Das Leben fordert uns manchmal eine Menge ab. Ständig dürfen wir Position beziehen, weil Entscheidungen anstehen. Wohin fahren wir dieses in den Urlaub? Soll ich den neuen Job annehmen? Wie finde ich endlich einen Partner?

Haben Sie dabei schon einmal überlegt, wie Sie an solche Aufgaben heran gehen? Oder genauer gesagt: Welche Fragen Sie sich in solchen Momenten stellen? Ich habe es auf jeden Fall lange Zeit nicht getan, weil ich mit der Bewältigung meiner „Probleme“ genug zu tun hatte.

Im Nachhinein betrachtet, finde ich das bedauerlich. Warum? Ich habe den Eindruck, dass Fragen sehr viel mit Wegweisern gemeinsam haben. Fragen lenken das Bewusstsein in eine bestimmte Richtung. Die Art und Weise meiner Frage impliziert eine mehr oder minder begrenzte Anzahl von sinnvollen Antworten.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Greg Levoy“]Nichts formt unsere Reise durchs Leben mehr, als die Fragen die wir stellen.[/pullquote2]

Ich kann also mehr Handlungsoptionen erkennen, sobald ich meinen Blick weite. Da fängt das Thema doch schon an, interessanter zu werden. Der umgekehrte Fall gilt natürlich genauso, was ich schmerzvoll erfahren durfte. „Engstirnige“ Fragen erwiesen sich leider oftmals als Sackgassen.

Was sind begrenzende Fragen?

Wer hat Schuld? Moralische Fragen bieten wenig Spielraum. Es gibt meistens nur Gut oder Böse. Leider sind diese Fragen beliebt, weil sie scheinbar einfache und eindeutige Antworten bieten. Doch was ist damit gewonnen, wenn wir wissen, dass jemand Schuld hat? Wissen wir dann, wie es weiter geht?

Wie kann ich der/die Beste sein? Egoistische Fragen rücken mich in den Vordergrund und lassen die Interessen meiner Mitmenschen schnell verblassen. Nicht dass ich es verwerflich finde, mein bestes zu geben. Im Gegenteil, die Gemeinschaft profitiert in einem hohen Maße davon, wenn jeder versucht, seine Qualitäten zu leben. Aber was habe ich davon, der Beste zu sein? Brauche ich das Gefühl, mich über andere zu erheben?

Warum musste ausgerechnet mir das passieren? In der Regel kann ich sehr wenig unternehmen, um Vergangenes ungeschehen zu machen. Deswegen macht es wenig Sinn, darauf viel Energie zu verschwenden und sich womöglich noch zu grämen.

Welche Fragen bringen mich weiter?

Welchen Nutzen habe ich und andere von der Entscheidung? Wenn ich mich für etwas entscheide, möchte ich davon profitieren. Haben mehrere Beteiligte davon einen Gewinn, vervielfacht sich die Energie.

Wie fühle ich mich damit? Es gibt eine Menge Lösungen, die reine „Kopfgeburten“ sind. Ich mache es, weil es vernünftig ist oder andere mich darum gebeten habe. Doch nur wenn das Ergebnis sich für mich stimmig anfühlt, identifiziere ich mich damit.

Ist es langfristig hilfreich? Schnelle Antworten sind bequem. Frei nach dem Motto : Habe ich die Frage vom Tisch, ist mein Problem (scheinbar) gelöst. Natürlich bin ich kein Hellseher und weiß, was die kommenden Monate bringen. Doch macht es für mich Sinn, in Betracht zu ziehen, wie eine gefundene Lösung sich über einen längeren Zeitraum auswirken wird.

Geduld ist eine Tugend

Aus meiner Sicht ist es zudem wichtig, eine Frage im Raum stehen lassen zu können. Die Ungewissheit auszuhalten, ist nicht leicht. Möchten wir doch so gerne Klarheit und das Gefühl, unser Leben im Griff zu haben. Doch manchmal braucht eine Antwort, brauchen wir, Zeit. Gehen Sie deshalb behutsam mit sich um. Ich weiß (noch) nicht was ich will, ist daher auch eine Option.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Stanislaw Brzozowski“]Die Welt ist für uns stets eine Antwort, die von der Frage abhängt, die wir an sie stellen.[/pullquote2]

Fragen heißt, den eigenen Erfolg vom Zufall zu befreien

Fragen ist ein aktiver und kreativer Prozess. Sie helfen uns, mehrere Optionen im Blick zu halten. Die Qualität unserer Antworten hängt also ganz entscheidend von unseren Fragen ab. Es ist wie bei der Urlaubsplanung. Sie nehmen wahrscheinlich auch nicht das erstbeste Ziel, sondern tasten sich behutsam vor.

Jeder darf sein Leben verAntworten. Dazu gehört vor allem, eigenen Antworten finden. Geben Sie sich nicht mit einfachen Lösungen zufrieden. Fragen Sie sich, was Ihnen wichtig ist, was das Resultat für Sie bedeutet.