Unser Geist springt gerne von einem Gedanken zum anderen. Zwischen all dem Hoffen, Bangen, Zweifeln und Wünschen kommen wir oftmals nur schwer zu Ruhe. Wäre es nicht schön, Mittel zu kennen, die zu mehr Einsicht verhelfen, damit wir unser Leben selbstbestimmter gestalten und nicht jeden Gedanken so ernst nehmen?

Inge Schöps arbeitet als Autorin, Yogalehrerin und Coach. Nach Abschluss eines Sprachstudiums und später eines MBA-Studiums war Sie in diversen Führungspositionen für international ausgerichtete Verlagshäuser tätig. 2005 wagte Inge Schöps den Schritt in die Selbstständigkeit und machte ihre Yoga-Leidenschaft zum Beruf. Sie absolvierte eine Yoga-Ausbildung bei Lord Vishnus Coach, die nach den internationalen Standards der YogaAlliance anerkannt ist. Inge Schöps ist Gründerin der Yoga-Community www.yoga-on.com und bietet Yoga in Verbindung mit Coachings, Workshops und Retreats an, letztere besonders gern auf Formentera: Yoga-On-Formentera!

Welche Rolle spielt Yoga in Ihrem Leben und wie ist diese Verbindung entstanden?

Ich beschäftige mich mittlerweile jeden Tag in irgendeiner Weise mit Yoga: Ich unterrichte, übe selbst, coache mit Yoga, lese über Yoga und schreibe darüber … Yoga spielt also wohl eine recht zentrale Rolle in meinem Leben…;-)

Entstanden ist die Verbindung vor rund 10 Jahren, als ich nach der ersten Stunde in der Lord Vishnus Couch sofort wusste: Das ist mein Ding. Dass Yoga allerdings so prägend für mein Berufs- und Privatleben werden würde, hätte ich nicht gedacht. Aber meine erste Lehrerin hat mich „gewarnt“ und ich gebe das gern weiter: Yoga wirkt!

Was unterscheidet die verschiedenen Yoga Formen voneinander? Gibt es einen zentralen Gedanken?

Es gibt unzählige Stile, Schulen Richtungen, diese zu erläutern würde hier etwas den Rahmen sprengen. Aber egal wie die unterschiedlichen Disziplinen des Yogas kombiniert oder ausgeübt werden, es geht immer um die Erleuchtung – Samadhi! Drunter machen wir Yogis es nicht…;-)

Es gibt viele Beschreibungen dieses Zustands, mir persönlich gefällt am besten: die innere Freiheit und Stabilität, den inneren Frieden nicht zu verlieren, unabhängig von äußeren Umständen… Ist natürlich leichter gesagt als getan, aber wenn es auch nicht immer gelingt, gelingt es doch durch die Übung immer öfter…

Wie lange praktizieren Sie mittlerweile Yoga und inwiefern hat sich Ihre Praxis dadurch verändert?

Ich praktiziere Yoga seit eben jener ersten Stunde vor 10 Jahren sehr regelmäßig. Anfänglich bin ich oft über meine körperlichen Grenzen gegangen, habe mich zu sehr von meinem Ehrgeiz leiten und verführen lassen. Heute praktiziere ich nach wir vor gern körperlich herausfordernd, aber deutlich entspannter, sanfter und freundlicher mit mir selbst. Außerdem lege ich mittlerweile sehr viel Wert auf Pranayama (Atemübungen) und Meditation. Das wäre mir früher im Traum nicht eingefallen.

Wie wichtig ist Fitness und Gelenkigkeit, um Yoga zu lernen? Gibt es irgendwelche Einschränkungen?

Überhaupt nicht wichtig. Jede Asana (Position) lässt sich entweder durch Varianten und/oder Hilfsmitttel so anpassen, dass jeder jeden Alters, jeder Statur und jeder Verfassung seine Asanapraxis machen kann. Wenn tatsächlich körperliche Besonderheiten bestehen, bietet es sich an, z. B. mit einem(r) physio-therapeutisch ausgebildeten Yogalehrer(in) ein paar Einzelstunden zu nehmen und zu lernen, die Praxis entsprechend anzupassen.

Irgendetwas geht immer! Und es geht einem hinterher immer besser als vorher, egal was der Ausgangspunkt ist. Pranayama und Meditation gehen sowieso, zur Not im Liegen… vorausgesetzt, man schläft nicht ein!

Gerade in der heutigen Zeit suchen viele Menschen Entspannung. In welcher Hinsicht ist Yoga dafür hilfreich?

Beim Yoga gibt es nicht nur, aber auch Entspannung. Je nach Stil ist die Asanapraxis flotter mit vielen dynamischen Anteilen oder ruhiger mit vielen Entspannungsübungen. So oder so entspannt sich durch die Kombination der Bewegung mit einer bewussten, freien und tiefen Atmung nicht nur der Körper, sondern vor allem der Geist – und der Schlingel ist ja maßgeblich für unsere Anspannung verantwortlich.

Welch eine Wohltat, wenn der Geist zur Ruhe kommt! Das ist übrigens eine der vielen Definitionen von Yoga. Außerdem üben wir am Ende einer jeden Stunde Shavasana, die Totenposition – die ultimative Entspannung überhaupt…;-)

Inwieweit kann Yoga unterstützen, zu mehr Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper, den eigenen Gefühlen und Gedanken zu gelangen?

Yoga fordert auf, dem, was gerade ist, Achtsamkeit und Bewusstsein zu schenken, also bewusst in den Moment zu gehen, in das sagenumwobene Hier und Jetzt! Und dort zu bleiben, nicht in das „Vorhin“ oder in das „Gleich“ zu gehen. Das ist wieder leichter gesagt, als getan. Unser sogenannter „Monkey Mind“ lädt uns immer wieder ein, auf Reisen zu gehen, in Erinnerungen oder Vorstellungen, ausgelöst durch Reiz-Reaktionsmuster, die wiederum neue Gedanken und Gefühle und Reiz-Reaktionsmuster auslösen usw.

Bevor wir uns versehen, sind wir in einem Gedanken- und Emotionsradel gelandet, also ganz woanders als im Hier und Jetzt. Die Yogaübungen holen uns immer wieder in den Moment und lehren uns, mit Achtsamkeit den momentanen Zustand des eigenen Körpers bewusst wahrzunehmen. Bewusst zuzuhören, was der eigene Geist gerade so erzählt und bewusst hinzuschauen, was gerade in der eigenen Gefühlswelt los ist. In der Meditation wird das noch vertieft. Wir lernen, uns selbst wie von einer Tribüne aus zu betrachten, ohne dabei über das, was wir sehen, zu urteilen, und bekommen dadurch einen neuen Zugang zu unserem Körper, zu unseren Gedanken und Gefühlen jenseits unserer gängigen Denk- und Verhaltensmuster. Lohnt sich!

Was ist das Besondere an Ihren Yoga Workshops? Nach welchen Kriterien wählen Sie den Ort aus?

Ich denke, das Besondere an den Retreats ist die sehr persönliche Beziehung zu unseren Teilnehmern, sie wachsen uns vom ersten Moment einfach ans Herz. Dazu kommt die persönliche Beziehung zu dem Ort. Formentera, meine absolute Lieblingsinsel seit Jahrzehnten, ist für mich und mittlerweile auch für meine Co-Lehrer und für viele unserer Teilnehmer ein Seelenort. An so einem Traumort intensiv Yoga zu üben und zu unterrichten, macht einfach nur glücklich!

Andere Orte, zu denen ich einen persönlichen Bezug habe, lote ich gerade aus. Das besondere an meinen Workshops im Kölner Raum ist wohl die Kombination von Yoga mit mentalem Coaching, das wird in Yogastudios (noch) nicht so häufig angeboten.

Wie viel Zeit brauchen wir in der Woche, um in die Yoga Praxis einzusteigen?

Einsteigerkurse finden in der Regel einmal die Woche statt, um die Basis zu lernen. Ideal ist natürlich, so oft wie möglich auf die Matte zu gehen, sei es auch nur für eine kurze Praxis. Aber es muss halt praktikabel sein und in den Alltag reinpassen. Meines Erachtens sind drei Dinge wichtig, die passen müssen: der Stil, der oder die Lehrer, und ein Studio in der Nähe oder zwischen dem Zuhause und dem Arbeitsplatz – damit man es schlicht und ergreifend leicht hat, so oft wie möglich Yoga zu üben!

Was geht Ihnen bei den Worten von Marshall B. Rosenberg durch den Kopf? „Eine einfühlsame Haltung ist nicht einfach immer da, sondern entsteht immer wieder, wenn wir gut für uns sorgen und uns selber nähren.“

Recht hat der Mann!

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

So glücklich wie möglich zu sein und so glücklich wie möglich zu machen.

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