Gute Gefühle belohnen uns reichlich

Wir fühlen uns leicht und beschwingt. Wir sind gesünder und kreativer. Unser Blickfeld ist weit offen, so dass wir Möglichkeiten erkennen, die wir mit schlechter Laune übersehen hätten. Anders sieht es aus, wenn wir pessimistisch sind. Plötzlich sehen Hindernisse unüberwindlich aus. Man denkt schlecht über sich selbst, andere Menschen und die Zukunft. Das Motto lautet dann: „Das bringt ja doch alles nichts.“

Aber kann man denn von schlechter auf gute Laune umschalten, wie man gerade will?

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Die einen meinen, glücklich sein sei ein Geschenk, das einem in die Wiege gelegt wurde oder das sich in besonderen Momenten ohne eigenes Zutun einstelle. Ja gerade dann stelle es sich ein, wenn man am wenigsten darauf aus sei. Sehr beliebt ist im Moment auch die Auffassung, unsere Hirnstrukturen würden uns so oder so beeinflussen. Der freie Wille sei nur eine Illusion.

Die anderen sind davon überzeugt, für seine Gefühle, also auch für die Glücksgefühle, sei man selbst verantwortlich, auch wenn vielen dass nicht bewusst sei. Abraham Lincoln zum Beispiel vertrat die Meinung, jeder Mensch sei so glücklich, wie er aufgrund eigener Entscheidung sein wolle.

Ist das nicht haarsträubend? Sich für eine gute Stimmung entscheiden? Das hängt doch wohl von den Umständen ab, oder?

Vielleicht können wir uns zunächst darauf einigen, dass die Gefühle sich ständig ändern. Es ist unmöglich, dasselbe Gefühl in derselben Intensität lange aufrechtzuerhalten. Wenn man seine Gefühle beobachtet, wird man im Allgemeinen feststellen, dass ein Gefühl das andere ablöst. Man schwankt zwischen Bangen und Hoffen, Ärger und Gelassenheit, Angst und Vertrauen, Freude und Enttäuschung. Aber warum fühlen wir, wie wir fühlen?

Eine kleine Geschichte der Psychotherapie

Die Psychologie hat in den letzten Jahrzehnten darauf unterschiedliche Antworten gefunden. Die erste Hälfte des 20. Jahrhundert war noch von der Psychoanalyse nach Sigmund Freud geprägt. Die Psychoanalytiker vermuteten die Ursachen psychischen Leidens in der Kindheit und im Unbewussten. Sie hofften, dass es eine therapeutische Wirkung haben würde, wenn sie die Kindheit ihrer Patienten, ihre Träume und ihre Gedankenassoziationen nach bestimmten Regeln analysierten.

Leider erwies sich diese Methode oft als langwierig, teuer und wirkungslos. Immerhin hielten Freud und seine Kolleginnen für möglich, psychische Probleme zu heilen. Das war bis dahin nicht selbstverständlich. Während die europäischen Psychologen durch den Faschismus und den Zweiten Weltkrieg in ihrer Arbeit stark behindert waren, konnten die us-amerikanischen Kolleginnen ihre Forschung fortsetzen.

Eine bahnbrechende Entdeckung

Zwei Psychologen – Albert Ellis und Aaron T. Beck – fanden in den 50er Jahren heraus, dass emotionale Störungen durch bestimmte Denkfehler hervorgerufen werden. Ihre Klientinnen litten darunter, dass sie schlechte Erinnerungen nicht ruhen ließen, die erfreulichen Seiten der Gegenwart ignorierten und die Zukunft offensichtlich falsch einschätzten. Starre, unbedingte Forderungen an sich selbst, an andere und an die Welt („Ich muss, du musst, er, sie, es muss.“) stellten sich ebenfalls als schädlich für ein glückliches Leben heraus.

Mit der Kognitiven und der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie (deren Begründer Beck und Ellis sind bzw. waren) war es plötzlich möglich, Menschen, die sich in ihrem Gedankenfehlern und Missverständnissen verrannt hatten, in kurzer Zeit zu helfen. Die Wirksamkeit der Methoden ist in vielen Studien überprüft und nachgewiesen.

Die grundlegende Erkenntnis von Albert Ellis und Aaron T. Beck lautet: Man fühlt so, wie man denkt. Man handelt so, wie man denkt.

Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen: Irrationale Überzeugungen führen zu emotionalen Störungen. Irrationales Verhalten beruht auf irrationalen Gedanken. Man fühlt sich wohler, wenn man vernünftig denkt. Man kommt mit sich, den anderen und der Welt besser zurecht, wenn man sich an die Tatsache hält.

Aber was heißt vernünftig Denken? Was sind irrationale Überzeugungen? Irrationale Überzeugungen lassen sich an zwei Merkmalen erkennen: Sie stimmen nicht mit den Tatsachen überein. Sie helfen einem nicht weiter.

Der Praxistest

Denke ich zum Beispiel: „Keiner liebt mich“, fühle ich mich niedergeschlagen oder sogar verzweifelt. Mache ich den Tatsachentest, werde ich feststellen, dass mein Gedanke unvernünftig ist. Es gibt immer jemanden, der/die einen liebt, wenn man bereit ist, Liebe zuzulassen. Unter den rd. 7 Milliarden Mitmenschen kann ich wenigsten einige finden, denen ich viel bedeute.

Außerdem hilft mir die Überzeugung, keiner liebe mich, nicht weiter. Die Überzeugung lähmt mich, anstatt dafür zu sorgen, dass ich auf andere zugehe und mir Seelenverwandte suche. Ein Satz wie „Keiner liebt mich“, wirkt nicht nur auf mich selbst, sondern über feine Kommunikationskanäle auch auf andere, mit denen ich zu tun habe. Im schlechtesten Fall wird diese irrationale Überzeugung zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Man fühlt also so, wie man denkt. Ist man unglücklich, liegt das an unglücklich machenden Gedanken. Der Schlüssel zu den Gefühlen sind die Gedanken. Aus „Keiner liebt mich“, könnte „Einige mögen mich und andere nicht“ werden oder sogar „Es gibt viele Menschen, die mir in meinem Leben Liebe entgegengebracht haben“.

Es ist eine Frage der Übung, unglücklich machende Gedanken durch glücklich stimmende zu ersetzen. Dabei soll sich niemand etwas einreden. Machen Sie den Tatsachentest. Ersetzen Sie nach und nach irrationale durch hilfreiche Überzeugungen, so wie schon der Buddha es praktiziert hat. Das erfordert Zeit und Übung, aber damit haben Sie den Schlüssel zum Glück in der Hand.