Der Artikel stammt von Regina Schlager (Gastautorinnen). © Regina Schlager

Im Buch „Aussteigen – Umsteigen. Wege zwischen Job und Berufung“ erzählen Menschen über Tätigkeiten, die sie mit Begeisterung und voller Energie ausüben. Das ist nicht in allen Fällen die Arbeit, mit der sie ihr Geld verdienen oder ausschließlich verdienen. Aber sie haben etwas gefunden, das sie gerne tun. Was mich dabei beindruckt, ist der Mut, den sie zeigen. Vielleicht sollte man lieber von Courage sprechen, denn da steckt das Französische „coeur“ von lateinisch „cor“, Herz drin. Wenn wir etwas machen, was aus unserem Herzen kommt, wo wir in unserem Inneren ein deutliches „Ja!“ spüren, dann entwickeln wir ungeheure Kraft.

Bei meinen eigenen Schritten in den letzten Jahren denke ich rückblickend oft: Wie hast du das denn geschafft? Ausbildungen nebenberuflich absolviert, meine langjährige Anstellung gekündigt, mein Heimatland Österreich Richtung Schweiz verlassen, mich selbständig gemacht mit einer Tätigkeit, die mich erfüllt, bei der ich etwas geben und selber wachsen kann… Ich staune rückblickend über mich selber.

Was hat mir geholfen, in Bewegung zu kommen und zu bleiben?

Selbsterkenntnis

Ich sehe die Basis in der Beziehung zu mir selbst. Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Qualität verändert, wie ich mich selbst sehe und mir begegne. Das geschah nicht von heute auf morgen, das war ein langjähriger Prozess. Nach einer Krisensituation habe ich mich intensiv mit den Fragen beschäftigt: Was brauche ich, damit es mir wirklich gut geht?, Was nährt mich?, Was will ich wirklich? Ich habe mich selbst besser kennen gelernt. Ich habe erforscht, wer ich bin und was mich ausmacht. Dazu gehört, was mein inneres Feuer zum Lodern bringt, mit welchen Menschen ich gerne zusammen bin und in welchen Rahmenbedingungen ich leben und arbeiten möchte.

Selbstwertschätzung

Doch Selbsterkenntnis alleine war es nicht, was mich hat Mut entwickeln lassen. Etwas Entscheidendes ist dazu gekommen: Ich habe mich auf den Weg gemacht, mich selber wertzuschätzen. Dazu gehört, dass ich lerne, mich anzunehmen, so wie ich bin: mit dem, was ich an mir mag, und ebenso mit dem, was ich an mir als unzulänglich empfinde. All meinen Anteilen liebevoll zu begegnen. Diese Reise ist nicht abgeschlossen, und ich ahne, sie wird wohl dauern bis ans Ende meines Lebens. Dabei unterstützt mich die Haltung der Achtsamkeit.

Feldenkrais-Methode

Vor sieben Jahren kam ich mit der Feldenkrais-Methode in Kontakt. Zunächst hatte mich die Alexander-Technik angezogen, doch ich fand in Wien keinen passenden Lehrer. Das Angebot war überhaupt sehr rar. Dann besuchte ich einen Einführungsworkshop mit Feldenkrais-Gruppenlektionen – und war tief berührt. Was mich sofort ansprach, war die Haltung, dass es kein richtig oder falsch beim Ausführen der Übungen gibt, und dass jeder in seinem eigenen Tempo vorgehen kann. Es geht nicht um die Erbringung irgendwelcher Leistungen, es soll kein bestimmtes Resultat erreicht werden, vielmehr wird ein ein experimentierender Zugang gefördert. Die Übungen werden so ausgeführt, dass man seine volle Aufmerksamkeit darauf richtet. So übt man, präsent im Moment zu sein.

Erstaunlicherweise hat Moshé Feldenkrais in den 30er bis 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckt und beschrieben, was durch jüngste neurowissenschaftliche Erkenntnisse bestätigt wird. Als Kind erschließen wir uns über den Körper die Welt. Die wichtigsten Erfahrungen, die uns am Anfang unseres Lebens prägen, sind Körpererfahrungen. Babys und Kleinkinder haben Freude dabei, sie erkunden spielerisch, sie lassen sich nicht entmutigen, probieren etwas mit großer Neugierde immer wieder und wieder.

Indem wir uns bewegen, bilden sich in unserem Gehirn Vernetzungen zwischen den Nervenzellen. Je öfter wir etwas tun, desto stärker werden diese Verbindungen. Was zunächst ein Pfad war, wird zur Autobahn. Es bilden sich Muster, die unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Solche Denkgewohnheiten zu verändern, ist nicht einfach. Und hier kommen uns die frühkindlichen Erfahrungen zuhilfe: als Erwachsene können wir über Bewegung unseres Körpers andocken an sehr alte, uns prägende Muster.

Dabei ist es wichtig, dass das ohne Leistungsdruck passiert, mit einer neugierig-offenen Haltung. Wir können uns weitere Möglichkeiten erschließen und so aus mehreren Varianten wählen. Wir sind dann nicht festgelegt auf eine Reaktion aus der Vergangenheit. Wir können spontan antworten in einer Situation, wie es gerade angemessen ist.

Da lag ich also auf meiner Matte, nahm meine linke Seite vom Fuß bis zum Kopf aufmerksam wahr und staunte darüber, was ich alles spürte. Und dann der Unterschied auf der rechten Seite! Bald ging ich auch in Einzelstunden, die sogenannte Funktionale Integration. Dort wirst du vom Feldenkrais-Lehrer bewegt. Die Herausforderung lag für mich darin, nicht aktiv zu den Bewegungen beizutragen, mich zu lassen. Mein Lehrer gab mir dann nach der ersten Stunde das Feedback, ihm sei aufgefallen, dass ich „sehr viel tue“.

Seitdem begleitet mich die Feldenkrais-Methode, neben anderen. Ich bin davon überzeugt, dass sie eine gute Begleitung ist, wenn es um Veränderung und Neuorientierung geht. Sie hilft mir, meine Möglichkeiten zu erkunden und mein ganzes Potenzial zu entdecken. Ihre Haltung führt mich hin zu einer neuen Auffassung über meinen Selbstwert. Ich lerne mich schätzen, so wie ich bin, und doch offen zu sein für weiteres Wachsen. Ich muss nicht immer „machen“, ich kann auch geschehen lassen. Ich darf spielerisch lernen. Das Bild, das ich mir von mir gemacht habe, ist nicht mehr unveränderlich.

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