Was sind die Ursachen für meine Angst und wie kann ich ihr begegnen? Der Autor und Coach Thomas Hohensee hat darauf praxiserprobte Antworten. © Thomas Hohensee

Die meisten Ängste entstehen durch Einbildung. In Wirklichkeit ist die Welt sehr sicher, nicht hundertprozentig sicher, aber sehr sicher. Wir bilden uns häufig nur ein, dass unser Handeln schlimme Folgen haben könnte und sehen in unserer Fantasie Katastrophen heraufziehen. Oft ist es die Befürchtung zu versagen oder von anderen abgelehnt zu werden. Wir trauen uns nicht, weil wir Angst haben, die anderen könnten uns auslachen und wir seien dem Spott und Gelächter nicht gewachsen.

Theoretisch besteht immer die Möglichkeit des Misserfolgs. Selbst wenn wir nur Brötchen kaufen gehen, kann es sein, dass der Bäcker im Moment keine hat. Viel wichtiger ist die Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass die „Gefahr“ eintritt. Unterscheiden Sie stets zwischen der Möglichkeit und der Wahrscheinlichkeit einer Gefahr. Wenn jemand mit dem Auto fährt, kann es immer sein, dass er beim nächsten Mal einen Unfall hat. Die Möglichkeit besteht einfach. Aber wahrscheinlich ist es nicht.

Ebenso besteht die Möglichkeit, dass uns jemand eine Bitte abschlägt. Aber damit können wir umgehen oder wir können lernen, das relativ gelassen zu ertragen. Es kommt nicht darauf an, ob wir versagen oder von anderen abgelehnt werden, sondern wie wir darauf reagieren. Unsere Aufgabe ist es, so viel Vertrauen und Optimismus zu entwickeln, dass wir trotzdem immer weitermachen.

Alle Ängste lassen sich mithilfe von zwei Strategien überwinden:

Achten Sie auf Ihre Gedanken.

Hören Sie Ihrem inneren Selbstgespräch zu. Sobald Sie merken, was Sie zu sich selbst sagen, sind Sie in der Lage, Einfluss auf Ihre Gedanken zu nehmen. Sie werden sich am Anfang vielleicht wundern, wie oft Sie sich selbst Angst machen. Es ist eine große Erleichterung, den Ausgangspunkt der Ängste zu entdecken: „Wenn ich so mit mir rede, ist es ja kein Wunder, dass ich Angst bekomme.“

Sobald Sie sich Ihrer Gedanken bewusst werden, werden Sie automatisch anfangen, sie zu ändern. Wer redet sich schon freiwillig Angst ein? Sie können diesen Prozess noch weiter unterstützen, indem Sie Ihre ängstlichen Gedanken aufschreiben und in Frage stellen:
Stimmt das, was ich mir da sage?
Wo sind die Beweise dafür, dass die Situation gefährlich ist?
Hilft es mir, so zu denken?
Werde ich meine Ziele erreichen, wenn ich mir weiter solche Ängste einrede?
Was müsste ich mir sagen, um mich sicherer zu fühlen?

 


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Üben Sie, sich Mut zuzusprechen. Wiederholen Sie die Gedanken, die Sie beruhigen. Sie haben sich bisher nicht gescheut, sich Gefahren einzureden. Nun können sie es auch einmal umgekehrt machen.

Achten Sie auch auf Ihre inneren Bilder. Viele Menschen reden sich keine Gefahren ein, aber lassen die ganze Zeit dramatische Filme in ihrem Kopf ablaufen. Es ist unvermeidlich, Angst zu bekommen, wenn man dauernd Horrorfilme in Cinemascope und in Farbe vor sich sieht. Es ist dann so, als ob man am helllichten Tag Albträume hat. Zum Glück sind wir Inhaber dieses Filmstudios. Sobald wir merken, welche Filme in unserem Inneren ablaufen, können wir die Regie übernehmen und die Bilder steuern: „Stopp, Schluss mit diesem Horrorszenario. Ich möchte, dass die Heldin am Schluss der Szene gewinnt. Alle wieder auf die Startposition und das Ganze noch einmal von vorn!“

Das können Sie so lange fortsetzen, bis Sie mit dem Film zufrieden sind. Falls Ihnen das schwer fällt, sehen Sie sich im Kino oder zuhause mal ein paar andere Filme an als sonst. Vielleicht sehen Sie zu viele Opferfilme oder identifizieren sich immer mit den falschen Personen.

Achten sie auf Ihren Atem.

Wenn sie die Luft anhalten, zu flach oder zu schnell atmen, müssen Sie sich beengt und daher ängstlich fühlen. Angst gehört zur Wortgruppe von „eng“ und bedeutet eigentlich „Enge, Beklemmung“. Sie können jede Angst allein dadurch bezwingen bzw. erträglicher machen, dass Sie richtig atmen. Atmen Sie länger aus als ein und machen Sie nach dem Ausatmen eine Pause. Sie könne Ein- und Ausatmen kontrollieren, indem Sie zählen: Einatmen 21, 22, 23, Ausatmen 21, 22, 23, 24, 25, Pause.

In Situationen, in denen Sie starke Angst spüren, müssen Sie damit rechnen, dass Sie sich zu einem längeren Ausatmen und einer Pause zwingen müssen. Ihr Angst-Atemschema wird Ihnen ein kurzes Ausatmen und sofortiges heftiges Einatmen ohne Pause aufdrängen wollen. Dagegen müssen sie bewusst angehen. Dann werden Sie merken, dass Sie Ihre Angst mit dem richtigen Atmen beherrschen können.

Wenn Sie darüber hinaus lernen, sich jederzeit und überall körperlich entspannen zu können, sind sie vielen Menschen einen großen Schritt voraus. Sie werden merken, dass Ihr Atem von allein ungehindert fließt, wenn Sie entspannt sind. Ihr Atem ist ein zuverlässiger und unbestechlicher Indikator Ihres Anspannungs-Entspannungs-Niveaus. Sie können Ihre Muster kennen und ändern lernen. Das dauert allerdings ein paar Monate.

Wenn Sie diese beiden Strategien regelmäßig üben, werden Sie Ihre Ängste überwinden.

Wir leben in einer Zeit, wo alles hier und jetzt und sofort gehen soll. Entspannung ist das Gegenteil davon. Sie brauchen für einen entspannten Lebensstil Zeit. Wenn sie keine Zeit haben, können sie auch nicht besonders entspannt sein. In einer hektischen Umwelt ist das keine leichte Aufgabe. Aber Sie wissen ja, wenn Sie sich dieses Ziel setzen, können Sie es erreichen und sich außerdem der Frage zuwenden: Wie möchte ich leben, wenn ich keine Angst mehr habe?