Der Artikel stammt von Lea Hamann, Coach und Seminarleiterin. © Lea Hamann

Es gibt Situationen, in denen wir ganz schnell eine Entscheidung treffen müssen, doch irgendwie fühlt sich nichts so richtig stimmig an.

Die Gedanken zerren in die eine Richtung, dein Herz in die andere und dein Bauch sagt wieder etwas völlig anderes – wie findet man in diesem Chaos zur eigenen Wahrheit?

Was andere von uns wollen

Ich habe mich lange Zeit dabei ertappt, dass ich mich davon beeinflussen ließ, was andere von mir wollen. Meine Antennen waren immer darauf eingestellt, wahrzunehmen was mein Gegenüber von mir erwartet.

Wie muss ich mich verhalten, damit mich mein Partner mag? Was muss ich sagen, damit meine Nachbarin mich sympathisch findet? Was muss ich tun, um gute Noten zu bekommen? Wie verhalte ich mich so, dass ich gemocht werde?

Doch je mehr ich es anderen Recht gemacht habe, umso weniger hat mir mein Leben gefallen. Tief in mir gab es eine Sehnsucht danach, ganz ich selbst zu sein und zu leben, was meiner Wahrheit entspricht.

Was die Gedanken sagen

Sobald eine neue Entscheidung am Horizont auftauchte, haben meine Gedanken Purzelbäume geschlagen. Jeder Gedanke wollte mich davon überzeugen: „So musst du dich entscheiden! Folge mir!“

Manchmal hörte ich die Stimme meiner Eltern, Lehrer oder Freunde, während ich überlegte, was ich eigentlich will. Alle Gedanken wollten mir glauben machen, dass es nur einen einzigen Weg gibt, nämlich den, den sie mir zeigen.

Doch je mehr ich meinen Gedanken gefolgt bin, desto mehr verirrte ich mich in einem Chaos aus Widersprüchlichkeit. Die einen Gedanken wollten, dass ich nach links gehe, die anderen zerrten mich nach rechts – es fehlte eine klare Linie.

Was die Angst sagt

Meistens haben wir Angst davor, Fehler zu machen. Es gibt eine Angst, die uns glauben machen möchte, dass wir auf einem dünnen Drahtseil tanzen und jeder kleinste Fehltritt uns zum Verhängnis werden kann.

Die Angst zeigt sich manchmal als eine innere Unruhe, eine innere Hilflosigkeit und Überforderung. Wir fühlen uns unter Druck und suchen fieberhaft nach dem richtigen Weg, ständig getrieben von der Angst, einen Fehler zu machen.

Doch Fehler gehören zu unserem persönlichen Wachstumsprozess mit dazu. Fehler helfen uns zu lernen. Wenn wir offen dafür sind, Fehler zu machen, dann können wir wieder durchatmen und unseren eigenen Weg gehen.

Die Wahrheit in dir entdecken

Ich vergleiche Menschen gerne mit dem Ozean. Ganz oben auf der Wasseroberfläche toben die Wellen. Es ist unruhig, laut und alles ist in ständiger Bewegung. Genauso ist unser Verstand, der uns ständig in unterschiedliche Richtungen zerrt.

Wenn man tiefer in den Ozean sinkt, wird es sofort ruhiger. Man spürt zwar die Bewegung der Wellen, doch man wird nicht mehr von ihnen umher gewirbelt. Genauso ist es, wenn wir innehalten und tiefer in uns selbst eintauchen.

Sinken wir in die tiefste Tiefe des Ozeans, erleben wir eine unglaubliche Stille. Hier ist das Sein. Hier atmet der Ozean. Hier sind wir gehalten. Von hier aus können wir auf wahrhaftige Weise handeln. Hier warten neue, einzigartige Ideen und Lösungen auf uns.

Den Atem beobachten

Eine wunderbar einfache Möglichkeit, tiefer in unser Inneres einzutauchen und der eigenen Wahrheit näher zu kommen, besteht darin, dem Fließen des Atems zu lauschen. Es genügt, den eigenen Atem für einen Moment zu beobachten – ohne spezielle Technik oder Ziel.

Wahrnehmen wie der Atem kommt und wieder geht.

Ist der Rhythmus des Ozeans im Atem zu spüren?

Wahrnehmen, wie der Atem behutsam tiefer in den Körper trägt.

Den Atem langsam tiefer in Richtung Bauch strömen lassen.

Beobachten wie der Atem uns wieder in die Mitte schaukelt.

Der Stille lauschen

Wir leben in einer materialistischen Welt. Deshalb sind wir gewohnt, immer nach etwas Bestimmtem Ausschau zu halten, auch wenn wir uns mit unserer eigenen Wahrheit verbinden wollen.

Oft erwarten wir, dass sich uns etwas ganz Bestimmtes zeigen muss – und am besten sofort – wenn wir uns nach innen richten. Wir möchten sofort eine Antwort haben, eine neue Idee. Doch so funktioniert unsere innere Wahrheit nicht.

Es ist hilfreich, nicht zu versuchen deine Wahrheit in Worte zu fassen, sondern der eigenen Wahrheit über das Gefühl näher zu kommen. Wie fühlt sich diese Wahrheit an – auch wenn noch nicht klar ist, was das konkret im eigenen Leben bedeutet?

Je öfter wir uns erlauben, in unser Inneres hinein zu sinken und uns mit unserer Wahrheit zu verbinden, desto leichter wird es im Wirbel des Alltags, die eigene Wahrheit zu fühlen. Denn selbst wenn an der Wasseroberfläche ein Sturm tobt, ist es in der Tiefe des Ozeans still.

Unsere Wahrheit ist immer da, immer fühlbar und erreichbar. Sie gibt uns Halt.

Einladung zum Austausch

Natürlich würde mich interessieren, was es Ihnen in Ihrem Alltag manchmal schwer macht, Ihre eigene Wahrheit zu spüren und sie zu leben.

Was hilft Ihnen, sich selbst wieder nahe zu kommen und Ihren ganz eigenen Weg wahrzunehmen?

Ich freue mich von Ihnen zu hören!
Liebe Grüße, Lea Hamann