Der Artikel stammt von Angela Dietz und ist ein Auszug aus ihrem Buch „GESUNDES KOMMUNIZIEREN: Für ein erfolgreiches, wertschätzendes und menschliches Miteinander“ erschienen im Verlag BusinessVillage. © Angela Dietz / BusinessVillage

Alles, was wir tun, dient der Erfüllung unserer Bedürfnisse. In dem Moment, als Alexander seinen Sohn gedanklich als egoistisch, respektlos oder ausnutzend beurteilt hat, hat er von sich selbst weggeschaut, also nach außen. Doch nur der Blick nach innen hätte ihm zeigen können, was ihn so wütend machte: Oberflächlich betrachtet ist es seine Enttäuschung darüber, dass sein Plan, einen gemütlichen Abend zu dritt mit gemeinsamem Steakessen, Bundesliga-Diskussion und DVD zu verbringen, sich nicht erfüllen würde. Das war es nämlich, was er einzig und allein vor Augen hatte.

Ein tieferer Blick offenbart das, was für das Gesunde Kommunizieren von zentraler Bedeutung ist: Seine Bedürfnisse! Er wollte sich mit seiner Planung so etwas wie Verbindung oder Nähe und Austausch erfüllen. Diese Bedürfnisse hat Alexander jedoch nicht kommuniziert. Das konnte er auch gar nicht, weil er sich dessen gar nicht bewusst war. Er war auf seinen vorgefassten Plan fixiert – seine Strategie. Er hatte noch nie etwas von Bedürfniserfüllung im Sinne der GFK gehört. Alles, was vom Plan abwich, bedeutete für ihn Enttäuschung, Frust, Ärger. Für andere Lösungen war Alexander daher nicht offen.

Hätte er seine Bedürfnisse geklärt gehabt, hätte er die Situation völlig anders betrachten können: Er wollte Zeit mit seinen geliebten Söhnen verbringen, die Verbindung stärken, Liebe spüren und geben – das ist die Essenz dessen, worauf er wirklich ausgewesen war. Der Streit ist aus dieser Sicht völlig überflüssig, ja sogar kontraindiziert gewesen, denn gemeinsame Zeit, Verbindung und Liebe wären auch auf anderem Wege möglich gewesen.

Er hätte zum Beispiel einfach am Spielfeldrand Tims Spielkünste beobachten und inzwischen mit Max die Woche Revue passieren lassen können, um anschließend mit den beiden essen zu gehen oder zu Hause gemeinsam etwas zu brutzeln. Genauso gut hätte er seine Pläne auch auf den Samstag verschieben können. Oder, oder, oder …

Wäre Alexander klar gewesen, worum es ihm eigentlich ging, also welche Bedürfnisse er sich erfüllen wollte, hätte sich der ganze Ärger vermeiden lassen. Doch er ist eben gar nicht erst auf die Idee gekommen, nach innen zu schauen, weil ihm das bisher niemand auf konstruktive Weise beigebracht hat. Stattdessen ist er geübt im Urteilen und Bewerten – und genauso darin, beurteilt zu werden: als egoistisch, rücksichtslos, respektlos, unwichtig …

 


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Wenn Alexander bisher in sich hineinhorcht, dann tut er es in dieser Weise: »Ich muss mir schon den ganzen Tag über so viel merken – doch das interessiert hier ja niemanden …!« Ein Mangel an Selbstwert bringt ihn zu diesem selbstmitleidigen Vorwurf, auf den andere Menschen nicht gerne eingehen, weil Sie von solchen Unterstellungen eher genervt als berührt sind. Alexander scheint sich seiner selbst so unsicher, dass er denkt, dass er für seine Kinder sowieso nicht interessant genug ist – eine Botschaft, die eine offene Kommunikation erschwert.

Wir sind geübt im Bewerten und Urteilen, aber nicht im Einfühlen, Fragen und Bitten. Seine Unterstellungen verhelfen Alexander nicht zu Aufmerksamkeit, Zuwendung oder Leichtigkeit – also zur Erfüllung seiner Bedürfnisse –, sondern fordern Missverständnisse und Konflikte geradezu heraus. Auf diese Wirkung von geringem Selbstwert in der Kommunikation sei an dieser Stelle nur hingewiesen.

Alexander hatte genau eine Strategie, nur eine Art und Weise im Kopf, wie der Abend für ihn abzulaufen hatte, um ihn zufriedenzustellen. Dass eine solche Herangehensweise an die meisten alltäglichen Situationen zu kurz greift, erschließt sich leicht. Das Leben ist voller Unwägbarkeiten und genauso reich an alternativen Lösungen. Sie sehen zu können, setzt jedoch die Selbstklärung voraus – die gesunde Haltung, die Alexander noch nicht kennt.

Wie viele Menschen hat Alexander wenig Ahnung, wie es in ihm aussieht, was Bedürfnisse im Sinne der GFK sind und wie er aussprechen kann, was ihn bewegt, ohne dabei Vorwürfe zu äußern. Er hat auch noch nicht verstanden, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen dem gibt, was sein Sohn Tim gesagt hat, und dem, was er selbst in seinem Kopf daraus gemacht hat. Er nimmt seine destruktiven Interpretationen noch nicht wahr. Es fehlt ihm an Bewusstsein.

Genauso ging es mir bis zum Jahr 2001 auch – bevor ich die GFK für mich entdeckt hatte. Sie bietet mir seither tagtäglich Möglichkeiten, mich selbst mehr und mehr kennenzulernen, gesund zu kommunizieren und damit erfüllter und erfolgreicher zu leben.

[image_frame style=“shadow“ align=“left“ alt=“Angela Dietz“ title=“Angela Dietz“]https://leben-ohne-limit.com/wp-content/uploads/2012/09/AngelaDietz.jpg[/image_frame] Angela Dietz studierte Biologie, Sportwissenschaft und päd. Psychologie mit Auszeichnung. Fasziniert vom vielschichtigen Thema Kommunikation und Beziehung, setzte sie ihren Weg mit einer Trainerausbildung in der freien Wirtschaft und einer Ausbildung zur beratenden Psychotherapeutin fort. Seit über 10 Jahren berät Angela Dietz namhafte Unternehmen und bildet Manager, Mitarbeiter und Trainer im GESUNDEN KOMMUNIZIEREN auf Grundlage der gewaltfreien Kommunikation aus.

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