Kommunikation ist ein komplexer Prozess. Sie beginnt im Körper, und nicht im Kopf. Wie können wir so kommunizieren, dass wir unser Miteinander bereichern?

 

“Kommunikation beginnt im Körper – nicht im Kopf“

Mir selbst und anderen wirklich zuhören und mich aus der jeweiligen Situation heraus adäquat ausdrücken – das ist es, was ich seit einigen Jahren konsequent übe. Bei Russell Delman habe ich mit „Embodied Life“ dazu einen für mich passenden Zugang gefunden. Der Begriff „Embodied Communication“ war mir daher nicht neu, als mir ein Coaching-Kollege das neue Buch von Maja Storch und Wolfgang Tschacher mit dem Titel „Embodied Communication. Kommunikation beginnt im Körper – nicht im Kopf“ empfahl.

Ich war gespannt, was die Autoren unter „Embodied Communication“ verstehen und welche Sicht auf Kommunikation sie auf Basis neuester Erkenntnisse aus Psychologie und Hirnforschung präsentieren. Vor allem auch, weil ich das ZRM – Zürcher Ressourcenmodell für das Selbstmanagement, das Maja Storch gemeinsam mit Frank Krause entwickelt hat, sehr schätze. So wie  auch das Buch „Embodiment“, über das ich bereits hier auf Leben-ohne-Limit geschrieben habe.

Für Maja Storch und Wolfgang Tschacher ist Kommunikation ein Prozess, der komplex ist. Was sie besonders betonen ist, dass dabei der ganze Körper einbezogen ist. „Verstehen“ ist dann gegeben, wenn die Gesprächspartner ein Stimmigkeitsgefühl erleben. Das ist nach außen hin erkennbar, wenn sich in der Gestik und Mimik eine Übereinstimmung einstellt.

Mit diesem Verstehensbegriff bieten die Autoren mit ihrer Embodied Communication Theorie (kurz EC-Theorie) eine Alternative zu Kommunikationsmodellen und Kommunikationstrainings, die eine Botschaft als so etwas wie ein Päckchen mit einer fixen Bedeutung sehen, das zwischen zwei Partnern verschickt und vom Empfänger ausgepackt wird.

Ich möchte hier nicht näher auf die Theorie eingehen, kann aber jedem, der sich näher mit den Hintergründen befassen will, den ersten Teil des Buches wärmstens empfehlen. Er legt das Fundament für den Praxisteil.

A-A-O-Geschenk

Es kommt darauf an, Randbedingungen zu schaffen, in denen sich dieses Stimmigkeitserlebnis einstellen kann. Die drei wesentlichen Voraussetzungen dafür fassen die Autoren als „A-A-O Geschenk“ zusammen:

1) Aufmerksam sein (einer Person und sich selbst die volle Aufmerksamkeit schenken)

2) Augen auf (Blickkontakt, aber kein permanentes Anstarren)

3) Ohren auf (dem anderen sein Ohr leihen und wirklich zuhören)

Was mir gefällt ist, dass in diesem Buch Beispiele aus dem Alltag der Autoren einfließen. Im Buch wird unter anderem die Situation erwähnt, wenn jemand traurig ist. Statt guter Ratschläge oder Trost: Seine Zeit zur Verfügung stellen, die Person anschauen und erzählen (oder wie ich hinzufügen will: still sein) lassen. Das kann sehr entlasten. Denn wir müssen einfach gar nichts krampfhaft tun, damit es der anderen Person besser geht.

Worauf es ankommt, ist vor allem unsere Haltung. Dass wir uns darauf einlassen und dem anderen wirklich ein Geschenk machen wollen. Und hierin liegt auch der Schlüssel, der vor einer großen Gefahr schützt: Dass wir nämlich Kommunikationswerkzeuge einsetzen, um andere zu manipulieren. Um sie zu etwas zu bringen, das für uns von Vorteil, für sie aber im schlechtesten Fall von Nachteil ist. Maja Storch und Wolfgang Tschacher plädieren ganz eindeutig für Echtheit.

 

Autoren

Dr. Maja Storch gründete und leitet das Institut für Selbstmanagement und Motivation Zürich (ISMZ). Sie arbeitet als Autorin, Trainerin und Erfinderin. Sie studierte Psychologie, Philosophie und Pädagogik und ist Psychoanalytikerin und Psychodramatherapeutin PDH.

Prof. Dr. Wolfgang Tschacher leitet die Abteilung für Psychotherapie (APT) an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bern. Er arbeitet als Wissenschaftler, Forscher und Autor. Er studierte Psychologie.

 

 


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Wie mit Wut umgehen?

Maja Storch und Wolfang Tschacher helfen dem Leser und der Leserin sich darin zu üben, mit Kommunikationssituationen umzugehen, wo starke „negative“ Gefühle wie Wut auftreten. Es sind dann immer auch unbewusste Faktoren im Spiel, die nicht unserer Kontrolle unterliegen.

Sie bringen dafür das Bild des „Pizzawerfens“ und stellen Werkzeuge vor, wie man es in Momenten, wo ein Gespräch total entgleist (man sich also gegenseitig die Pizzas ins Gesicht wirft) dennoch schaffen kann, zu einem Ergebnis zu kommen, das die Beziehung unterstützt und nicht nachhaltig zerstört.

Und auch für nicht ganz so dramatische Situationen stellen sie Übungsmaterial vor.

 

Embodied Communication:
Kommunikation beginnt im Körper, nicht im Kopf

von Maja Storch und Wolfgang Tschacher
Erschienen Oktober 2014 im Verlag Hans Huber
171 Seiten, Gebunden, ISBN: 978-3-4568-5453-3

Alle Grafiken als Open Source zum Download

 

Fazit

Ein Buch für Menschen, die im Alltag kommunizieren – und wer tut das nicht? Darüber hinaus richtet es mit seinem Workshopteil am Schluss auch an Coaches und Trainer, die mit dem EC-Modell arbeiten wollen. Hier werden einzelne Tools und Anwendungsmöglichkeiten näher beschrieben.

Es ist sicher eine lohnende Lektüre für alle, die gerne auch über die theoretischen Hintergründe des Kommunikationsmodells erfahren wollen. Wer das nicht will, könnte auch im Praxisteil einsteigen, meines Erachtens würden dann aber wichtige Voraussetzungen fehlen, um mit den vorgestellten Werkzeugen etwas anfangen zu können.

 

Regina Schlager

Homepage Regina Schlager

Regina Schlager öffnet als Coach, Autorin und Podcast-Gastgeberin Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln. Sie studierte Germanistik und Philosophie in Wien und arbeitete 20 Jahre lang in Beratungsunternehmen im Informations- und Wissensmanagement sowie der Aus- und Weiterbildung. Sie lebt in Zürich.