Wer seine Arbeit lediglich als Broterwerb sieht, verschenkt wahrscheinlich viel Energie und Lebensfreude. Wäre es nicht viel erfüllender, mit den Dingen Geld zu verdienen, die einem leicht fallen und vor allem Spaß machen? Die Herausforderung liegt darin, seinen Leidenschaften erst einmal auf die Spur zu kommen, um sich dann selber ideale Szenarien zu gestalten.

Markus Cerenak hat seine Berufung als Blogger, Kommunikationstrainer und Coach gefunden. Mit seinem Blogprojekt „Rebellion gegen das Hamsterrad“ zeigt er Woche für Woche seiner stetig wachsende Leserschaft, dass es vielversprechende Alternativen zum täglichen Büroeinerlei gibt. Vor allem weiß Markus wovon er spricht, denn er hat in seinem Leben viel ausprobiert: Markus Cerenak stellte seinen Mut und seine Fähigkeiten bereits als Opernkritiker, Barkeeper, DJ, Event-Manager und Chefredakteur unter Beweis.

Deine Mission lautet, anderen Menschen beim Verlassen des Hamsterrades zu helfen. Was verstehst du unter Hamsterrad und welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Hamsterräder stehen in unserem Leben überall rum. Unter Hamsterrad verstehe ich den Alltag. Wir leben heute in einer Zeit, wo wir wie eine Flipperkugel hin und her geschossen werden. Wir leben nicht unser Leben, sondern werden wie eine Flipperkugel innerhalb unserer Grenzen hin und her geschossen. Es sind viele Faktoren, die auf die Kugel einwirken, die sie von A nach B schleudern. Und lediglich zwei kleine Hebel hat man, um die Kugel im Spiel zu halten. Es wird suggeriert, dass man mit diesen kleinen Hebeln das Spiel steuert. Aber in Wahrheit steuert der Flipperautomat das Spiel und nicht die Hebel.

Ich war rund 20 Jahre in Hamsterrad-Jobs, wie ich sie nenne. 9to5, Büro, Schreibtisch, Kaffeemaschine, Chef, Kollegen, Stechuhr, Anwesenheit, Jour Fixes etc. Irgendwann habe ich das alles gelassen und habe beschlossen, dass was ich im Studium gelernt habe und die Branche in der ich 15 Jahre lang gearbeitet habe, nicht mehr mein Lebensinhalt sein soll. Ich habe beschlossen etwas zu tun, was meine Leidenschaft ist.

Mit dem eigenen Leben unzufrieden zu sein, ist eine Sache. Ein lohnenswertes Ziel zu haben eine andere. Wie können wir es schaffen, motiviert und zielstrebig unsere Träume zu verwirklichen?

Der erste Schritt ist Innehalten. Sich selbst kennenlernen und sich selbst im Alltag beobachten. Dadurch kann man dann Schritt für Schritt erkennen, wo die Zufriedenheit und wo die Unzufriedenheit zu Hause sind. Ich nenne es manchmal ein Treffen mit einem Fremden. Weil man sich oftmals sehr stark um andere Menschen kümmert und sich bemüht, sie kennenzulernen.

Den wichtigsten Menschen im Leben, nämlich sich selbst, lässt man da hie und da außer Acht. Somit geht es darum, seine Werte zu kennen und vor allem, wenn es um das setzen von Zielen geht, das „Warum“ das dahinter steht. Also das Klarmachen des Motivs bzw. das Bedürfnisses, das hinter dem Ziel steht. Und sich die positiven UND negativen Aspekte ansehen, die eintreten können, wenn das Ziel auch erreicht wird.

Welche Hindernisse halten aus deiner Erfahrung viele Menschen davon ab, Neues zu wagen und ihrer Leidenschaft nachzugehen?

Zweifel, Angst und der erste Schritt. Das Hamsterrad ist dazu da, uns tagein und tagaus zu erklären, was alles nicht funktionieren kann. Sich selbst etwas zuzutrauen und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben, gehört nicht zum Stoff in Schule und Uni.

Somit steht als erster Stelle der Zweifel: Kann ich das? Bin ich gut genug dafür? Das was ich kann, ist nichts besonderes. Meine Leidenschaft kann mir kein Geld bringen.

An zweiter Stelle steht die Angst, das was man jetzt hat zu verlieren. Der Lebensstandard oder die vielen bunten und blinkenden Dinge, die vom Hamsterrad in den Einkaufszentren und auf Online Shops untergebracht wurden. Und ja, viele sind bereits in kurzer Zeit Lebensstandard (meistens von Freitag bis Sonntag). Den Rest der Woche lassen wir dann alles Mögliche über uns ergehen. Wir entscheiden uns für die vermeintliche Sicherheit der Fixanstellung (die eine Lüge ist) und deren (Un)Annehmlichkeiten anstatt unsere Leidenschaft zu leben.

Der dritte Punkt ist das Anfangen. Jammern und Leiden ist nämlicher einfacher als Handeln. Ähnlich wie beim Zweifel gibt es unzählige Sätze, die man zu sich selbst sagt: Ich muss noch warten, weil ich kann noch nicht genug. Dafür bin ich nicht alt genug. Das ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Ich brauche dazu noch … Ab 1.Jänner werde ich … Ich habe mir das ganz fest für Tag X vorgenommen. In einem Monat starte ich durch.

Es ist nichts Neues und es wurde schon tausendfach geschrieben, gesagt, gepredigt. Der Unterschied zwischen Erfolg und Stillstand sind nicht die Fähigkeiten, das Geld oder tausende andere Faktoren. Es liegt einfach daran es zu tun. Den ersten, wenn auch noch so kleinen Schritt zu machen. Aber wie so oft, wissen wir das. Wir wissen, dass wir es TUN müssen. Wissen bringt nur leider keine Veränderung. Tun bringt die Veränderung. Und ich liebe das Gefühl, bei etwas den ersten Schritt zu machen und ins Tun zu kommen. Es fühlt sich gut an.

Manche Entrepreneure verbreiten die verführerische Botschaft: „Du brauchst nur ein Notebook, eine Idee und schon kannst du von überall Geld verdienen.“ Greift dieser Slogan nicht ein wenig zu kurz?

Natürlich reicht ein Laptop nicht aus. Und ja, es gibt ein wenig Wildwuchs, was die Versprechen diesbezüglich betrifft. Was definitiv stimmt ist, das die Hürde niedrig ist und das Risiko gleich null. „Früher“ war selbständig sein mit vielen Faktoren verbunden, die mich selbst auch lange davon abgehalten haben. Aber mit einem sogenannten „Lifestyle Business“ (bedeutet, dass du ein Business rund um deine Leidenschaft, das was du gerne tust aufbaust. Im Unterschied zum normalen 9-5 Job, wo sich das Leben nahezu komplett nach dem Job richtet) ist das Risiko gering und die Hürde zum „Ausprobieren“ ist leicht zu nehmen.

Und wenn der erste Schritt gemacht ist, dann beginnt die Arbeit. Natürlich bleibt es dabei, dass man was tun muss. Mit drei Mausklicks reich werden, funktioniert nicht. Nur fühlt sich die Arbeit anders an. Es macht Sinn und hat Bedeutung. Und ja es braucht weitere Skills, die sich aber durch die Begeisterung an der Sache entwickeln dürfen. Man wächst mit der Aufgabe. Vor 2 Jahren konnte ich keine Podcasts produzieren, in Final Cut Videos schneiden oder ausgeklügeltes E-Mail-Marketing einsetzen. Auch das Selbstmanagement sah früher noch merklich anders aus. All das habe ich gelernt. Nicht von jetzt auf gleich, aber Schritt für Schritt. Weil es mir Spaß macht an meiner Leidenschaft und Berufung zu arbeiten.

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Auf deiner Homepage las ich folgenden Satz, der mich zum Nachdenken anregte: „Vergiss nie: Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel ist das Ziel.“ Sind nicht der Weg (In Bezug auf die eigene Entwicklung) und das Ziel (In Bezug auf Konsequenz und Durchhaltevermögen) wichtig?

Hier geht es mir eher darum, dass es nicht EINEN Weg zum Ziel gibt. Oftmals erreichen wir in unserem Leben Ziele nicht, weil wir immer die gleich Strategie anwenden oder oktroiert bekommen. Für mich ist wichtig, dass ich das Ziel erreiche. Wie das geschieht ist nebensächlich (solange keine andere Menschen dadurch Schaden nehmen). Natürlich ist der Weg zum Ziel ein Faktor der persönlichen Weiterentwicklung. Aber viel wichtiger finde ich, die Flexibilität der verschiedenen Wege zu sehen und auszuprobieren, anstatt dogmatisch immer wieder den gleichen Weg einzuschlagen, um dann erstaunt zu sein, dass man immer wieder am gleichen Ort ankommt.

Innerhalb kurzer Zeit hast du eine große Fangemeinde aufgebaut. Wie lautet dein Erfolgsrezept?

Ich weiß nicht, ob es ein Erfolgsrezept ist oder ob ich das, was durch meinen Blog begonnen hat, als Erfolg zu bezeichnen ist. Da draußen sind viele Entrepreneure und Blogger, die in ähnlicher Zeit das Gleiche oder noch viel mehr zustande gebracht haben. Ich weiß nur, dass mir meine Leserinnen und Leser wichtig sind. Dass ich mich darum bemühe, bei mir zu bleiben und authentisch zu sein, bei all dem online-marketing-strategischen Schnick-Schnack, der da so auf mich einprasselt.

Ich bin kein Entweder-Oder-Typ sondern ein Sowohl-als-Auch-Mensch. Daher probiere ich diesbezüglich viel aus und die eine oder andere Strategie funktioniert dann eben. Es ist mir wichtig mit allem was ich tu (Blog, Podcast, Digitale Produkte) mit meinen Leser so zu „sprechen“ als ob sie mir gerade gegenüber sitzen würden. Also meine Tonalität beim Schreiben oder beim Mikrofon ist so wie sonst auch. Meine Podcasts werden zum Beispiel nicht geschnitten, da gibt’s schon mal ein Ähhh, einen Huster oder Nieser oder es klingelt der Postbote bei einem Interview-Partner.

Vermutlich ist es das, was Menschen mögen. Menschen wollen mit Menschen sprechen. Und natürlich ist flankierend dazu mein Anspruch an den Marketing-Auftritt recht hoch. Und genau dieses Spannungsfeld zwischen echt und authentisch sein und gutem Marketing finde ich spannend und vielleicht auch meine Leserinnen und Leser.

Inwieweit hat deine Homepage mit den zugehörigen Projekten dein Leben verändert?

Völlig. Als ich meinen Blog startete, hatte ich keinen Plan was ich tue. Es war nicht auf der Agenda, dass das später mal „mein Job“ wird oder sich dadurch mein Leben finanziert. Ich habe begonnen, weil es mit Spaß gemacht hat und habe dann eine Begeisterung und Leidenschaft in mir gespürt, die mir völlig neu war und mich selbst überraschte. Weil damit auch Selbstdisziplin und Motivation in von mir nicht gekannter Art und Weise aufgekommen sind.

Und als das dann Schritt für Schritt, eigentlich sehr schnell, gewachsen ist und Menschen auf mich zu kamen und mich Dinge gefragt haben, bei denen ich ein paar Monate davor noch selbst keine Antwort gewusst hätte, wurde mir klar, dass ich da an etwas Besonderem dran bin. Durch meinen Blog tue ich heute Dinge, die ich mir vorher nicht hätte vorstellen können. Ich habe Menschen kennengelernt, die zu Freunden wurden, die mir sonst niemals über den Weg gelaufen wären. Es wurden Türen geöffnet, die sonst vermutlich verschlossen geblieben wären oder ich sie gar nicht gesehen hätte.

Ich stehe jeden Morgen auf und kann es nicht erwarten, die Ärmel hochzukrempeln. Ich freue mich tatsächlich auf jeden Montag. Natürlich gibt es auch Schattenseiten und es ist nicht immer einfach, auch wenn es vielleicht so aussieht. Es gab und gibt auch viele Hürden, die durch diese Art und Weise des Lebens geschaffen werden. Und ich möchte hier nicht den Eindruck erwecken, dass jeder das kann oder dass das für jeden der beste Weg ist. Aber das, was bei mir passiert ist, können andere auch zu Wege bringen.

Wie wichtig ist für dich Achtsamkeit?

Achtsamkeit hat sich bei mir entwickelt. Ich habe in meinem Kopf eine rote Pausetaste, die oftmals blinkt und sich auch auditiv zu Wort meldet. Sie erinnert mich daran, auf sie zu drücken, zu stoppen und zu sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken was gerade da ist. Ich denke, dass für viele Menschen die Gegenwart gar nicht stattfindet weil sie durch Vergangenheit (Prägungen und Erfahrung) und Zukunft (Angst und Zweifel) überlagert wird. Mir ging es lange Zeit so und bis heute erkenne ich dieses Muster. Aber Tag für Tag bin ich mehr im Jetzt und kann dadurch die kleinen Dinge, die mir sonst in meinem Gestern-und-Morgen-Denken abhanden kommen würden viel mehr schätzen und genießen.

Auch hier ist – wie so oft – eine Balance wichtig. Wobei ich zum Beispiel das Konzept „Work-Life-Balance“ für völligen Schwachsinn halte. Denn hier wird impliziert, das es einen Ausgleich zwischen „Gut“ (Life) und „Böse“ (Work) geben muss. Ausgleich muss nur gefunden werden, wo Gegensätze aufeinander treffen. Somit sagt mir das Konzept das „Work“ und „Life“ Gegensätze sind. Und, dass die Zeit, die ich mit „Work“ verbringe nicht mein „Life“ ist.

Welche Gedanken kommen dir bei den Worten von Jean-Paul Sartre? „Man kann jederzeit etwas aus dem machen, was aus einem gemacht wurde.“

Das Satre damit nicht ganz recht hat. Ich hatte im Jahr 2002 eine Kieferoperation, die mein Äußeres merklich verändert hat. So verändert, dass mich danach viele Menschen nicht mehr erkannt haben. Dadurch bekam ich die Möglichkeit, mich zu erfinden. Nicht mich zu suchen oder zu finden, sondern mich zu erfinden. Vermutlich hat der Mensch Markus Cerenak heute mit dem Menschen im Jahr 2001 nicht viel gemeinsam. Ich habe für mich erkannt, dass ich das, was aus mir gemacht wurde, auch sein lassen kann. Mich dadurch besser kenne, um dadurch etwas aus mir selbst zu machen. Nicht der Mensch, der „ich nun mal bin“, sondern der Mensch, der ich sein möchte.

Was ist dir im Leben wichtig?

Menschen um mich zu haben, die gleich schwingen und mit denen ich in Harmonie Zeit verbringen kann. Wo sich ein gegenseitiges Geben und Nehmen ergibt, ohne das gefragt oder gefordert wird. Und meine Definition von Erfolg, nämlich dass ich jederzeit entscheiden kann was ich wann, wo und mit wem „beruflich“ tue. Dass damit eine finanzielle Basis gelegt ist und ich den Faktor Geld und Besitz dadurch auch gleich wieder vergessen kann. Und natürlich, dass ich etwas tun kann, was für mich Bedeutung hat und für andere Menschen Sinn stiftet.

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