Allzu oft teilen wir unsere Zeit nach Aufgaben, Zielen, ToDos, dringenden Erledigungen und vermeintlichen Vorgaben ein. Wir fangen an zu rennen, uns zu beeilen und hasten von einem Termin zum anderen. Am Abend ist die Liste vielleicht ein wenig kürzer geworden und wir vielleicht ein wenig zufriedener.

Ich habe über einen längeren Zeitraum Tagebuch geführt. Am Abend schrieb ich auf, was mir am jeweiligen Tag gefallen hat, was mir gut tat. Diese Aufzeichnungen ging ich vor ein paar Tagen wieder durch. Dabei fiel mir auf, dass ich selten aufschrieb, froh zu sein, viele Dinge abgearbeitet zu haben.

Welches Gefühl bleibt Ihnen am Ende des Tages? Fragen Sie sich, was der Tag gebracht hat? Ja natürlich haben wir einiges zu tun und das Leben ist kein Wunschkonzert. Doch wir sind sicherlich keine Galeerensklaven, die ausschließlich nach dem Takt anderer schuften müssen. Deswegen ist es für mich so wichtig, immer wieder innezuhalten und zu schauen, was mich berührt, mir Freude bereitet.

Daraus können wir Rückschlüsse ziehen, wohin die Reise gehen kann. Wir haben die Möglichkeit, kleine Veränderungen vorzunehmen. Kleine Kurskorrekturen zu probieren, um zu schauen, wie stimmig sie für uns sind. Statt der einzig seligmachenden Glücksformel schauen wir Tag für Tag, welche Schritte wir gehen möchten. Neben denen, die wir gehen müssen.

Was bleibt am Endes des Tages in Ihrem Herzen?
Welche Gedanken bleiben am Ende der Woche?
Wie fühlen Sie sich am Ende des Monats?
Woran erfreuen Sie sich am Jahresende?
Welche Geschichte erzählen Sie am Ende Ihres Lebens?

Was bleibt, sind vor allem die Spuren von dem was wir getan, gefühlt und gedacht haben. Mit welcher Begeisterung mit welcher Motivation nehmen wir unser tagtägliches Leben in Angriff? Diese Spuren hinterlassen Eindrücke in uns und natürlich auch in unserem Gesicht, in unserer Körperhaltung.

Was am Ende bleibt, ermöglicht Rückschlüsse, wie wir die Dinge momentan sehen können. Ärgern wir uns in erster Linie über das was schief gelaufen ist oder neigen wir eher dazu, uns an den positiven Dingen zu erfreuen? Fällt es uns womöglich schwer, kostbare Momente im Alltag zu entdecken?

„Die Fragen sind es, aus denen das, was bleibt, entsteht.“ – Erich Kästner“

Innehalten bedarf wie viele andere Dinge ein wenig Übung. Zuerst dürfen wir uns Zeit und Raum gönnen. Momente der Muße möglichst Abseits des alltäglichen Trubels. Vor allem ist das Ziel von Reflexion keineswegs das Erlebte zu moralisieren und nach Gut und Schlecht, Erfolg oder Misserfolg zu kategorisieren.

 

Reflexionsfragen

Reflexion beinhaltet die Chance, das Erlebte Revue passieren zu lassen. Zu schauen, welche Spuren es hinterlassen hat. Zu spüren, wie es mir damit geht. Und mit dieser Rückkopplung entsteht weitere Bewussheit, Klarheit was für mich stimmig ist und was nicht. Durch Kontemplation lerne ich mich besser kennen und werde achtsamer gegenüber dem Erlebten. Ich gewinne zunehmend an Klarheit, indem ich das Erlebte aus verschiedenen Perspektiven betrachte.

Was war heute besonders wichtig?
Wie verbunden fühlte ich mich heute mit mir?
Was hat sich gut angefühlt?
Was hat mich besonders angestrengt?
Habe ich etwas Neues ausprobiert?
Was hat mich erstaunt?
Wie verbunden fühlte ich mich heute mit anderen?
Was hat mich inspiriert?
Welchen Stellenwert räume ich meinen Herzensangelegenheiten ein?
Was fühlte sich lebendig an?
Was fühlte sich schwer an?
Wobei haben ich mich heute gespürt?
Was wollte meine innere Stimme mir mitteilen?
Was hat mich gestärkt?
Wofür war ich heute dankbar?

 

Was bleibt in meinem Herzen?

Ja, was bleibt dauerhaft in meinem Herzen? Sind es die großen Erfolge, die Beförderung, der Hausbau, das erste Buch, die erste Million, die Alpenüberquerung, das Sabbatical, der Traumurlaub? Oder sind es die unerwarteten Zwischentöne, die wunderschönen Geschenke am Wegesrand?

Und es stellt sich auch die Frage, was bleibt eigentlich von all der Aufregung, von all dem Hin und Her der Gedanken und Überlegungen, von all den Sorgen und Befürchtungen, von allen Wünschen und Hoffnungen, die wir uns machen, wirklich zuletzt übrig? Klar ist man hinterher meistens schlauer. Da lässt sich leichter sagen, es war gut so, wie es war. Doch vielleicht lernen wir ein Stück mehr gelassener zu werden, dem Leben und uns zu vertrauen. Zu erkennen, dass wir oftmals nur ein Buchteil von dem wissen, was möglich ist. Reflektieren wir das Bekannte und laden das Unbekannte in unser Leben ein.

„Dinge wahrzunehmen ist der Keim der Intelligenz.“ – Laotse“

Besinnung ist ein individueller Prozess. Es geht für mich nicht um Abrechnung, nicht um eine Leistungsschau. Es können kleine oder große Vorhaben sein. Erfüllt Sie Ihre Aufgabe im Büro, das Beisammensein mit den Kindern, das Planen eines neuen Zuhauses, die Meditation am Morgen, der Sonnenaufgang, dass Ihr Projekt nach Plan verläuft, das Singen im Chor, ein wunderbares Gespräch, eine Erkenntnis. Alles kann wunderbar sein. Es liegt an uns, auf welchen Boden es fällt.

Was mich besonders berührt, sind Begegnungen mit Menschen. Ein intensives Gespräch, ein Lächeln, eine Aufmerksamkeit, gute Zusammenarbeit, sich in die Augen schauen. Ebenso Zeit zu haben ohne ein starres Ziel vor Augen, Neuland zu betreten und Zusammenhänge zu begreifen. Diese besonderen Momente, in denen die Erkenntnis reift, warum manche Dinge so sind, wie sie sich zeigen.

Was berührt Sie?
Leben Sie Ihren Traum? Oder den Traum anderer?
Was bleibt Ihnen am Endes des Tages?