Der Artikel stammt von Katharina Ohana und ist ein Auszug aus ihrem Buch „Gestatten: ICH: Die Entdeckung des Selbstbewusstseins“ erschienen im Gütersloher Verlagshaus/Random House. © Katharina Ohana

Reichtum, Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung sind kein Zeichen dafür, dass jemand Verantwortung für sich selbst übernommen hat. Sie sind oft nur Mittel, mit denen wir uns die (kompensierende) Anerkennung anderer erkämpfen, unser Selbstbild kaschieren und sichern wollen.

Verweigert uns unser Umfeld diese Anerkennung, werden die anderen, die Welt schnell zum Feind unserer Selbstbetätigung: Doch weder im Job, noch in einer Beziehung sind unsere Mitmenschen daran Schuld, dass wir nicht genug Anerkennung, Bestätigung und Aufmerksamkeit bekommen. Unser Selbstwert wird letztlich nicht stärker, wenn wir uns ständig gegen andere behaupten, wenn wir glauben, besser sein zu müssen und uns mit Dingen und Titeln und Erfolgen schmücken, die das beweisen sollen. Wir genießen zwar den ein oder anderen kurzzeitigen Triumph, doch bald schon jagen wir dem nächsten hinter her, weil unser Selbstwertgefühl durch diese aufgesetzten Äußerlichkeiten keine Heilung erfährt.

Der Buddhismus verfolgt das Ziel der Glückseligkeit, indem er jedes Bedürfnis abschafft. Das ist für uns westlich sozialisierte Menschen kaum möglich – und auch nicht nötig. Unser Glück hängt nicht so sehr davon ab, nichts mehr zu wollen, als vielmehr davon, Schwerpunke zu setzen, die unserer Veranlagung besser entsprechen: Tiefe emotionale Verbindungen mit anderen Menschen, Verwirklichung unserer kreativen Fähigkeiten und Talente, auch wenn diese der kapitalistischen Werteordnung nicht entsprechen und daher von offizieller Seite kaum Anerkennung finden.

Wenn wir ohne den falschen Traum vom vollkommenen Diesseits oder Jenseits an unser jetzt gegebenes Leben herangehen, spüren wir die Pflicht, dieses eine Leben zu leben und ihm die größtmögliche Selbstgestaltung abzugewinnen. Und selbst wenn es danach weiter gehen sollte: Was würde es schaden jetzt wahrhaftig zu leben?

Unsere Eltern haben uns nicht die Behandlung zukommen lassen, die wir verdien(t)en und deshalb müssen wir auch alle anderen Werte in Frage stellen, die wir aus ihrer Weltsicht übernommen haben. Jedes Verhalten, jede Charaktereigenschaft, die in ihren Augen als gut galt, jedes erreichenswerte Ziel, jedes subtile Oben und Unten ist von ihren Schwächen, der Unreife ihres Charakters und ihrer Weltsicht betroffen. Wenn wir uns das Recht nehmen uns selbst unsere eigenen Werte, unser eigenes Maß zu suchen und zu verwirklichen, wächst unsere Freiheit, unsere Stärke und unser Selbstwertgefühl. Dazu brauchen wir eine eigene Werteordnung, eine selbstgewählte Moral, ein individuelles Maß und den Willen uns ihnen aus freien Stücken zu verpflichten – auch wenn es manchmal unbequem ist.

Wirkliches Selbstvertrauen hat wenig mit Egoismus zu tun, auch wenn uns genau das dann so oft von unserem Umfeld vorgeworfen wird, sobald wir anfangen, unsere Grenzen (neu) zu definieren und uns gegen die Manipulation durch Schuldgefühle wehren. Im Grunde steht hinter diesen Vorwürfen nur der Egoismus der anderen, die uns nicht mehr für ihren eigenen Mangel, ihr eigenes inneres Kind einspannen können.

Wir können beschließen, uns nicht mehr schlecht behandeln zu lassen, nicht mehr beschimpfen zu lassen, versetzt, betrogen oder ausgesaugt zu werden, mit überhöhten Ansprüchen unter Druck zu geraten, in ständige Eifersucht verstrickt zu sein, etc. Auch wenn es noch so weht tut und die Angst uns verfolgt: Wir sind uns selber zu viel wert, um uns das gefallen zu lassen! Und da wir uns selbst unsere Sehnsüchte erfüllen, brauchen wir es uns auch nicht mehr gefallen lassen. Keiner, weder Eltern, noch Lehrer, kein Priester oder Chef hat das Recht dazu seine Werteordnung als so richtig zu empfinden, dass er damit uns unseren Wert absprechen könnte.

Niemand kommt mit Schuldgefühlen zur Welt. Schuldgefühle entstehen, weil unsere Umwelt wertet, und zwar uns und unser Tun als falsch bewertet. Doch Warum sollten wir automatisch faul werden, nur weil wir halbtags arbeiten? Wir hätten nun viel mehr Zeit für andere wertvolle Interessen und müssten uns und unsere Zeit selbst strukturieren. Warum ist nur bezahlte Arbeit „wertvolles Tun“? Warum brauche ich Schmerzen oder eine Krankheit, um mir eine Auszeit zu nehmen? Wer bestimmt denn, dass im Café sitzen und nachdenken sinnloser ist, als Überstunden? Was zeigt ein teurer Sportwagen oder ein großes Haus oder ein Designerkleid über seinen Besitzer? Wem müssen wir am Ende unseres Lebens Rechenschaft abgeben? Was brauchen wir wirklich? Hängt unsere Selbstentfaltung an äußeren Gegenständen, die wir meinen, besitzen zu müssen, um anderen zu zeigen wer wir sind? Sind die Dinge, mit denen wir uns umgeben, Sachen, mit denen wir uns wirklich auseinander setzen? Benutzen wir andere Menschen, um uns selbst zu stabilisieren? Warum bewerte ich etwas oder jemanden als gut oder schlecht? Warum tue ich, was ich tue?

Das freie Leben gründet als gutes Leben auf einem Vertrag mit sich selbst, auf dem Bewusstsein der Eigenverantwortung. Wenn ich maßlos und rücksichtslos lebe, kann kein Geld der Welt mir am Ende meine Gesundheit retten oder mich vor Verschuldung oder Einsamkeit bewahren. Wenn ich meinen Partner immer wieder betrüge, darf ich mich nicht wundern, wenn ich am Ende alleine dastehe. Wenn ich meine eigenen Bedürfnisse immer vor die meiner Kinder stelle, wird ihr Verhältnis zu mir (irgendwann) schlecht sein und sie werden nicht glücklich werden. Wenn ich glaube, Pflicht und Ordnung sind die alleinige Wahrheit, wird mein Leben aus Pflicht und Ordnung bestehen. Nur: Am Ende wird niemand kommen, um das zu belohnen. Ich könnte es ja auch gar nicht annehmen, denn das Genießen einer Belohnung steht ja entgegen meiner Werteordnung. Wenn ich geizig bin, wird mich jeder für einen Geizhals halten, ganz egal, ob ich als Kind immer zu kurz gekommen bin.

Wir müssen unsere eigenen Grenzen finden: Es sind nicht die anderen, die unsere Grenzen erahnen müssen, um uns nicht zu verletzen. Wir können auch nicht von ihnen verlangen, dass sie Verständnis dafür haben, wenn wir nur an uns denken. Der großen Klage über die Orientierungslosigkeit im globalen Kapitalismus kann nur die eigene Wahrhaftigkeit entgegen gesetzt werden, Werte, die jeder von uns selbst lebt.

Unsere offiziellen Regeln sind von Ausbeutung und Rücksichtslosigkeit geprägt; Politik, Kirchen und Wirtschaftsführer sind von Egoismus und moralischem Verfall unterwandert: Wir können uns nur selbst verpflichten den Anstand zu wahren, selbstbewusst gegen Verführungen und Schwäche ankämpfen. „So was tut man nicht“ ist ein Satz der seine Wahrheit nur im eigenen Denken und Handeln findet und mittlerweile dem offiziellen Verhaltenscodex entgegensteht. Es ist unrealistisch auf eine umfassende humanistische Wendung der Welt zu warten oder sie einzuklagen, noch dazu wenn wir sie nicht selbst in unserem Alltag bereit sind umzusetzen.

Der Sinn des Lebens, genauso wie unsere Moral und Werte sind letztendlich nicht objektiv zu beweisen. Deshalb ist das Leben aber nicht sinnlos. Der eigene Willen, sich moralisch zu verhalten, die Be-Mühung um Selbstkritik, Freiheit und Selbstbestimmung, kann dem Leben ausreichend Sinn geben. Setzen wir uns also bewusst neuen Erfahrungen aus und manipulieren wir die Erfahrungsmuster unseres Unterbewusstseins selbst!

 


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Neben der Umwertung braucht es im Prozess unserer Selbstbefreiung auch noch das Umlernen – denn Einsicht und Neuorientierung allein reichen noch nicht aus für eine wirkliche Veränderung unserer Lebensverhältnisse. Wir müssen selbstbestimmt handeln! Es ist notwendig, dass wir unsere Verhaltensweisen ändern, um freier zu werden. Wir müssen neue Grenzen setzen, gegenüber unserer eigenen Sehnsucht – aber auch gegenüber den Forderungen unserer Partner, Freunde, Kollegen, Vorgesetzten.

Wir sind nicht verantwortlich für das Leben und Glück der anderen, aber die anderen sind auch nicht verpflichtet, unsere infantilen Wünsche nach Geborgenheit und Sicherheit zu erfüllen. Egal, wie sehr wir jemanden lieben und meinen ihn zu brauchen: Zuerst brauchen wir uns selbst, zuerst müssen wir uns selbst lieben und schätzen, damit unsere Liebe nicht mehr Abhängigkeit und Kindersehnsucht ist. Und auch wenn wir das nicht gleich schaffen und uns wieder die alten Muster einholen: Wir können es ja immer weiter versuchen!

Wir erreichen Stärke und Bewusstsein hauptsächlich durch unsere Krisen: Veränderung geht nicht ohne Anstrengung, oft genug nicht ohne Leid. Neues Handeln ist mühsam, aber gerade deshalb letztlich so wirksam und erfüllend. Schnell und einfach mag von Wert sein, wenn es um Topfspülen oder Pizzabestellung im Internet geht (und selbst da bleibt es oft ein Wunsch). Doch niemals sollten wir uns nur „schnell mal“ um unsere Selbstverwirklichung kümmern. Vereinfachung und Absicherung hat unser Leben nicht glücklicher gemacht, sondern nur leerer.

Wir müssen Abstand davon nehmen, dass wir durch irgendein einfaches Mittel „Vollkommenheit“ und „paradiesische Lebensumstände“ erreichen. Im Gegenteil: Das Einfache und Schnelle führt uns weg von der Tiefe, von der Ergründung unserer Talente und Lebensaufgaben. Langsamkeit und Ausführlichkeit sind wertvoll, wenn wir unsere Wahrheit finden und umsetzten wollen. Wir gewinnen Befriedigung, wenn wir uns ohne Überanstrengung ausgiebig mit etwas beschäftigen, das uns interessiert. Doch nur sehr wenige Menschen erleben diesen „Flow“, dieses Einssein mit dem Fluss des Lebens in ihrem Alltag.

Je reifer unser Selbstwertgefühl wird, um so schneller merken wir, wenn uns jemand oder etwas nicht gut tut. Wir sollten uns immer wieder auf die Schliche kommen und feststellen, wo wir uns wieder wie Kinder fühlen und entsprechend verhalten.

Die asiatische Philosophie benutzt die Methode der „Achtsamkeit“, um sich in jedem Moment des Lebens seines Tuns gewahr zu werden, ohne Selbstverurteilung, ohne die eigenen Emotionen und Ängste abzuwerten. Diese Momente der Achtsamkeit sollten sich immer weiter ausdehnen, bis sie zur ständigen Wahrnehmungsform werden. Stück für Stück müssen wir unser Verhalten und Denken hinterfragen, Situationen erleben, in denen wir wieder genau an dem Punkt stehen, der unser ferngesteuertes Handeln provoziert – und dann einen Schritt in eine andere, neue Richtung machen, hinein in die Ungewissheit und in das Selbstvertrauen, dass wir es besser können, ohne falsche Zuwendung, erzwungene Aufmerksamkeit und eine perfekte Fassade überleben werden.

Um in seinem Leben aktiv anders zu handeln ist es sinnvoll sich Rituale zu schaffen, die dem täglichen Alltagstrott mit seinem automatisch ablaufenden Verhaltensmustern entgegenwirken: Jeden Freitag Nachmittag aufräumen; jeden ersten Sonntag im Monat Rechnungen sortieren; eine Stunde jeden Abend mit dem Partner reden, ohne Ablenkung, in der jeder dem anderen eine halbe Stunde von seinem Tag und seinen Probleme erzählt (auch wenn er keine Lust dazu hat und das nicht gelernt hat und es albern und zwanghaft findet und lieber stumm vor dem Fernseher sitzen will); einen festgelegten Abend in der Woche, an dem man etwas gemeinsam unternimmt und der von allen anderen Verpflichtungen frei gehalten oder im Sonderfall nachgeholt wird (einmal bestimmt der eine und einmal der andere das Programm); ein ständiger Samstag Nachmittag an dem man für sich Zeit hat, weil der andere die Kinder übernimmt, die man ihm selbst dann wiederum am Sonntag Morgen vom Hals hält; ein Beziehungsentwicklungsgespräch am ersten Tag des Jahres, wo man ausdiskutiert, was man bis Ende Dezember erreichen möchte (gemeinsame Wohnung anmieten, Pflegeheim für Onkel Hans finden, Reise auf die Galapagosinseln machen, den Dachboden ausbauen, etc.). Der eigenen Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und die Wirkung einer kleinen, aber andauernden Veränderung im Alltagsablauf, die wirklich eingehalten wird, eines offen ausgesprochenen Problems mit Lösungsplan, ist verblüffend (siehe auch im Anhang: Praktische Übungen zum Umlernen und Freiwerden).

Die Arbeit an unseren falschen Prägungen ist ein lebenslanger Prozess, bei dem wir uns immer wieder und weiter den alten Denkmustern stellen, unsere falschen Erwartungen an die Welt und unseren infantilen (egoistischen oder unterwürfigen) Umgang mit anderen Menschen entlarven müssen. Für diese Veränderung benötigen wir viel Geduld, denn die alten falschen Muster haben so lange unser Leben bestimmt, dass wir viele neue, emotional herausfordernde Erfahrungen machen müssen, um ihnen etwas entgegen zu setzen.

Wir haben die Verhaltensweisen und Denkmuster entwickelt, um mit den frustrierenden Gefühlen, den Ängsten und Demütigungen unserer Kindheit zurecht zu kommen – und in unserer Ursprungsfamilie haben sie uns einmal gute Dienste erwiesen. Doch jetzt schaden sie uns nur. Um unser Unterbewusstsein von dieser Tatsache zu überzeugen, bedarf es vieler Überzeugungskräfte: Wirkliche Verhaltensänderungen treten immer erst ein, wenn wir einen Vorteil von der Veränderung verspüren, extrem negativen Gefühle zu verkraften haben. Die alten Erfahrungsmuster müssen im Netz unserer Neuronen „überschrieben“ werden. Doch diese Neurogenese kann bis ins hohe Alter stattfinden – wenn man sich mit der Welt und sich selbst auseinander setzt, immer weiter an sich arbeitet und Neues lernt.

Je stärker unser Selbstwertgefühl wird, um so belastendere Probleme und Einsichten lässt das Unterbewusstsein an die Oberfläche kommen, denn es kostet die Psyche viel Kraft diese alten heftigen Emotionen zu unterdrücken. Deshalb erfahren wir ihre Verarbeitung auch als Erleichterung, begleitet von dem Gefühl der Freiheit. Doch sobald unser Selbstwertgefühl stark genug ist, fordern weitere Altlasten, schlimme Erinnerungen, notdürftig kaschierte Sehnsüchte Beachtung. Aus Angst vor dem Schmerz wünschen wir uns dann manchmal zurück in die Zeit der falschen Hoffnungen und verfallen wieder alten Abwehr- und Schwächemustern. Wir hoffen mit unserer bisherigen Auseinandersetzung schon „alles erledigt zu haben“, gesund und reif genug zu sein: Wir versuchen uns immer wieder zu drücken, vor den Schmerzen und den neuen Schritten, die wir machen müssen, um noch viel weiter zu gehen, ganz neue Dimensionen der Freiheit zu begreifen und zu erleben.

Wenn wir uns verändern, kommt alles in Bewegung: Unser Umfeld reagiert anders auf uns, wir sehen die anderen Menschen, uns und unser Verhältnis zu ihnen plötzlich im Licht anderer Werte. Neue Menschen und Dinge finden ihren Weg in unser Leben. Ab einem bestimmten Punkt merken wir deutlich, dass es uns besser geht, dass sich der Aufwand, die Tränen und die Ehrlichkeit gelohnt haben. Wir erreichen das, was wir vorher mit einem äußerlichen Image und Manipulationen immer nur vortäuschen konnten: Sicherheit, Charakterstärke, Souveränität, Selbstbestimmung, ein stabiles Selbstwertgefühl und das Wissen darum, dass wir mit jeder Situation im Leben fertig werden können.

Wir können uns auf Menschen und Dinge wirklich einlassen, müssen nicht alles unter unsere Kontrolle zwingen, weil wir das Selbstverständnis haben auf jede Schwierigkeit angemessen zu reagieren. Wir leben „im Jetzt“, können uns „entgrenzen“ und „durchlässiger werden“, bekommen viel mehr mit von den Dingen, die um uns herum geschehen. Stärke, Integrität und Verantwortung für die Liebe und die Gefühle der uns wichtigen Menschen, besonders gegenüber unseren Kindern, zeigt sich darin, dass wir ihre Ängste und Unsicherheiten auffangen können, ohne uns deshalb über sie zu stellen.

Stolpert jemanden neben uns, stützen wir ihn, helfen ihm auf, um dann weiter zu gehen. Helfen ohne Helfersyndrom ist das Vertrauen in den Entwicklungswillen des anderen. Wenn er allerdings sitzen bleibt oder von uns getragen werden will, sollten wir uns von ihm verabschieden und allein weiter gehen. Je stärker wir werden, je freier wir uns anderen gegenüber verhalten, um so mehr Möglichkeiten geben wir ihnen, auch stärker und freier zu werden. Wir verlieren keine Energie mehr damit, uns über andere Menschen und prestigeträchtige Dinge zu stabilisieren und können nach und nach Interessen und Leidenschaften in uns entdecken und umsetzen, für die wir vorher weder Zeit noch Konzentration hatten. (Mit Yoga oder anderen Formen der Meditation kann man gut erkennen, wie weit die eigene Entwicklung schon fortgeschritten ist.

Denn solange die zerrenden Sehnsüchte, die Unruhe und Selbstbezogenheit noch stark sind, finden wir, trotz aller Bemühungen, keinen richtigen Zugang zu dieser Spiritualität. Denn unser schlechtes Selbstwertgefühl verstellt uns mit seinen Ängsten und seiner Geltungssehnsucht die Gegenwart. Die Flucht in die Vollkommenheit einer fantasierten Zukunft oder die verblendete Vergangenheit halten uns fern vom Jetzt – dem einzigen Moment in dem das Leben wirklich statt findet und gestaltbar ist. So ist die `Jetzigkeit´ unseres Lebens ein hervorragender Gradmesser für unsere Reife, die bewusste Gegenwärtigkeit unserer Gefühle, der Spiegel unserer psychischen Entwicklung.)

Es gibt einen Trost auf diesem nicht einfachen Weg: Das Alter. Viele Menschen haben Angst vor dem Alter, denn im Alter lassen sich die falschen Muster unseres Lebens für Anerkennung und Liebe immer schlechter umsetzen. Es fällt uns immer schwerer, unser Selbstwertgefühl durch Erfolge, gutes Aussehen und andere Äußerlichkeiten zu stützen.

Es gibt aber eine völlig andere Sicht auf das Alter: Je älter wir werden und je mehr wir an uns gearbeitet haben, um so weniger Unsicherheit, Angst und „inneres Reißen“ gibt es in unserem Leben. Wir nehmen uns nicht mehr so wichtig, d.h. unser Ego tritt hinter die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zurück. Nicht zufällig nennen wir das: Befreiung.

Freiheit ist ein Zustand, in dem das „innere Reißen“ aufgehört hat, unser Ego nicht mehr schmerzt. Der bewusste Wechsel in andere Verhaltensmuster ist das Maximum an Freiheit, das uns Menschen möglich ist. Man könnte sagen: Der Sinn des Lebens ist das Gefühl der Freiheit. Und unser Erfolg ist die Summe der Fehler, aus denen wir gelernt haben.

Die Nichtweitergabe von Lieblosigkeit und Rücksichtslosigkeit, die Überwindung von infantilem Egoismus macht die Welt auf jeden Fall besser.

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