Die Herausforderungen heutzutage sind selten körperlicher Natur. Wir müssen nicht mehr auf die Jagd gehen oder den ganzen Tag hart auf dem Feld arbeiten. Was uns vielmehr fordert, ist der Umgang mit unseren Emotionen. Angst, Habgier und Neid sind nur einige davon. Der „Gegner“ ist unsichtbarer Natur aber wahrlich kein Schwächling. Im Laufe seines Lebens hat jeder Methoden der Selbsttröstung und Stressbewältigung entwickelt. Leider sind es allzu oft Zigaretten, Alkohol, Süßigkeiten oder Fernsehen. Reicht das nicht aus, wird auch gerne zu Beruhigungsmitteln oder Antidepressiva gegriffen. Wir mögen uns zwar kurzzeitig besser fühlen, doch wirklich geändert hat sich nichts.

Viele Menschen haben Angst, den Blick nach Innen zu richten und dem Unwohlsein auf den Grund zu gehen. Doch macht es Sinn sich abzulenken oder so zu tun, als ob nichts wäre? So wie man nicht nicht kommunizieren kann, so kann man auch nicht nicht fühlen. Wir können Gefühle zwar eine zeitlang ignorieren, doch damit sind sie nicht verschwunden.

Kontrollverlust

In den vergangenen Jahren hat sich unser Leben in vielen Bereichen beschleunigt. Die Informationsdichte nimmt zu, im Beruf wird zunehmend Flexibilität gefordert und im Privaten sucht so mancher die Erlebnismaximierung. Viele neue Anforderungen und Möglichkeiten: Doch sind wir innerlich mitgewachsen? Neben äußeren Stressoren entscheidet vor allem eine Sache über das Wohlbefinden: Der Umgang mit Gefühlen.

Stress der von Außen kommt, fordert uns heraus. Sei es der Streit mit Kollegen, Unzufriedenheit in der Partnerschaft, hohe finanzielle Verpflichtungen oder Zeitdruck im Büro. Entscheidend ist dabei, wie wir mit den alltäglichen Belastungen umgehen. Was lösen sie in uns aus? Können wir unsere Emotionen und Bedürfnisse benennen? Haben wir adäquate Vorgehensweisen, um unsere Gefühle zu regulieren? Wenn nicht, steigt der innere Druck zusehends und wir fühlen uns hilflos.

Was bewegt mich?

Ohne Gefühle hat das Leben keinen Sinn. Empfindungen und die damit verbundenen Emotionen sind so etwas wie ein Kompass, der uns bei jedem Schritt Rückmeldung gibt und Orientierung bietet. Gefühle die wir alle kennen, sind Freude, Liebe, Gleichmut, Scham, Ekel, Trauer, Wut und Angst. Sie werden oftmals als grundlegende Gefühle beschrieben, aus denen sich andere, wie zum Beispiel Eifersucht, zusammensetzen. Emotionale Reife erfordert, die eigenen Gefühle zu achten, sie auszuhalten und zu benennen. Bei Freude, Liebe und Gleichmut scheint das relativ einfach zu sein. Ja viele Menschen rennen diesen „positiven“ Empfindungen geradezu hinterher. Dabei hat jedes Gefühl seine eigene Energie und erfüllt einen besonderen Zweck. Zum Beispiel hilft uns Ekel, ungesunde Lebensmittel zu vermeiden oder warnt Angst vor bedrohlichen Situationen.

Sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden, hört sich leichter an, als es im Alltag oftmals ist. So erleben wir in einigen Situationen zum Beispiel widerstreitende Gefühle wie Liebe und Wut. Wir fühlen uns hin und her gerissen. Oder wir merken gar nicht, dass hinter unserer Wut vielleicht eine große Angst steckt.

Emotionen zeigen, wie wir zu gewissen Dingen stehen

Seinen Gefühlen unreflektiert freien Lauf zu lassen, garantiert allerdings auch kein traumhaftes Leben. Ohne eine gesunde Portion Klarheit und Selbstverantwortung können wir Situationen nicht angemessen beurteilen. Für unsere Emotionen, einschließlich der belastenden, sind nicht bestimmte Personen, Ereignisse oder Situationen verantwortlich, sondern in erster Linie wir. Wir stellen unsere Erlebnisse in den besonderen Kontext unserer Erfahrungen und Werte. Das Ergebnis kann dabei bei allen gleich sein, wie zum Beispiel Angst vor einem drohenden Krieg. Wir können aber auch sehr unterschiedlich reagieren. Betritt ein bestimmter Mensch den Raum, reagieren manche mit Wut, einige mit Gleichmut und eine Person vielleicht mit Liebe.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Albert Ellis“]Die Menschen können ihr Fühlen und Verhalten selbst steuern durch die Art und Weise wie sie die Erlebnisse in ihrem Leben interpretieren und bewerten.[/pullquote2]

Emotionen besitzen Energie. Wir können diese Kraft nutzen und damit arbeiten. Oder die Dynamik richtet sich gegen uns. Nämlich dann, wenn wir die Gefühle ignorieren oder nicht zu deuten wissen. Dann fühlen wir uns schnell hilflos und ausgeliefert.

Kurzfristige Strategien zur Stressbewältigung

Um sich besser zu fühlen, sind Hilfsmittel und Methoden hilfreich. Damit wir neue Energie schöpfen, stehen uns mehrere Optionen zu Verfügung.

Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten kann manchmal Berge versetzen. Gerade in schwierigen Situationen ist Selbstmotivation ein Erfolgsgarant. Führen Sie deshalb positive Selbstgespräche und denken an ähnliche Situationen, die Sie bereits bewältigt haben.

Wird die Anspannung zu groß, ist Abreagieren ein Mittel erster Wahl. Gehen Sie Spazieren, laufen mit Schwung eine Treppe hinauf oder machen ein paar Liegestütz. Die körperliche Betätigung dient dabei als Ventil.

Gerade wenn die Gefühle einen überwältigen, verlieren wir leicht die Orientierung. Versuchen Sie die Perspektive zu wechseln und gehen an einen anderen Ort. Versuchen Sie innerlich wie äußerlich ein wenig Abstand zu gewinnen.

Gönnen Sie sich eine Auszeit. Vielleicht haben Sie Lust zu meditieren, sich auf den Boden zu legen oder ein paar Mal tief durchzuatmen.

Langfristige Strategien zur Stressbewältigung

Begegnen uns die gleichen Schwierigkeiten häufiger, ist eine Kurskorrektur angesagt. Verzichten Sie auf Aktionismus und nehmen Sie sich stattdessen Zeit, damit sich Ihre Lebensqualität nachhaltig verbessert.

Wie sieht es mit Ihrer Selbstorganisation aus? Manchmal muten wir uns selbst einen Menge zu. Mit einem guten Zeitmanagement verschaffen wir uns dagegen Raum und setzen Prioritäten.

Hohe Belastungen im Beruf oder belastende familiäre Verpflichtungen zehren uns auf die Dauer aus. Deswegen ist es wichtig, einen Ausgleich zu schaffen. Wir brauchen eine gewisse Ausgewogenheit in unserem Leben. Pflegen Sie zum Beispiel Ihre Hobbys oder besuchen gute Freunde.

Es macht wenig Sinn, den Einzelkämpfer zu mimen. Hilfe ist fast immer möglich, sofern wir dazu bereit sind. Das kann ein nahestehender Mensch sein oder die professionelle Hilfe durch einen Coach. Scheuen Sie dagegen Unterstützung, führen Sie sich bitte vor Augen, wie teuer und schmerzhaft es sein kann, stets die gleichen „Fehler“ zu machen.

Warum geraten wir häufig in die gleichen unangenehmen Situationen? Um Veränderung zu bewirken, sollte am Anfang die Problemanalyse stehen. Und auch hier macht es Sinn, sich Unterstützung zu holen, um die Lage zu reflektieren. Gönnen Sie sich ein Seminar oder besorgen sich hilfreiche Literatur.

Achten Sie auf sich. Selbstfürsorge bildet die Basis für unser Wohlbefinden und unsere Energie. Dazu gehören eine gesunde und regelmäßige Ernährung, ausreichend Schlaf, Erholung und körperliche Aktivitäten die Freude bereiten. Ebenso Arztbesuche und Vorsorgeuntersuchungen. Nehmen Sie sich ernst.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Friedrich Nietzsche“]Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in die Höhe steigen.[/pullquote2]

Der Schlüssel für unser Wohlbefinden liegt zu einem großen Teil in unserer emotionalen Reife. Je besser wir uns kennen und je mehr wir in uns ruhen, desto weniger brauchen wir, um glücklich zu sein. Selber wenn mal etwas schief läuft, reagieren wir gelassener. Nicht das wir uns über Pleiten freuen, aber sie haben nicht mehr den Geschmack einer Katastrophe.

Sich selbst besser kennenzulernen, ist eine lebenslange Entwicklung. Vor allem können wir den Weg nicht alleine gehen. Wir brauchen Austausch, Hilfe und Inspiration. Dazu gehören Mut und Offenheit. Mut, sich die eigenen Gefühle einzugestehen und Offenheit, um sie sich anzuschauen. Die Entscheidung liegt bei uns: Soll es so bleiben wie bisher, oder versuchen wir, neue Wege zu gehen.