Der Artikel stammt von Katharina Ohana und ist ein Auszug aus ihrem Buch „Mr. Right: Von der Kunst, den Richtigen zu finden. Und zu behalten“ erschienen im Gütersloher Verlagshaus/Random House. © Katharina Ohana

Diese „Arbeit mit dem inneren Kind“ ist eine der erfolgreichsten Therapiemethoden. Sie ist eine „Alltagsübung“ und beruht auf der „Erfolgsgeschichte von der großen Liebe zu uns selbst“. Sie bietet die Möglichkeit, Zufriedenheit und Glück in einer guten Beziehung mit sich selbst und seinen verwundeten Anteilen zu erreichen – anstatt durch Sehnsüchte und Getriebenheit immer weiter in die falsche Richtung zu rennen.

Die Selbstliebe zu unserem inneren Kind befreit uns von den „Dämonen unserer Vergangenheit“, aus der Ohnmacht und Abhängigkeit schlechter Eltern/Partner. Sie heilt uns von der Lieblosigkeit unserer Kindheit, die uns ein Leben lang nachhängt, die wir immer wieder aufsuchen, in der falschen Hoffnung auf Wiedergutmachung. Wenn wir wirklich beginnen, uns um uns selbst zu kümmern, unsere Sehnsüchte und alten Schmerzen ernst nehmen, können wir alle übermäßigen und unrealistischen Ansprüche, die niemand sonst je erfüllen kann, aufgegeben.

Denn zuerst müssen wir lernen, uns selbst so zu bestätigen, zu akzeptieren und zu lieben, wie wir es uns immer von Mr. RIGHT (oder Mrs. RIGHT) gewünscht haben. Wir müssen unser „ungerechtes“ Schicksaal akzeptieren und annehmen (was nur durch die Trauer gelingt). Dadurch können wir das Leid in Stärke verwandeln.

Wir kämpfen und leisten und rennen und hoffen heute in unserem Alltag, anstatt zu fühlen. Häufig wissen wir nicht, wie es uns selbst in der gerade stattfindenden Situation geht – denn das ist meist ein unangenehmes Gefühl. Die Unsicherheit, der Frust, die Zweifel oder Ängste und die Erschöpfung sind Empfindungen, mit denen wir Schwierigkeiten bekommen, wenn wir ihrer Tragweite und Dauer gewahr werden.

Und die kapitalistische Gesellschaft macht es uns einfach, Trauer und Enttäuschung nicht fühlen zu müssen. So häufen sie sich ständig weiter an. Wenn wir uns Zeit und Raum nehmen würden, für die verdrängten, weggeschobenen Gefühle, verschwindet aber auf Dauer die Übermacht ihrer Negativität: Was man sieht und kennt, kann keine „unheimliche Macht“ mehr sein. Doch dann fehlt uns ein Teil der Motivation und Antriebskraft, um weiter zu rennen. Wir sind nicht mehr bereit, weiterhin unseren vorgeschriebenen Platz im herrschenden Leistungssystem auszufüllen.

Auch deshalb haben wir so viel Angst vor diesen schmerzhaften, erschütternden Gefühlen. Sie könnten einen Erdrutsch im bisherige Leben verursachen, seine gesamte Ausrichtung, all seine Prinzipien, Werte und bisherigen Beziehung in Frage stellen (nicht zuletzt auch die zu den eigenen Eltern, die ihr Kind so ungenügend wahrgenommen haben, weil sie selbst so unzufrieden waren oder so viel arbeiten mussten).

 


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Die weitverbreitete Regel für unseren heutigen Umgang mit den eigenen Gefühlen lautet daher: Lieber die Lebensfreude verlieren, für Liebe und Anerkennung ständig kämpfen und ihre Erfüllung dauernd verschieben, als Trauer und Verzweiflung zuzulassen, zu erinnern, zu erkennen. Das aus Medienbildern erschaffene Selbstideal, die Karriereziele, die Träume und Hoffnungen, den für die Glücksvorstellung so harterkämpften Marktwert, all das würde ja sinnlos und wäre so viele Jahre vergeudete Liebesmühe und Lebenszeit gewesen.

Und wenn wir die Zurückweisungen des „Traummannes“ spüren würden, auf den wir gerade unsere Hoffnungen richten, die alltäglichen Demütigungen durch seinen mangelnden Willen sich wirklich einzulassen, müssten wir dann nicht sofort gehen? Was soll dann aus uns werden?! Wir hätten keine Ausrichtung mehr, kein Ziel, keinen Plan mehr, um weiter zu leben in diesem Gesellschaftssystem der Erfolgsdominanz. Wir müssten uns außerhalb der geltenden Regeln stellen, neuen, eigenen Ideen und Werten folgen und ganz anders handeln als bisher, einen ganz anderen Menschentyp als Partner suchen.

Wir müssten auf all die wunderschönen falschen Träume verzichten, die unsere verunsicherte Seele doch immer wieder getröstet hat. Denn auch wenn der Kapitalismus mit seinen Werbebildern ein schlechtes Vorbild abgibt, ist er immerhin mit seinem Leistungsprinzip eine starke Orientierung im emotionalen Durcheinander. Und so hoffen wir lieber weiter auf die Erfüllung all seiner leeren Versprechen, als uns eine eigene, aber doch (erst mal) unsichere Nische im System zu suchen.

Lieber überlegen wir, was wir doch noch an uns verbessern könnten, als den Schmerz zuzulassen und alle Hoffnung zu verlieren – bis uns dann irgendwann ein „Burnout“ (oder eine andere Krankheit) oder der Verlust einer weiteren, hoffnungsvoll begonnenen Beziehung dazu zwingen.

Doch das Leben wird ja gerade dadurch spannend, weil wir uns verändern können, weil wir mit ein paar neuen Weichenstellungen unseren Blick auf unser Dasein völlig neu ausrichten, uns befreien und eigene Werte und funktionierende Wahrheiten suchen können, jenseits des Gerennes unserer Welt.

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Katharina Ohana hat in Frankfurt und Berlin Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte studiert. Sie arbeitet als psychologische Beraterin, Moderatorin für verschiedene Fernsehsendungen und hat mehrere Bücher zum Thema Selbstwertgefühl und Selbstentwicklung geschrieben. Zurzeit promoviert Katharina Ohana an der Sigmund Freud Universität in Wien über das Thema Willensfreiheit.