Tag für Tag haben wir tausende Gedanken und nicht alle davon sind hilfreich. Vor allem hinterfragen wir unsere Ansichten viel zu selten. So vergessen wir vor lauter Grübeln leicht, dass die eigenen Meinungen in erster Linie mit unserer Sicht der Dinge zu tun haben. Wäre es nicht wunderbar, eine Methode an die Hand zu bekommen, mit der wir unsere Gedanken besser auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen können?

Tanja Madsen ist Diplom-Psychologin, NLP-Lehrtrainerin und Coach für The Work of Byron Katie. Sie beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit der Methode The Work und hat damit so etwas wie die „Glücksformel“ für sich gefunden. Mit dem Buch „Mentales Stressmanagement – Yoga für den Verstand“ gibt Tanja Madsen tiefe Einblicke in Ihre erfüllende Arbeit.

Was fasziniert dich an der Arbeit mit The Work?

The Work ist ein einfacher und zugleich sehr wirksamer Prozess, sich lösungsorientiert mit seinen Ängsten, Enttäuschungen oder Befürchtungen zu beschäftigen und sie „aufzulösen“. Einfach anwendbar finde ich die Work, weil sie lediglich aus vier Fragen und sogenannten Umkehrungen besteht. Vier Fragen, um herauszufinden, ob meine stressvollen Annahmen über die Welt wirklich wahr sind. Bei den Umkehrungen spielt man mit dem ursprünglichen Gedanken und nimmt verschiedene Wahrnehmungspositionen ein.

Für mich hat die Work etwas von „Yoga für den Verstand“, weil man tatsächlich seinen festgefahrenen Verstand in neue Richtungen dehnt und stretcht. Dadurch entsteht ein erfrischender Perspektivwechsel. The Work hat mit 100%iger Selbstverantwortung zu tun: Raus aus der Opferhaltung und schauen, was kann ich selber ändern, was kann Ich tun und nicht der andere, damit es mir besser geht.

Mich begeistert an dieser Methode, dass sie so leicht anwendbar ist und gleichzeitig so tiefgreifend ist in ihrer Wirkung. Für mich und meinen schnellen Verstand die ideale Gebrauchsanweisung, um einfach mal einen Fuß zwischen die Türe zu kriegen und innerlichen Abstand zu einer stressigen Situation zu finden.

Stellen die Fragen vom Byron Katie nicht auch hohe Anforderungen an die Coachees, denn sie fordern ja die Einnahme ganz unterschiedlicher Perspektiven?

Ja manchmal denke ich auch, dass The Work von einem Coachee einen ganz schönen Gedankenstretch erfordert und bin dann doch immer wieder überrascht, wie schnell und leicht sich Menschen darauf einlassen können. Ich glaube, je mehr ich meinen Coachees „zutraue“, desto selbstverständlicher funktioniert es auch. Außerdem ist The Work ein Angebot, das ich dem Coachee mache und wenn es nicht „funktioniert“, dann passt in diesem Moment vielleicht etwas anderes besser.

Was war dein erster Kontakt mit The Work und wie hast du gemerkt, dass diese Methode für dich passt?

Mein erster Kontakt mit der Work war durch einen befreundeten Kollegen in einer Ausbildung. Ich tat mich damals echt schwer mit den 4 Fragen und Umkehrungen. Mein Freund und ich lachen noch heute darüber, was für eine „harte Nuss“ ich war. Als ich dann einige Zeit später sogar Byron Katie persönlich auf einem Seminar in Berlin erleben konnte wurde es auch nicht besser. Ich fand The Work ganz nett, aber so richtig klick gemacht hat es später.

Erst nach und nach habe ich gemerkt, wie wohltuend die Wirkung der Work für meinen Seelenfrieden ist. Ich war also wirklich ein Spätzünder. Dass ich dann sogar mal ein Buch über The Work schreiben würde, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Da die Work nicht Liebe auf den ersten Blick war, kann ich übrigens Menschen sehr gut verstehen, die erst einmal verhalten auf die Work reagieren, mir ging es ja nicht anders.

Die eigenen Gedanken und Gefühle halten uns ordentlich auf Trab. Wie kommt es, dass wir beides so ernst nehmen und in der Regel so wenig hinterfragen? Gedanken und Gefühle sind schließlich keine Tatsachen.

Sie fühlen sich aber gerne wie Tatsachen an. Wenn ich z.B. voll in meiner Wut stecke, weil mir jemand den Parkplatz weg geschnappt hat, fühlt sich das sehr real an. Und wenn ich von dem Gedanken überzeugt bin, mein Chef nimmt mich nicht ernst, dann kann ich mich leicht da rein steigern und überall Beweise finden, wie dieser Gedanke wahr ist.

Ich glaube, wir hinterfragen unsere Gefühle und Gedanken so wenig, weil wir vielleicht gar nicht wissen oder in dem Moment vergessen haben, dass wir sie beeinflussen können. Dass es wunderbare Wege gibt, Abstand zu finden zu seinen Gedanken, sei es durch Achtsamkeit, Meditation oder The Work.

Und obwohl ich selbst die Work an der Hand habe lasse ich mich manchmal von meinen stressvollen Gedanken wegtreiben. Es braucht auch so etwas wie eine Routine, sich in solchen Momenten darauf zu besinnen „halt mal, ist dieser Gedanke wirklich eine Tatsache?“.

 


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In deinem Buch „Mentales Stressmanagement“ beschreibst du die Neigung, dass wir uns unbequeme Ereignisse aus der Vergangenheit gerne wieder vor Augen führen. So als ob wir uns einen schlechten Film mehrfach ansehen. Warum fällt es manchmal so schwer, die Vergangenheit ruhen zu lassen? Und noch wichtiger: Wie können wir Frieden mit ihr schließen?

Ich glaube, die alten unangenehmen Geschichten bringen sich so lange in Erinnerung, bis wir uns ihrer annehmen und sie friedvoll für uns integrieren. Die schmerzlichen Erinnerungen sind wie ein Hund, der uns immer wieder mit seiner kalten Hundeschnauze anstupst um uns zu erinnern, „Hey, ich bin immer noch da, kümmere dich um mich!“

Wie wir damit Frieden schließen können? Ich mag sehr, was Byron Katie dazu sagt, ich lasse meine Konzepte nicht los – ich begegne ihnen mit Verständnis. Dann lassen sie mich los. Für mich ist der Weg, die Geschichten aufzuschreiben und mit The Work zu fragen: „Ist es wahr?“ Und dabei offen zu sein für eine neue Sicht der Dinge.

Was war dein Impuls, als Coach zu arbeiten?

Auf meinem eigenen Weg durch Krisen und Herausforderungen haben mir Coaching und Persönlichkeitsentwicklung sehr geholfen. Das wollte ich zum einen weitergeben. Zum anderen höre ich Menschen einfach gerne zu, wenn sie von sich und ihren Gedanken und Erlebnissen erzählen. Was mir die Tätigkeit gibt? Ein Gefühl der Verbundenheit und Nähe mit meinem Gegenüber. Und wenn es Momente des Erkennens und der Heilung gibt, dann finde ich es gerade zu magisch.

Wie schaffst du einen Ausgleich zu deiner Arbeit?

Mir tut es gut mich in irgendeiner Form kreativ auszudrücken. Im Moment habe ich das Nähen für mich entdeckt. Da ich sehr ungeduldig bin, eine geniale Übung im Entschleunigen und Fokussieren. Und am Ende habe ich auch noch etwas zum anfassen, dass finde ich sehr befriedigend neben der ganzen Kopfarbeit, die ich sonst so mache. Und meinen Körper bewegen, ich habe mit meinem Partner angefangen Swing und Charlston zu tanzen, ein wunderbarer leichtfüßiger und humorvoller Tanz.

Welche Gedanken kommen dir bei den Worten von Samarpan? „Es ist nicht die Liebe die schmerzt. Liebe schmerzt nie. Es sind die unerfüllten Erwartungen, die weh tun.“

Was für ein schönes Zitat. Liebe ist einfach nur ein Zustand. Ohne Bewertungen ist er sehr erfüllend und paradiesisch. Aber sobald ich anfange zu denken, der andere liebt mich nicht (genug), der andere lehnt mich ab oder ähnliches, vergelle ich mir dieses Gefühl von Liebe. Und dann tut es weh. Das wäre für mich der Moment hinzuschauen, was meine unerfüllten Erwartungen an mein Gegenüber sind, z.B. „Mein Partner sollte mich bedingungslos lieben“. Mit der Work komme ich dann vielleicht auf den Trichter, dass ICH MICH bedingungslos lieben sollte. Das wäre dann schon mal ein Anfang.

Was ist dir im Leben wichtig?

Mir ist es wichtig, Zeit mit Freunden zu verbringen. Sich nah zu sein, Dinge miteinander zu erleben, sich auszutauschen. Deshalb bin ich auch gerade dabei, mit Gleichgesinnten ein Wohnprojekt ins Leben zu rufen. Gemeinsam an einem schönen Ort leben, füreinander dazu sein – das ist mein Wunsch.

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