In meinem Oberstübchen macht sich beharrlich eine Stimme bemerkbar, die von Natur aus misstrauisch ist. Tag für Tag meldet sie sich zu Wort. Meistens ungefragt. Mit der Zeit kann das ganz schön mürbe machen. Jedem Freund, Bekannten und Kollegen hätte ich längst den Laufpass gegeben. So viel Negativität und Argwohn sind eine Zumutung. Doch bekanntlich kann man vor sich selber nicht weglaufen. Diese Erfahrung durfte ich schon als Kind machen, als ich versuchte, meinem Schatten zu entkommen.

Die Einwände des ewigen Mahners und Angsthasen sind endlos. Zumindest bei mir. Habe ich einen Einwand entkräftigt, dauert es nicht lange, bis der nächste kommt.

„Hast Du Dir das gut überlegt?“
„Was wohl die anderen darüber denken?“
„So eine Aufgabe bist Du nie angegangen!“
„Du weißt gar nicht, wie das geht.“
„Warum schaut der mich so komisch an?“
„Das sieht gefährlich aus.“
„Du setzt dabei eine Menge Geld aufs Spiel.“
„Was kannst Du schon ausrichten?“
„Das schaffst Du nicht.“
„Dafür bist Du nicht gut genug.“

Das einzig Beruhigende ist, dass es mir nicht alleine so zu gehen scheint. Überall herrscht unermüdliche Betriebsamkeit in den Köpfen. Da wird gedacht, überlegt, abgewogen, gezweifelt und sinniert, was die grauen Zellen hergeben. In den Kopfkinos laufen die bekannten Drama mit den Hauptdarstellern Angst und Zweifel.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Voltaire“]Zweifel sind unbequem, aber Gewissheit ist absurd.[/pullquote2]

Zuerst habe ich versucht, die Nervensäge im Kopf loszuwerden. Ich muss allerdings gestehen, dass es mir nicht gelungen ist. Positives Denken, meditieren, ignorieren, drohen, Alkohol, all das hat nicht funktioniert. Zumindest bei mir. Einige sind jetzt wahrscheinlich enttäuscht. Keine Zauberformel, die den tausendköpfigen Drachen bezwingt. Tut mir leid.

Sehen Sie die Einwände als Prüfung

Jeder Einwand, dem ich mich stelle, lässt mich wachsen. Es ist wie mit den Gewichten beim Sport. Ohne Widerstand werden wir nicht fitter. Allerdings scheint der Kampf gegen die Zweifel am Anfang ungerecht, weil sie zweifellos in der Überzahl sind. Und wer kämpft schon gerne gegen 1000 Gegner, die auch noch mehrere Leben zu haben scheinen.

Vor allem brauchen wir uns immer nur einer Aufgabe zur Zeit widmen. Als ich vor ein paar Jahren mit meiner WebSeite anfing, brachte ich viel Begeisterung mit. Die Bedenken meldeten sich ebenso lautstark zu Wort. Und es waren zahllose. Ich hätte viele Gründe finden können, gar nicht erst anzufangen. Doch ich habe mich entschieden, einen ersten Schritt zu machen. Dann einen zweiten. Es ist wie mit einer Treppe oder einem Berg. Wir gelangen nur schrittweise in die Höhe.

Und selber jetzt, wo Leben ohne Limit viel Zuspruch findet, melden sich immer noch Zweifel zu Wort. Soll ich deswegen aufhören? Vermutlich werden die Zweifel immer da sein. Die Frage ist nur, wie wir ihnen begegnen.

Gönnen Sie sich Hilfe

Manche Zweifel sind hartnäckig. Und es gibt Zweifel, die einem dauerhaft die Kraft rauben. Uns von Innen zerfressen. Das Fatale daran ist, dass wir es nach Jahren der Quälerei sogar für den Normalzustand halten. Wir schleppen eine schwere Last mit uns und merken es nicht einmal.

Es gab Momente im Leben, da lag ich am Boden. Und das nicht nur im übertragenen Sinn. Ein Grund dafür war, dass ich mir erst spät Hilfe gegönnt habe. Vor allem professionelle Unterstützung durch einen Coach oder Therapeuten. Es ist etwas grundlegend anderes, ob ich Freunden mein inneres Drama offenbare, oder einem kompetenten Begleiter. Beides ist wichtig. Mit dem Unterschied, dass ein Coach mehr Erfahrung im Zuhören und Fragen hat. Und er kommt auch nicht mit Ratschlägen, wie etwas zu sein hat oder wie ich es machen soll.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Richard P. Feynman“]Wir müssen unbedingt Raum für Zweifel lassen, sonst gibt es keinen Fortschritt, kein Dazulernen. Man kann nichts Neues herausfinden, wenn man nicht vorher eine Frage stellt. Und um zu fragen, bedarf es des Zweifelns.[/pullquote2]

Manche Schritte sind vielleicht noch zu groß für uns alleine. Wir können die Tragweite nicht abschätzen und brauchen ein wenig Unterstützung. Sich rechtzeitig Hilfe zu gönnen, kann viel Zeit, Energie und Geld sparen.

Vielleicht meint es der innere Mahner gut mit Ihnen

Zugegeben, das zu glauben und zu fühlen, ist keine leichte Übung. Gerade, wenn ich nachts vor lauter Grübeleien und Ängsten nicht schlafen konnte. Doch wie wäre unser Leben, ohne eine vorsichtige Stimme? Wäre dann alles ein Kinderspiel? So nach dem Motto: Wenn keine Zweifel existieren, gibt es auch keine Hindernisse.

„Ich habe eine vielversprechende Geschäftsidee und leihe mir mal eben 300.000 €. Los geht’s.“
„Das Auto gefällt mir. Und die Bank finanziert mir das sogar. Na dann auf zum Händler.“
„Hatte immer schon mal Lust, den Mount Everest zu besteigen. Bin zwar nicht so sportlich aber mit ein paar Affirmationen wird das schon klappen.“

Zweifel konfrontiert uns schon mit Situationen, bevor sie eingetroffen sind. Das kann durchaus nützlich sein. Dadurch habe ich Zeit, mich vorzubereiten und kann meine Entscheidungen abwägen. Die Kunst ist sicherlich, ein entspanntes Maß zu finden.

So, nun habe ich lange genug geredet. Jetzt sind Sie an der Reihe. Wie empfinden Sie Zweifel? Ist er hilfreich oder eine Qual? Oder beides?