seelisch-mentale Stärke wachsen zu lassen, wenn unser Körper schwächer wird. Wir haben es also in der Hand, uns selber zu trainieren. Dazu braucht es aber auch, dass wir einen Schmerz, oder etwas anderes Schweres annehmen, uns damit auseinandersetzen, um dann daran zu wachsen. Das Ergebnis ist Stärke.

Diese Stärke kann auf vielen Säulen ruhen. Ich erlaube mir hier, einmal aus mir heraus zu schöpfen und das mit den Gedanken anderer zu verbinden. Und da möchte ich gleich die unterschiedlichen Aspekte der Resilienz anfügen. Allen voran der Optimismus. Wenn wir daran glauben, dass etwas gelingt, geben wir ihm damit ja auch die größtmögliche Chance, dass es gelingen wird.

Auch das Akzeptieren und Annehmen von Ereignissen und Situationen trägt zum Wachstum von Stärke bei. Das setzt voraus, zu unterscheiden, welche Ereignisse und Veränderungen in unseren Einflussbereich fallen und welche nicht. Denn wir können natürlich über unser eigenes Verhalten, Denken und Fühlen, etwas akzeptieren, wenn wir es selber beeinflussen können.

Können wir etwas nicht ändern, so können wir zumindest unser Denken darüber ändern. Das wiederum hat Einfluss auf unsere Emotionen und Gefühle. Wenn wir daran glauben, dass die Aufgaben, die auf uns zukommen keine Störungen oder unüberwindbare Hindernisse sind, sondern Herausforderungen die wir annehmen können, dann ist eine Lösung eher in Sicht.

Was können wir tun, um besser akzeptieren zu können? Wir können lernen, dass Unglück, Enttäuschung, Katastrophen und Widrigkeiten Teil unseres Lebens sind. Manche Erfahrungen und Dinge lassen sich einfach nicht vermeiden. Wenn wir das akzeptieren, uns schrittweise öffnen, können wir auch schrittweise begreifen und annehmen. Nach jedem Schritt ist zu überlegen, wie es weitergehen kann. Alles hat immer positive und negative Anteile. Wenn wir beide Seiten annehmen, ohne das Negative überzubewerten, haben wir einen größeren Überblick über die Situation.

Dazu gehört es dann auch sich in gewissem Maß selber regulieren zu können, nicht immer Opfer unserer eigenen Launen und Impulse zu sein. Ein gewisses Maß der Selbstregulierung lässt Stärke wachsen. Zumal wir dann ja auch die Chance haben, uns selber genauer zu reflektieren. Ganz wesentlich sehe ich diesen Aspekt des Engagements und der Verantwortungsübernahme. Sich aktiv einzubringen, und für das was wir tun und woran wir glauben Verantwortung zu übernehmen, ist das Gegenteil einer Opfer-Haltung. Hier werden wir stark, weil wir zu dem stehen, was wir tun und was uns wichtig ist.

Menschen, die eine innere Stärke haben, die sie von anderen unterscheidet, haben auch oft ein gutes Netzwerk an Beziehungen und Freundschaften, durch die sie getragen werden. Nähe und Kontakt sind für sie wie Öl für einen Motor. Sie haben keine Angst vor Nähe und Kontakt, sondern gehen sehr offen und empathisch auf andere Menschen zu. Ja, und – last, but not least – der Glaube an die Zukunft. Der lässt uns Menschen handeln, gestalten, zielstrebig auf etwas hin bewegen.

Das Vertrauen in einen größeren Zusammenhang, in das große Ganze, lässt uns mutig werden. Ein „es wird schon“ ist wie gut gereifter Kompost für den Garten. Er ist ein Schatz und setzt Kräfte frei. Ich selber habe es – teilweise sehr mühsam – lernen dürfen, Geschehnisse und Ereignisse, als vorläufig oder noch nicht abgeschlossen hinzunehmen und zu akzeptieren. Es ist ein normaler Prozess, weil vieles in Veränderung, im Wachstum ist.

Immer mehr gehe ich davon aus, dass wir Menschen uns genau an diesem Punkt unterscheiden. Eine Gruppe von Menschen neigt dazu, Opfer zu sein und die Opferrolle auch gnadenlos auszufüllen, so dass sie selber keine Verantwortung übernehmen und diese an andere übertragen. Somit brauchen sie nicht zu handeln, sondern sind in einer Art Starre und leidenden Position. Anderen Menschen wiederum holen die Kraft, eine neue Perspektive, einen Handlungsansatz, die Motivation weiterzukommen und Ähnliches aus sich selber heraus. Sie nutzen ihre eigene Repräsentanz der Welt in sich selber, um daraus Kraft und Hoffnung zu generieren. Sie sind nicht, wie die anderen Menschen, primär von äußeren Reizen abhängig.

Selbstbeschuldigungen sind ein ewiger Teufelskreis mit magischer Sogwirkung, um eigenverantwortliches Handeln so unmöglich wie möglich zu machen. Hinter jeder chronischen Selbstbeschuldigung steckt meist die Sehnsucht nach Liebe, Verständnis und Empathie. Nur bitten Menschen, die lieber den Weg über die Selbstbeschuldigung gehen, nicht genau darum bzw. erfüllen sich diese Bedürfnisse nicht. Vielmehr hoffen sie täglich auf ein Wunder – denn der Partner oder die Partnerin soll ihnen den Wunsch, das Bedürfnis von den Augen ablesen.

Oder die kleinen dezenten Hinweise, das eigene Verhalten sollte doch genügen, damit das Gegenüber Bescheid weiß. Sie schaffen eine Sogwirkung. Der Partner mag anfangs vielleicht noch an seinen hellseherischen Fähigkeiten arbeiten, um dem anderen entgegen zu kommen, aber diese Quelle versiegt irgendwann. Für den Partner bedeutet das totalen Stress, denn er muss quasi Bestätigung und Zuwendung geben, dem Nehmenden reicht das aber nicht aus. Denn die Schuldzuweisungen fressen diese gleich wieder auf. Es gleicht einem Fass ohne Boden.

Wenn Sie sich als Opfer sehen, sind Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit und Wahrnehmung im Außen. Sie achten auf die Menschen, denen Sie nach Ihrem Weltbild ausgeliefert sind. Sie suchen in ihrem Verhalten, Gestik und Mimik mögliche Signale und Hinweise. Davon leiten Sie Ihre Stimmung ab. Sie sind frustriert, niedergeschlagen, jammernd, wütend, zornig oder frustriert, weil die Menschen so sind, wie sie sind. Sie lassen sie damit über Ihr Leben bestimmen. Sie geben die Verantwortung für Ihr Wohlergehen ab.

Das betrifft alles, alle Umgebungen. Denken Sie bei der Arbeit „Ich kann es eh nicht ändern, die Bedingungen sind so“, dann werden Sie es nicht ändern. Das Hamsterrad, in dem Sie laufen, dient dem schmerzhaften Denken: „Ständig läuft alles schief… und immer sind die anderen schuld… Ständig läuft alles schief.. .und immer sind die anderen schuld…. Das lähmt.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Oscar Wilde“]Sich selbst zu beschuldigen ist Luxus. Wenn wir uns selbst Vorwürfe machen, glauben wir, dass niemand anders das Recht dazu hat.[/pullquote2]

Viele Wünsche kommen über das Stadium des Grübelns nicht hinaus. Manchmal fehlt die Methodik, um Ziele strukturiert anzugehen. Oftmals fehlt allerdings der Glaube an sich selbst. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Begeisterung in den Menschen zu wecken, damit sie ihre Wünsche ernst nehmen?

Wer grübelt, der grübelt. Wenn wir grübeln, drehen wir uns im Kreise oder sind mit unserem Kopf im Hamsterrad gefangen. So leicht kommt keiner da heraus. Dabei ist es möglich, auch wenn wir es in diesen Momenten nicht glauben.

Das Stadium des Grübelns können wir verlassen, wenn wir daran glauben, dass die Lösung außerhalb unseres Denkens liegt und wir eine neue Perspektive oder eine neue Haltung einnehmen möchten, sollen, wollen. Wir selber sind es, die den Dirigentenstab in der Hand haben, um unsere Gedanken und unsere Aufmerksamkeit in eine andere Richtung zu lenken.

Ich sehe eine ganze Handvoll an Möglichkeiten, die für fast jeden Menschen möglich sind: Sehen Sie sich selber als Gestalter Ihres Schicksals. Mit dem Älterwerden denke ich immer mehr, dass irgendeine Instanz im Leben unseren Weg im groben Schritten für uns plant, durchführt und gestaltet. Aber ich glaube genauso, dass wir die Würfel auch selber auf den Tisch werfen dürfen.

Ein Stück weit haben wir immer die Möglichkeit, unser Schicksal, unseren Weg, unsere Aufgaben und letztendlich unser Leben so zu leben, wie wir es möchten. Dies gelingt uns u.a. durch Entscheidungen, Ziele und Verantwortungsübernahme. Die Schwierigkeiten und Herausforderungen, die wir immer wieder erleben und die wir natürlich nicht eingeplant haben, gehören auch dazu. Darüber möchte ich nicht streiten (gerne philosophieren), denn sie sind eine gehaltvolle Essenz unseres Wachstumsprozesses. Wir können uns als Lebensgestalter erfahren, wenn wir die Dinge so betrachten, dass sie in unserem Sinne sind. Und nicht gegen uns gerichtet sind. Sie sind ein Teil von uns, unseres Lebensweges, unseres Wachstums und unserer Aufgabe hier auf der Erde.

Ziele setzen. Eines der einfachsten Dinge der Welt ist es, sich ein Ziel zu setzen. Ziele zu setzen hat etwas Sportliches, Dynamisches und Effizientes. Wir bestimmen, wo wir hin wollen. Wir entscheiden über das Ziel, über die Richtung, über die Absicht. Damit geben wir uns die Chance, die jetzige Situation deutlich zu verlassen. Indem Moment, wo wir uns Ziele setzen, werden wir aktiv und handlungsfähig. Das holt uns sofort aus der Opferrolle heraus. Wir sind Gestalter. Und, nebenbei, wie groß oder klein das Ziel ist, das liegt in unserer Hand. Die Betrachtungsweise: So, wie wir die Dinge betrachten, so sind sie auch für uns. Wenn wir unsere Betrachtung ändern, können wir aus einer eingefahrenen Situation, eine der größten Lernchancen unseres Lebens machen.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Jean Anouilh“]Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht.[/pullquote2]

Wir haben es auch in der Hand, wie wir die Dinge, die sie erleben, bewerten. Auch wenn im Moment etwas noch schwierig ist, kann es ja sehr wohl sein, dass es, in ein oder zwei Jahren, das Wichtigste war, was uns voran gebracht hat. Das wissen wir jetzt noch nicht. Aber wir können dem jetzt unterstellen, dass es gut ist für uns. Oder dass es „für etwas gut ist“. Das macht es leichter.

 


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Wir sind verantwortlich für das was wir tun. Allerdings zahlen wir auch den Preis für das was wir nicht tun. Welchen Auswirkungen kann es haben, wenn wir unseren Talente und Wünsche nicht ernst nehmen?

Diese Frage lässt sich doch recht einfach beantworten. Wenn wir das, was uns zur Verfügung steht nicht nutzen und ernst nehmen, kann es sehr gut sein, dass wir unglücklich sind und den Sinn unseres Lebens nicht finden.

Wenn wir unsere Aufgaben nicht annehmen, wenn wir ausweichen, und nicht das tun, was unsere Aufgabe sein kann, können wir verkümmern und zu einem chronischen Opfer werden. Ein denkbar ineffizienter Lebensstil. Wir haben doch unsere Talente und Fähigkeiten geschenkt bekommen. Wir sollten sie nutzen, um daraus Geschenke für die Welt oder andere Menschen zu machen. Wagen wir es nicht unsere Sehnsüchte, Ziele, Visionen und tief in uns schlummernden Wünsche zu realisieren, kann es uns genau dann bewusst werden, wenn zu spät ist, sie umzusetzen.

In den 15 Jahren meiner pflegerischen Tätigkeit, in denen ich mehr als 50 Menschen beim Sterben begleitete und viele, viele andere beim alt werden erleben durfte, erfuhr ich immer wieder, dass es Menschen gibt, die ihr Leben gelebt haben und das getan haben, was wichtig war. Diese Menschen sind integer und zufrieden gestorben. Die anderen, die ihre Sehnsüchte und Bedürfnisse jahrzehntelang zurückgestellt haben, haben zum Lebensende hin sehr mit Bitterkeit und tiefer Frustration gekämpft.

Bronnie Ware, eine australische Palliativkrankenschwester, hat kürzlich in einem Buch die fünf Klassiker des Bedauerns zusammengefasst, die fast jeder Mensch am Ende seines Lebens verspürt: Hätte ich nur ein Leben gelebt, das wahrhaftig war, anstatt den Erwartungen Anderer zu genügen. Hätte ich nur nicht so hart und so viel gearbeitet (betrifft hauptsächlich Männer). Hätte ich nur den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken. Hätte ich nur den Kontakt zu Freunden gehalten. Hätte ich mir selbst mehr Glücklichsein erlaubt.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die Hauptursachen für ein geringes Selbstwertgefühl?

Meines Erachtens nach sind das die prägenden Kinderjahre. In denen wir entweder den Satz hörten „Das schaffst du nicht“ oder „Das schaffst du schon“. Hier zeigt sich was andere über uns denken, was sie uns zutrauen und in welchem Licht sie uns sehen.

Wenn wir als Kind oft genug hören „Du bist eine Niete“, „Du kannst das sowieso nicht“, dann glauben wir es irgendwann. In all den Jahren darauf sortieren wir Informationen aus der Umgebung und von anderen Menschen genau in diese „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“. Wir stärken das einstmals codierte Programm und verlieren immer mehr Selbstwertgefühl. Und natürlich auch genauso umgekehrt. Nur wenigen gelingt es, nach frühkindlichen negativen Prophezeiungen, einen anderen Weg einzuschlagen. Das sind Menschen die ganz bewusst an sich etwas verändern wollen, und sich nicht scheuen, die eigenen Schattenseiten anzuschauen und darin Licht zu sehen.

Schreiben scheint in Ihrem Leben einen großen Stellenwert zu haben. Was begeistert sie an dieser kreativen Arbeit?

Was für eine Frage! Jedes Wort ist eine neue Schöpfung dessen, was ich grade just in diesem Moment über mich, über andere oder über die Welt denke. Ganz besonders deutlich wird es doch, wenn ich verliebt bin, dann überschlagen sich meine Worte, und ich finde Buchstaben und Wortkonstellationen, die das – schon tausendmal gesagte – in eine neue Wortform bringen, um jemand anderen eine wohlige Gänsehaut zu verschaffen und das Gefühl zu geben: „Ich bin die Richtige“.

Nichts anderes ist es bei einem Fachtext auch, das ist ein Werben, ein Tanz oder eine Art Spiel, um eine Sichtweise, die sich in Worten wieder findet, und das zu sagen, das meiner Meinung nach, in diesem Moment, zu diesem Anlass und Thema wesentlich ist. Aus meiner Welt heraus. Und zugleich kann das Schreiben, dieser Welt eine Farbe geben. Ich mache das Licht an für diesen Moment, so wie ich es möchte. Damit kann ich etwas Beleuchten, was für mich wichtig ist.

Sicher gibt es auch Schatten, aber es ist mein Lichtstrahl auf diesen Moment und diese Welt. Und ich genieße diese Entdeckung des Lichtes, der Perspektive, meiner Gedanken, der Lebenswelt des Lesers, die Bereicherung von Glauben und Denken, die Freude am Spiel und am Wort. Ich liebe die Gedankenkonstruktionen, die sich auftun, ich ereifere mich in den neuen Schöpfungen von Worten, Annahmen und Gedanken.

Eine Geschichte ist eine Geschichte ist eine Geschichte. Eine Liebeserklärung ist eine Liebeserklärung ist eine Liebeserklärung. Eine fachliche Aussage ist eine fachliche Aussage ist eine fachliche Aussage. Die steht geschrieben, sie kann diskutiert werden, sie kann verbrannt werden, sie kann zitiert werden, sie kann zum Denken und Diskutieren anregen. Ich bekenne mich durch meine Worte, Texte, Geschichten und Gedanken.

Während ich schreibe, bin ich so sehr mit mir, dass ich mir so nah bin, wie selten. Und zugleich halte ich etwas fest. Es steht! Das kann eine These, eine Methode oder eine Geschichte sein.

Neben Ihrer Arbeit als Buchautorin und Coach stehen Sie gerne auf der Bühne. Welche Möglichkeiten ergeben sich für Sie durch das Theater?

Das Theater war für mich schon immer eine intensive Ausdrucksmöglichkeit. Während meiner Jugend erlebte ich Theater als Medium, um politisch zu agieren. So spielte ich unter den die Themen der Friedens- und Frauenbewegung, den Anliegen von Amnesty international und der Kirche auf der Straße und auf der Bühne.

Mich faszinierte der Kontakt mit mir selber, das was ich durch das Spielen in mir entdeckte und damit etwas im Außen deutlich zu machen. Das erlebte ich sehr intensiv im Masken- und Clownstheater. Neben diesen beiden Theaterformen spielte ich einige Jahre intensiv in einem Ensemble. Später kam noch die Auseinandersetzung mit dem Bouffon dazu.

Ich hatte immer Freude an der Kreativität und den Perspektivwechseln. In meinen Trainings und Seminaren nutze ich ausgewählte Spielfiguren, um einen anderen Blick auf das Thema der Veranstaltung zu bringen. Aus „Spaß an der Freude“ und um mir eine neue Herausforderung zu suchen, bin ich zurzeit mit einem alten Freund ab und an beim Straßentheater zu treffen. Einfach aus dem Grund, weil ich das Unmittelbare daran liebe.

Tiefere Aspekte des Clowns nutze ich intensiv in meiner Arbeit. Wir können viel vom Clown lernen; für die Arbeit, unsere eigene Persönlichkeitsentwicklung, im Leben. Ich weiß aber jetzt zurzeit nicht, was noch alles kommen kann, denn ich erlebe gerade eine hoch kreative Phase in meinem Leben.

Was fällt Ihnen zu den Worten von Paul Heyse ein? „Wenn du an dir nicht Freude hast, die Welt wird dir nicht Freude machen.“

Zu diesem Satz fällt mir natürlich sehr viel ein. Er gefällt mir. Ich denke tatsächlich, dass wir für unser Glück und unsere Freude verantwortlich sind. D.h. jetzt nicht, dass wir in schwierigen Lebensphasen immer ausschließlich glücklich sein sollen. Es ist eher so zu verstehen: In jedem Moment haben wir die Chance, diesen Moment als intensiv und freudvoll zu erleben. Wenn wir als Mensch mit der Freude in Resonanz gehen, dann ist sie in uns vorhanden.

Und wenn dann auch noch Freude von außen aus der Welt zu uns kommt, dann haben wir die Möglichkeit, sie wahrzunehmen weil wir in uns Freude haben. Haben wir in uns keine Freude, keine Freude der Welt kann uns erreichen. Zudem sind wir es, die Freude in die Welt hinein bringen, um im Gegenzug Freude zu empfangen.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Diese Frage geht mir wirklich unter die Haut. Dass ich in einem Gleichgewicht lebe zwischen Geben und Nehmen, dass ich nutze, was mir das Universum geschenkt hat. Dass ich größtmögliche Liebe geben und nehmen kann, dass ich dankbar bin, für all das, was mir im Leben widerfährt.

Dass ich mich nicht nach dem Urteil anderer richte, sondern meiner Intuition traue. Es ist mir unendlich wichtig, dieses Leben zu genießen und auszuschöpfen, mit alldem was es für mich bereithält. Glücklich zu sein, traurig zu sein, berührt zu sein, Gefühle und Stimmungen zu erleben, etwas zu bewirken, hilflos zu sein, Hilfe zu geben, in einem Prozess von Lebendigkeit zu sein, mit anderen Menschen verbunden zu sein.

Zu lieben – zu lieben – zu lieben – Mich, andere Menschen, das Leben, die Natur, jeden Tag und jeden Moment.

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