Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu verstehen, ist die Voraussetzung, was wir in unser Herz lassen und eine entscheidende Qualität für unser Leben.

Carmen Uth, Emotionsmanagerin, Mediatorin und diplomierte Ökonomin beschäftigt sich seit über 10 Jahren professionell mit Themen der Persönlichkeitsbildung. Ihr Unternehmen chancemotion führt sie seit 2010 und hat sich auf Emotionsmanagement spezialisiert.

Kritische Lebenssituationen empfinden wir schnell als unbequem, weil sie uns fordern und verunsichern. Doch beinhalten diese Momente nicht auch Chancen?

Unbedingt! Es spielt im Grunde genommen keine Rolle, um welche Art von „Krise“ es sich handelt: Gesundheit, Partnerschaft, Beruf, Finanzen… Sich Krisen zu stellen und das eigene Wachstumspotenzial darin zu entdecken ist eine großartige Chance für jeden von uns.

Doch was hindert uns daran, diesen „Positionswechsel“ nicht nur zu „wissen“, sondern auch zu leben? Bedarf es nicht der Krise, um Chancen entdecken zu können? Aus meiner Sicht ist es so – besonders in Bezug auf das Thema Emotionen. Deshalb trägt mein Unternehmen den Namen „chancemotion“.

Was verstehen Sie unter Emotionsmanagement?

Schauen wir uns zunächst einen Ausschnitt der Definition aus Wikipedia (September 2014) an:

»Emotion bezeichnet eine Gemütsbewegung im Sinne eines Affektes. Sie ist ein psychophysiologisches, auch psychisches Phänomen, das durch die bewusste oder unbewusste Wahrnehmung eines Ereignisses oder einer Situation ausgelöst wird. Das Wahrnehmen geht einher mit physiologischen Veränderungen, spezifischen Kognitionen, subjektivem Gefühlserleben und reaktivem Sozialverhalten. … entstammt dem lateinischen emovere (dt. herausbewegen, emporwühlen)… «

»Management kann sowohl Leitungsfunktionen in Unternehmen und Organisationen bezeichnen, als auch die Personen, die diese Funktionen ausüben und entsprechende Managementkompetenzen benötigen. Zu den typischen Funktionen oder Aufgaben des Managements in Unternehmen und Organisationen gehört die Planung, Organisation, Führung und Kontrolle (im Sinne von Erfolgskontrolle). Das Wort leitet sich ab von englisch manage, dies von italienisch maneggiare „an der Hand führen“, dies von lat. manus „Hand. …«

Kennen Sie das? Ähnlich wie bei der Autofahrt geraden Sie in einen Konflikt und reagieren aus dem Affekt heraus. Das ABS, also das Anti-Blockier System Ihres Wagens verhindert die Bremsblockade und ermöglicht, dass Sie sicher zum Stehen kommen. Ähnlich verhält es sich mit dem Emotionsmanagement.

Emotionsmanagement im Sinne der 5+ ABS© Methode greift eben diese Definitionen auf: Sich aus einer Emotionsblockade „herauszubewegen“ und sie „an der Hand zu führen“. Es geht also darum, sich der Emotionen bewußt zu werden, sie handhabbar zu machen und mit dem Anti-Blockier System die Emotionsblockade zu lösen bzw. idealerweise sie zu verhindern.

Was können wir tun, wenn andere unsere Grenzen nicht akzeptieren?

Die Anwendung der 5+ABS© Methode für Emotionsmanagement bietet einen Rahmen, um gezielt machbare Lösungen zu finden.

Diese beginnt mit der Orientierungsphase, in der es darum geht, lösungsfokussiert herauszufinden, was die Essenz bzw. der Kern des Problems ist. Genaues Hinschauen und Erkennen der dahinterliegenden Emotionen ist eine wichtige Basis. Rein kognitive oder rationale Vorgehensweisen stoßen sehr schnell an Grenzen. Das Einbinden der Emotionen macht den Lösungsprozess natürlicher und menschlicher. Wir sind eben nicht nur rational gesteuert – Emotionen spielen eine wesentliche Rolle in unserem Leben – ob wir es wollen und auch wissen oder auch nicht.

Theoretisch gäbe es kein Problem, wenn es uns emotional nicht treffen würde, dass Andere unsere Grenzen nicht akzeptieren. In der Realität läuft es allerdings anders. In der Orientierungsphase haben wir die Möglichkeit herauszufinden, warum es uns überhaupt wichtig ist, dass Andere unsere Grenze akzeptieren und ob das so bleiben soll (oder ob es uns einfach auch reichen könnte, das wir es „endlich“ geschafft haben, uns abzugrenzen und dem Anderen den Raum zu schenken, dass er damit umgehen kann, wie es ihm möglich ist).

Oft fühlen wir uns nicht verstanden oder respektiert, wenn unsere Grenzen nicht respektiert werden. Wenn wir unter diesem emotionalen Einfluss den Anderen begegnen, ohne Klarheit darüber zu haben, geschweige denn, darüber zu sprechen, legen wir dadurch oft ungewollt und sogar unbewußt Strohfeuer für Konflikte und Krisen.

Die Kommunikation ist verfärbt von blockierenden Emotionen. Das Dramatische ist, dass wir uns insgesamt abgelehnt fühlen, obwohl es sich „nur“ um einen Anteil handelt. Das hängt damit zusammen, das wir – wenn es um Grenzen geht – nicht ausreichend gut kommunizieren, dass es sich bei der Grenze um einen Anteil im Umgang miteinander handelt, bei der Reibung entsteht und dass vieles Andere in Ordnung läuft. Dies zu erkennen und zu äußern nimmt bereits viel Druck von vornherein aus der angespannten Situation.

Menschen sehen ein Puzzlestück in einer Situation und den Rest malen sie sich in ihrer Fantasie aus. Doch meistens – wenn man dann miteinander spricht – klärt sich, dass Fantasie und Realität auseinander liegt. Wir leiten aus Vermutungen ab, handeln daraus und schon sind wir inmitten vom Chaos…

Deshalb ist es wesentlich, das Problem zu erkennen und sich dann auf das zu konzentrieren, was anstelle des Problems sein soll – zum Beispiel die Klarheit darüber, dass die Grenze ja „nur“ ein Puzzlestück ist und dass der Andere deshalb so reagiert, weil er sich dadurch beispielsweise selbst ausgegrenzt fühlt (und zwar insgesamt als Mensch!). Wir wenden dabei den Fokus vom Problem zur Lösung hin und sind weniger gefangen und blockiert.

Mit diesem Schritt geht es also nicht mehr „nur“ darum, dass der Andere unsere Grenze nicht akzeptiert. Vielmehr geht es um die Erkenntnis, was die tieferen Beweggründe der Situation sind, um sie „handhabbar“ zu machen und sich aus der Macht- und Hilflosigkeit zu lösen. Die Bahn für einen neuen Weg ist geebnet.

Im nächsten Schritt geht es darum, Antrieb bzw. Motivation aufzubauen, um den angepeilten „neuen Weg“ gehen zu können. Da es sich um eine Veränderung handelt, ist es wichtig, dass wir emotionalen Antrieb in uns aufbauen, um tatsächlich anders vorgehen zu können. Diesen inneren Antrieb wecken wir, indem wir für uns herausfinden, welches Bedürfnis dahinter steckt. Freiheit und Unabhängigkeit sind Motoren, die uns wesentlich dabei unterstützen, durchzuhalten – meist leider unbewusst. Wir sind wesentlich effizienter in unserer Zielerreichung, wenn wir uns unseres Antriebes durch unsere Bedürfnisse bewusst sind. Damit pflegen wir unsere „Bedürfniskultur“.

Warum aber fällt es uns so schwer, „hinter die Kulissen zu schauen“ und herauszufinden, aus welchem Bedürfnis wir uns abgrenzen möchten? Es ist die Befürchtung, Konsequenzen könnten folgen, wie wir sie in vergangenen Situationen gemacht haben.

Wenn wir uns abgrenzen, haben wir das Bedürfnis, dass der Andere unser Bedürfnis nach Abgrenzung nachvollziehen, verstehen und respektieren kann.

Im Alltag findet die Abgrenzung jedoch eher nicht erklärend statt. Wenn wir selbst nicht genau wissen, aus welchem Bedürfnis heraus wir uns abgrenzen und welcher Antrieb dahinter steckt, können wir es dem Anderen nicht mitteilen.

Abgrenzung entsteht dann oft aus dem Affekt heraus – unkontrolliert und „abweisend“. Dies kann der Andere meistens nicht nachvollziehen und grenzt sich dann natürlicher Weise selbst ab.

Insofern ist es sehr hilfreich, sich der eigenen Bedürfnisse (und im nächsten Schritt auch die der Anderen) bewußt zu werden und miteinander darüber zu reden.

Grenzen zu setzen, nimmt in diesem Moment andere Dimensionen an, denn wir können diese als natürlich gegeben betrachten und stehen nicht mehr so vehement unter Druck.

Wissen wir um unser Bedürfnis, dann können wir es dem Anderen auf einer ganz anderen Ebene mitteilen. Wir schaffen neuen Raum für Gespräche – mit deutlich weniger Druckszenerien.

Weitere Erleichterung bietet dann ein weitere Ebene: die Metaperspektive. Sie ermöglicht uns „Positionswechsel“. Befreit vom eigenen Druck, Schmerz, Wut, Angst etc. sind wir in der Lage, die Situation mit einem Blick von oben zu beobachten. Dies macht es uns möglich, uns noch besser in uns selbst und in den Anderen hineinzuversetzen.

Die Metaperspektive bietet uns somit die Möglichkeit, Zusammenhänge zu verstehen und bringt noch mehr Transparenz in die Situation.

Mit dem nächsten Schritt kommt immer mehr Sicherheit in die neuen Betrachtungsweisen. Mit der Frage nach unseren Potenzialen wecken wir das Bewusstsein für unsere Ressourcen – die Quelle unserer inneren Stärke. Ein Blick in die Vergangenheit ermöglicht uns, uns klar zu machen, dass wir bereits andere Fälle lösen konnten. Das stärkt unser Vertrauen darin, es auch diesmal zu meistern – ein essentiell wichtiger Punkt, um endlich anders handeln zu können.

Im vorletzten Schritt eröffnen wir uns eine Hand voll Optionen – mehrere Lösungsmöglichkeiten statt dem klassichen Schwarz-Weiss-Denken. Auch hier verschaffen wir uns neue Freiräume, um anders handeln zu können.

Mit diesen fünf Schritten sind wir ideal vorbereitet, um nun Prioritäten zu setzen: Was ist denn auch wirklich machbar für uns?! Last but not least können wir jetzt einen Entschluss fassen und mit der bestmöglichen Option durchstarten: Emotionen bewußt und handhabbar machen und sich somit aus der Emotionsblockade zu lösen – eine schöne, runde Sache, die funktioniert!

Wie kommt es, dass oftmals das Bedürfnis nach Harmonie wichtiger ist, als einen Konflikt anzusprechen?

In meiner 5+ABS© Methode spreche ich von Bedürfniskultur und habe diesem Thema ein ganzes Modul gewidmet. Das ist im Grunde ein einfaches „Spiel“, das es zu durchschauen gilt. Legt man auf die eine Seite der Waagschale die Harmonie und auf die andere den Konflikt, dann wird die Harmonie – oberflächlich gesehen – überwiegen.

Woran liegt das? Der Konflikt ist belastet mit „emotionalen Blockaden“: Angst vor Ablehnung und Isolation, Angst vor ungewünschten Konsequenzen, Unsicherheit über eigene Prioritäten uvm.

Um diese „Belastungen“ zu überwinden, bedarf es eines attraktiven Motors – eine „magisch anziehende Kraft“, die so viel Power in sich birgt, dass wir den Mut haben, uns der Mühe, die der Konflikt mit sich bringt, auszusetzen: Ein klares Bild darüber, welche Möglichkeiten eine Lösungsform in sich trägt und wie es sich anfühlt, wenn die Situation gelöst ist.

Dies ermöglicht uns zu erkennen, dass die „angebliche Harmonie“ durch Konfliktvermeidung in keinster Weise einer echten Harmonie entspricht. Denn solange wir den Konflikt mit uns herumtragen und er ungelöst bleibt, existiert nicht Harmonie – es ist lediglich eine gewünschte Illusion.

Erkennen wir, dass die Lösung des Konfliktes wahrhaftige, emotional erlebte Harmonie bringt, kurbeln wir unsere Energie an und dieser Antrieb trägt uns über die Konfliktphase hinweg, vor der wir uns drücken.

Oftmals sind wir so gefangen in unseren Emotionen, dass uns der Blick für Möglichkeiten und Chancen verloren geht. Darum sind Impulse eines Gesprächspartners, der uns die Wertigkeit eines Positionswechsels aufzeigt, so hilfreich und wir können das „Spiel“ leichter durchschauen und damit umgehen.

Was können wir aus Konflikten lernen?

Das Potenzial ist so gigantisch groß und trägt unendlich viele Chancen in sich!!! Darüber könnte ich ein ganzes Buch schreiben! Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle auf das Thema Konflikt mit Anderen, mit denen wir in welcher Form auch immer in „Beziehung“ stehen, beschränken.

Den Begriff Beziehung finde ich dabei im Grunde unpassend, für das, was es bedeuten soll. Er enthält das Wort „Ziehen“. Das hat den Geschmack von „Ich möchte Dich auf meine Seite ziehen, denn ich habe recht“.

Mir persönlich gefällt der Begriff „Bindung“ wesentlich besser. Bindung erinnert mich an den Schnürsenkel eines Schuhes. Wenn ich ihn tragen möchte, binde ich den Schnursenkel und wenn ich ihn ausziehen möchte, löse ich ihn. Bindung trägt für mich den Aspekt der Lösung in sich. Das ist gelebte Freiheit. Im Alltag trage ich doch auch nicht 24 Stunden Schuhe, sondern ziehe sie irgendwann wieder aus und bin barfüssig. Ich trage auch nicht jeden Tag die gleichen Schuhe. Im Alltag neigen wir gerne dazu, uns bedürfnistechnisch an einen Menschen zu binden, bauen hohe Erwartungen und damit immensen Druck auf das Gegenüber auf. Warum Bedürfnisse nicht „outsourcen“, sie kanalisieren und das Leben bunt gestalten?!

Betrachten wir also Konflikt unter dem Aspekt der Bindung:

Stellen wir uns dem Konflikt, ermöglicht uns Selbstreflexion und Orientierung, uns selbst und Andere aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Das Spiel zwischen klarem Fokus auf das Wesentliche und dem Blick auf das Große Ganze ermöglicht uns neue Weite und Tiefe in unserem Leben. Konflikte geben wunderbare Möglichkeiten, uns von der Oberfläche des Alltags zu lösen und in neue Ebenen abzutauchen. Wie ein Wal: Getriggert durch den Konflikt springen wir aus dem Wasser, um Luft zu holen und dann abzutauchen und erforschen zu können. Dabei entdecken wir immer wieder Neues.

Wir erfahren mehr Verständnis für uns selbst gleichermaßen wie für den Anderen. Unsere eigene Klarheit ermöglicht eine neue Qualität in der Begegnung mit Anderen. Neue Gesprächsebenen sind möglich. Wir geben etwas von uns preis und erfahren dadurch mehr vom Anderen.

Wenn wir Konflikte als Trigger nutzen, um zu lernen, Beziehungen als Bindungen begreifen zu können, könnten wir uns gegenseitig enorm mehr Freiheiten gewähren. Denn geht es darum, den Anderen auf unsere Seite zu ziehen? Oder geht es nicht vielmehr darum, sich füreinander für gemeinsame Interessen zu entscheiden und sich für einen bestimmten Bereich zu binden – um ein gemeinsames Puzzlestück zu finden und sich dabei gegenseitig zu ergänzen?

Dies so sehen zu können, ist eine großartige Befreiung und ermöglicht Begegnung und Kommunikation unter einem anderen Vorzeichen. Mit diesem „gesunden“ Ansatz sind Konflikte wunderbare Möglichkeiten, seine Resilienz (Widerstandsfähigkeit) auszubauen.

Eine natürliche Folge daraus: Burnout Prophylaxe!

Das Schöne daran: dies ist nur ein kleiner Auszug aller Chancen, die uns Konflikte bieten!

Was ist Ihre Motivation als Coach und Seminarleiterin zu arbeiten?

Mein Lebensmotto ist Lernen und Gelerntes weiterzugeben. Mir ist es wichtig, andere Menschen dabei zu unterstützen, ihren Weg zu finden.

Die Menschen, die mit mir zusammenarbeiten, schätzen mich für meine tiefgründigen Fragen.

Zu mir kommen diejenigen, die wirklich nach Lösungen suchen und die einen Gesprächspartner brauchen, der nicht nur tiefes Verständnis für ihre Situationen hat, sondern ihnen Raum und Zeit – frei von Leistungs- und Erfolgsdruck! – gibt, eigene, machbare Lösungen zu entwickeln und innere Kraftquellen zu entdecken, sie nachhaltig umzusetzen. Druckabbau ist ein wesentlicher Punkt in diesem Zusammenhang.

Es ist für mich ein tiefes Glücksgefühl, immer wieder an den Erfolgen meiner Trainees teilhaben zu dürfen.

Die Momente, in denen meine Trainees berichten, was sie für sich geschafft und gemeistert haben, bereichern mein Leben.

Welche Lebenssituationen haben Ihr Leben geprägt?

Es sind auf jeden Fall die „Tiefpunkte“, die mich geprägt haben und zu dem gemacht haben, die ich heute bin. Dazu gehören der Tod geliebter Menschen, die bewusste Trennung und Loslösung von Partnerschaften – privat und beruflich. Vor allem aber hat ein massiver gesundheitlicher Einschnitt, der nun schon einige Zeit hinter mir liegt, wesentlich zu meiner Bewusstseinserweiterung beigetragen. Wie ich heute auf das Leben blicke, was ich jetzt sehe und vor allem, wie ich jetzt mit dem Thema Emotion umgehe, wäre ohne diese Erfahrung für mich nicht möglich gewesen.

Es ist in dieser dunklen Zeit meines Lebens so viel geschehen und ich durfte lernen, mich meinen Emotionen zu stellen. Massive Ängste, beispielsweise wieder krank zu werden oder nie wieder arbeiten zu können oder alleine zu sein oder Existenzängste uvm. wollten gelöst werden. Hätte ich diese Emotionsblockaden nicht gemeistert, wäre ich jetzt nicht mehr hier.

Inzwischen trage ich in mir ein tiefes, wohltuendes Urvertrauen, das mich immer wieder durch herausfordernde Phasen trägt.

Das ich gesund bin, beflügelt mich immer wieder. Wann immer ich mir dies bewusst mache – wie gerade in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe – hüpft mein Herz vor Freude.

Ein wesentlicher Punkt ist, dass ich gelernt habe, mir Schmerzen (körperliche sowie seelische) anzuschauen. Damit erschaffe ich mir immer wieder aufs Neue enorme Freiräume. Die Freiheit, die ich jetzt lebe, kannte ich vorher nicht in meinem Leben. Das Spiel zwischen Fremdbestimmung und Selbstbestimmung hat eine neue Qualität und schenkt mir Möglichkeiten, wie ich sie früher noch nicht einmal erträumt hatte.

Was bedeutet Achtsamkeit für Sie?

Ein grosses Wort – eine tiefe Wirkung und ein wichtiger Lernprozess.

Bis zu meinem gesundheitlichen Crash war mein Leben geprägt davon, anderen Menschen zu helfen. Das ist per se nichts Negatives. Ich dachte, in meiner „Lebensaufgabe“ zu sein. Doch der Begriff „Aufgabe“ hatte einen derben Nachgeschmack: Ich hatte mich selbst aufgegeben, habe viel zu viel gearbeitet und mich damit gerechtfertigt, dass ich viel bewegt habe (was auch Fakt war). Doch die Achtsamkeit, die zu stark nach außen gerichtet war, war für mich selbst in höchstem Masse ungesund.

In unserer Leistungsgesellschaft passiert dies vielen und ist eine der Ursachen für Burnout. Wir haben alle gelernt, Leistung zu bringen. Doch wer hat uns beigebracht, achtsam für uns selbst zu sein, gut auf uns selbst aufzupassen? Wer hat uns gezeigt, wie wichtig Selbstfürsorglichkeit und Selbstliebe ist?

Macht- und Hilflosigkeit entsteht durch mangelnde oder gar nicht vorhandene Selbstachtsamkeit – Selbstfürsorglichkeit – Selbstliebe. Wir suchen Liebe und Anerkennung im Äußeren und verlieren uns dabei immer mehr. Dies wiederum schafft einen wahnsinnigen Druck und Abhängigkeit. Dabei geht sehr viel Kraft verloren. Möchten wir eigene Grenzen erweitern, brauchen wir Kraft. Kraft schöpfen wir aus Sicherheit und Halt. Diesen Halt können wir uns doch nur erschaffen, in dem wir uns selbst Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Fürsorglichkeit – also Selbstliebe schenken.

Der Begriff Achtsamkeit ist deshalb sehr stark mit Bedürfniskultur verbunden. Für mich war und ist es aufgrund meiner Lebensgeschichte ein Leichtes, mich in Andere hineinzuversetzen, sie und ihre Bedürfnisse zu erspüren. Für mich war und ist es wichtig, meine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu pflegen. Dafür ist das Tool „Positionswechsel“ prädestiniert.

Mit dem Tool „Positionswechsel“ erzielen wir – meine Trainees und ich – in der Zusammenarbeit wunderbare Ergebnisse. Richte ich erst einmal wachsamer und achtsamer den Blick nach innen auf meine eigenen Bedürfnisse, ist auch mein Blick nach außen deutlich klarer und weiter. Ich begreife Zusammenhänge, die mir ohne diesen Aspekt einfach nicht zugänglich sind.

Ich liebe die Möglichkeiten, die das Leben mir bietet. Ich liebe es zu lernen und ich liebe es, was ich für mich lerne, mit Anderen zu teilen. Achtsamkeit ist ein wichtiger Schlüssel, dies alles wahrzunehmen.

In dem ich mit mir selbst achtsam und selbstfürsorglich umgehe und mir selbst dadurch Liebe schenke, ermögliche ich es mir, gesund zu sein und das, was ich liebe, leben zu können.

Welche Gedanken kommen Ihnen bei den Worten von Alfred Delp? „Der Freiheit wird der Mensch nur teilhaft, wenn er seine eigenen Grenzen überschreitet.“

Wie wahr! In meinem Konzept machen wir genau das. Wir stecken erst einmal eine gesunde Grenze, die Halt und Sicherheit gibt! Diese innere „Wellness-Oase“ ist unabdinglich, um Grenzen erweitern zu können. Oft verlieren Menschen das Gefühl für Halt und wissen nicht, wie sie ihn schaffen können. Das Problematische ist, aus der Haltlosigkeit, die in Problemsituationen entsteht, den Halt – also den Rahmen und die Grenze zu setzen. Damit sind wir wieder am Anfang Ihrer Interviewfrage und der Kreis schließt sich.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Liebe.

Die Zeit nach meiner OP hat mir geholfen, die unbeschreiblich große Liebe, die ich in mir trage, neu zu entdecken. Ich hatte den Mut, eine neue Bindung einzugehen: Die Bindung zu mir selbst. Ich habe die Selbstliebe entdeckt. In unserer Leistungsgesellschaft ist Selbstliebe scheinbar Tabu und wird mit krankhaftem Narzissmus und Egoismus verwechselt. In den Zeiten meiner Krankheit habe ich viele andere kranke Menschen kennengelernt – besonders viele mit Burnout. Das waren Menschen wie Du und ich, die in ihrem Leben einen guten Job gemacht haben.

Sie haben „funktioniert“. Dabei ist ihnen eine „Kleinigkeit“ verloren gegangen: Auf ihre eigene innere Stimme zu hören und Warnsignale wie Müdigkeit, Überforderung, Rastlosigkeit usw. ernst zu nehmen. Auch mir ist das passiert. Ich durfte lernen, besser auf mich selbst aufzupassen, genauer hinzuhören und hinzusehen und mir immer wieder Pausen zu gönnen statt ständig in „action“ zu sein.

Ich habe gelernt, auf die Stimme meiner Emotionen zu hören. Auch das ist ein Aspekt der Selbstliebe.

Mir ist wichtig, Andere dabei zu unterstützen, die Liebe in sich zu finden, denn das macht wahrhaftig innerlich frei!

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