Gehen Sie morgens frohen Mutes zur Arbeit, weil Sie das Gefühl haben, einen sinnvollen Beitrag zu leisten? Sollte das längere Zeit nicht der Fall gewesen sein, kostet das viel Energie und Lebensfreude. Vor allem erfahren Sie durch die inspirierenden Worte von Anja Förster, dass es auch anders sein kann.

Anja Förster gehört zu Deutschlands renommiertesten Business-Querdenkern. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen die Spielregeln der Wirtschaft von morgen. Auf allen fünf Kontinenten spürt sie Unternehmen auf, die so unkonventionell wie erfolgreich sind, und Menschen, die dafür brennen, mit ihrer Arbeit einen echten Unterschied zu machen. Ihr Buch «Alles, außer gewöhnlich» wurde 2007 Wirtschaftsbuch des Jahres. Ihr aktuelles Buch «Hört auf zu arbeiten!» ist ein SPIEGEL-Bestseller.

Viele von uns gehen jeden Morgen zur Arbeit und legen sich mächtig ins Zeug. Trotzdem haben sie das Gefühl, nicht recht voran zu kommen. Liegt es vielleicht auch daran, dass es an einer persönlichen Vision fehlt?

Da ist was dran. Für viele Menschen ist die Arbeit eher eine Art Tauschgeschäft: Arbeitskraft gegen Geld bis zum 65. Lebensjahr, das ich hoffentlich erreiche – und zwar möglichst lebendig. Wenn Arbeit aber nur ein Tauschgeschäft ist und wenn ich keinerlei Vision habe, welchen Unterschied ich mit meiner Arbeit machen will, dann ist es widersinnig, seine mangelnde Freiheit zu beklagen. Wenn ich zufriedener werden will, muss ich aufhören zu jammern, den Hintern hochkriegen und anfangen, etwas zu verändern.

Sie sehen „bedeutsame Tätigkeit“ als Voraussetzung für alle bahnbrechenden Innovationen an. „Gute Arbeit“, so stellen Sie fest, „treibt weiter, was bereits existiert. Echte Veränderungen entspringen nur bedeutsamen Tätigkeiten“. Weshalb ist diese Verknüpfung aus Ihrer Sicht so wichtig?

Mit bedeutsamen Tätigkeiten ist Arbeit gemeint, die sich für mich gar nicht wie Arbeit anfühlt. Wir alle kennen solche Momente: Wenn wir bei einer Aufgabe das Gefühl haben, voll und ganz in unserem Element zu sein. Wir fühlen, dass diese Aufgabe eine geradezu magische Anziehungskraft auf uns ausübt. Dieses Gefühl ist zutiefst individuell und kann nicht „von oben“ angeordnet werden. Menschen machen es, weil sie dafür brennen, nicht weil es der Chef aufgetragen hat oder das Anweisungshandbuch es vorschreibt.

Ein Beispiel dafür ist der BMW 3er Touring. Die Kombi-Variante entstand Mitte der achtziger Jahre als eigeninitativ angestoßenes Projekt eines BMW-Ingenieurs. Niemand hatte ihn darum gebeten, kein Vorgesetzter, kein Kollege, kein Kunde. Ganz im Gegenteil. Er entwickelte den Touring sozusagen „undercover“, ausdrücklich gegen die damalige herrschende BMW-Firmenpolitik, die Kombis als total unsportlich und damit als völlig unpassend zur Marke BMW ansah. Der Ingenieur stellte das Fahrzeug, versehen mit einer Heckklappe von VW, vor das Hochhaus und präsentierte es dem damaligen Vorstand Eberhard von Kuenheim. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Genau das meine ich mit den echten Veränderungen, die aus bedeutsamen Tätigkeiten entspringen.

Sie sprechen in Ihrem Buch davon, dass gute Arbeit in ihrem Kern schlechte Arbeit ist.
Was ist damit gemeint?

Gute Arbeit ist die vertraute, nützliche und produktive Arbeit, mit der wir den Großteil unserer Zeit verbringen. Sie macht uns erfolgreich im Sinne einer guten Karriere. Gute Arbeit ist wichtig für Unternehmen und sie ist der Schmierstoff für unsere Wirtschaft, damit die Gewinne auch im nächsten Quartal noch fließen. Und natürlich ist sie auch sozial anerkannt und liefert das Signal: Alles läuft gut. Ich komme voran und mache Karriere. Ich mache das, was alle empfehlen. Gute Arbeit basiert auf dem Höher-schneller-weiter-Anreiz und lässt uns ewig rennen, aber nie ankommen. Deshalb ist gute Arbeit schlechte Arbeit, weil sie uns zentimeterweise und schleichend von dem abbringt, was für uns wirklich zählt. Sie lässt unsere Augen nicht funkeln.

Die Frage „Welche Tätigkeiten finde ich sinnvoll und bereiten mir Freude?“ scheint nur auf den ersten Blick einfach. Setzt sie doch voraus, dass wir bereits nach unseren Werten, Zielen und Fähigkeiten geforscht haben. Wie gelingt es, wieder stärker mit dem verbunden zu sein, was uns am wichtigsten ist?

Alles beginnt mit dieser Frage: Was inspiriert mich, fordert mich heraus und lässt mich wachsen? Antworten finden sich im Innen und im Außen. Mit der Suche im Innen meine ich, dass wir Zeit mit uns selbst verbringen und reflektieren. Wann gab es in meinem Leben Momente oder auch längere Zeiträume, in denen ich das Gefühl hatte, voll und ganz in meinem Element zu sein? Sie könnten damit beginnen, eine Liste dieser Momente zu erstellen. Oder Sie könnten ein Arbeitstagebuch schreiben oder eine Auszeit nehmen oder irgendetwas anderes tun, das Ihnen dabei hilft, wieder in Kontakt zu kommen mit Ihren wahren Interessen, mit den echten Gefühlen, die Ihr Herz höher schlagen lassen.

Aber auch der Blick nach außen ist wichtig. Und das bedeutet, dass Sie etwas anders machen sollten als sonst. Probieren Sie Neues aus. Lernen Sie neue Menschen, neue Orte und neue Tätigkeiten kennen. Erforschen Sie die Welt mit Neugier und Wagemut. Lassen Sie sich auf neue Denkweisen ein und weiten Sie systematisch Ihre Grenzen aus, die Sie sich irgendwann einmal selbst gesetzt haben. Diese Explorationsaufgabe bringt Sie in neue Situationen, die Ihnen spürbar mehr bedeuten als andere Momente. Dort, wo Innen und Außen zusammenpassen, dort finden Sie die Tätigkeit, die für Sie sinnvoll ist und Ihnen Freude bereitet.

 


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Wir werden als Unikat geboren und sterben häufig als Kopie. Ein bedauernswerter Vorgang, weil gerade unsere Einzigartigkeit zum Reichtum der Gesellschaft beiträgt. Welche Schritte können dazu beitragen, damit Individualität und Charakter wieder an Stellenwert gewinnen?

Das beginnt schon sehr früh in der Schule. Unser Erziehungssystem stellt das eherne Prinzip der Gleichheit in den Mittelpunkt und belohnt keine individualistischen Tendenzen. Es erklärt sich aus der Logistik in den Schulen, die verlangt, dass alle Schüler synchron im gleichen Zeitraum alle Stufen gemeinsam gehen. Sie müssen immer auf dem etwa gleichen Stand stehen, in allen Fächern. Wird die Bandbreite innerhalb der Klasse zu groß, zerstört das die synchrone Unterrichtsform. Und das bedeutet, wir kultivieren den normierten Schüler, der ins System passt. Das ist doch Wahnsinn! Wir müssen viel stärker die Individualität des Schülers in den Mittelpunkt stellen, so wie es beispielsweise die freien Schulen machen, wo Schülern in Lernateliers ihr eigenes Lerntempo gestattet wird.

Zu spüren, dass meine Arbeit mich auslaugt und nicht erfüllt, ist lediglich ein erste (wenn auch sehr wichtige) Erkenntnis. Doch wie geht es danach weiter? Was sind aus Ihrer Erfahrung weitere mögliche Schritte?

Ganz wichtig ist es, zu reflektieren, worum es im eigenen Leben eigentlich geht. Dreht sich mein Leben vornehmlich darum, den Erwartungen der anderen zu entsprechen? Menschen, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, die Dinge zu tun, die die anderen wollen, führen ein fremdbestimmtes Leben und haben keine Chance, herauszufinden, was für sie selbst wirklich Bedeutung hat. Die Lösung liegt nicht darin, ab sofort die Erwartungen der anderen komplett auszublenden.

Vielmehr geht es darum, eine Balance herzustellen, zwischen dem, was andere von mir erwarten und dem, was für mich wirklich zählt. Und das, was für mich wirklich zählt, drückt sich in dem Wort ‚Nein‘ aus. Das ist die Antwort – wenn nicht sogar die Antithese – zur Frage „Was wird von mir erwartet?“ Es ist der entscheidende Perspektivenwechsel von außen nach innen. Erwartungen werden von außen an uns herangetragen. Die Fähigkeit, das Wort ‚Nein‘ auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.

Wie lautet Ihre Motivation, Menschen mit Vorträgen und Büchern zu berühren und Sie zu ermutigen, neue Wege zu gehen?

Meine Antrieb ist eine äußerst ernüchternde Beobachtung, die ich immer wieder im Arbeitsalltag mache. Viele Menschen schleichen wie Zombies zur Arbeit und der Höhepunkt ihres Tages ist die Vorfreude auf den Feierabend oder das nahende Wochenende. Was für eine Verschwendung von Lebensenergie! Mit unseren Büchern und Vorträgen wollen wir zeigen, dass es auch anders geht und Menschen dazu anstiften, ihre Arbeit als lebenswerten Teil ihrer Identität zurückzuerobern.

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Ich fühle mich dann erfolgreich, wenn ich mit einer guten Müdigkeit ins Bett gehe und das Gefühl habe, am Ende eines Tages viel Energie eingesetzt zu haben für Dinge, die es wert sind, getan zu werden.

Welche Gedanken kommen Ihnen bei den Worten von Andreas Tenzer? „Bei jedem Atemzug stehen wir vor der Wahl, das Leben zu umarmen oder auf das Glück zu warten.“

Wunderbar! Auf das Glück zu warten ist die schlechtmöglichste Entscheidung.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Ja, es stammt von der Schriftstellerin Ricarda Huch: Um wirklich glücklich zu sein, braucht man einen Menschen, den man liebt, eine Aufgabe und eine große Hoffnung.

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