Meine Schultern verkrampfen sich und stechende Kopfschmerzen blockieren das Denken. Ich habe das Gefühl, den Überblick zu verlieren. Vor allem hasse ich es, die Kontrolle zu verlieren. Über die Situation. Über mich.

Der Kunde pocht vehement auf seine Forderungen, seine Termine. Die Stimmung ist angespannt. Mir geht durch den Kopf, was ich heute Nachmittag noch alles an Aufgaben und Terminen bewältigen muss. Am Abend steht auch noch dringende private Anrufe an. Und was ist mit dem Artikel, den ich morgen veröffentlichen möchte? Mir ist unklar, wie ich das alles bewerkstelligen soll. Ich spüre einen enormen Druck, habe momentan keine Lösung. Je mehr mir bewusst wird, dass die geplanten Aufgaben nicht nach meinen Vorstellungen zu realisieren sind, desto frustierter reagiere ich.

Wenn die Stürme des Lebens um uns toben, ist es hilfreich, einen Ort der Ruhe, der Besinnung zu kennen. Vielleicht ist die Art, wie wir gewohnt sind mit den Stürmen des Lebens umzugehen, nicht die einzige Möglichkeit Konflikte zu lösen. Vielleicht ist das Auge des Orkans in uns und wir müssen es nur entdecken. Vielleicht macht für uns das Motto „Augen zu und durch“ keinen Sinn mehr. Vielleicht heisst jetzt vielmehr: Augen auf und wachsam sein.

In Momenten der Überlastung, der Verzweiflung haben wir scheinbar nur wenig Alternativen. Der Blick verengt sich, die Muskeln angespannt, der Atem flach. Soll ich noch mehr arbeiten? Wie kann ich mein Pensum weiter optimieren? Oder verdammt, ich schmeiße jetzt alles hin! Ich habe keine Lust, mich verheizen zu lassen. Wir denken in diesen Momenten leicht in Extremen. Alles oder Nichts. Vollgas oder Hinschmeißen. Triumph oder Niederlage.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Virginia Satir“]Das Leben ist nicht so, wie Sie es gerne hätten, es ist so, wie es ist. Entscheidend ist, wie Sie damit fertig werden.[/pullquote2]

Wir dürfen uns fragen, welches Spiel wir gerade mitspielen. Einen Tag lang die Ärmel hochkrempeln, ist sicherlich in Ordnung. Mehrere Tage geht das auch noch. Aber dann? Sind unsere Erwartungen, die Erwartungen anderer, womöglich unrealistisch? Krisen können auch Glücksfälle sein. Sie spitzen die Lage zu, zeigen auf, was nicht mehr funktioniert.

Im Auge des Orkans herrscht Stille. Eine Stille, die es ermöglicht, Kraft zu sammeln, den Überblick zu bewahren und Vertrauen zu gewinnen. Diesen Ort gibt es auch in uns. Zu Anfang bedarf es ein wenig Übung, ihn für sich zu entdecken.

Halt

Für eine gewisse Zeit macht es Sinn, die Aufmerksamkeit bewusst auf etwas Anderes zu richten. Gewinnen Sie ein wenig Abstand zu den Turbulenzen. Abstand? Wo die Zeit sowieso viel zu knapp ist? Ja, genau. Gerade wenn es eng wird, sind innere Ruhe und Gelassenheit besonders wertvoll. Weil die Zeit so kostbar ist, gilt es, das Wesentliche und Mögliche zu erkennen. Es macht wenig Sinn, mit Hochdruck in die falsche Richtung zu rennen.

Wenn das Leben uns durcheinander wirbelt, brauchen wir Halt. Es geht darum, Zugang zu uns, unserer Kraft zu bekommen. Gönnen Sie sich einen Spaziergang, sportliche Betätigung oder eine Meditation. Spüren Sie den Boden unter Ihren Füßen. Spüren Sie, wie die Erde Sie trägt. Atmen Sie tief und bewusst ein und aus. Achten Sie auf Ihren Körperhaltung und richten sich auf. Das Leben hat Sie bis heute durch viele Stürme getragen. So leicht kentern Sie also nicht.

Reflektion

Steht uns das Wasser (scheinbar) bis zum Hals, breiten sich gerne Katastrophenszenarien aus. „Ich stehe als Versager da!“ „Der Kunde wird nie wieder etwas bei mir beauftragen!“ „Mein Ruf ist ruiniert!“ Ob diese Dinge eintreten, ist ungewiss. Auf jeden Fall helfen sie uns in der momentanen Situation nicht weiter.

Gehen Sie lieber in sich. Was können Sie beeinflussen? Was nicht? Gerade wenn die Zeit begrenzt ist, dürfen wir schauen, welche Hebel wir ansetzen können. Was ist jetzt wichtig? Was ist die Kunst des Möglichen? Schauen Sie auch, was für Sie stimmig ist. Es geht nicht darum, stets die äußeren Vorgaben zu erfüllen. Wie sieht Ihre Lösung aus?

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Robert Frost“]Was ich über das Leben gelernt habe, kann ich in drei Wörtern zusammenfassen: Es geht weiter.[/pullquote2]

Dialog

Wenn das „Drama“ andere betrifft, reden Sie mit ihnen und schildern Ihre Sicht. Reden Sie rechtzeitig Klartext, ohne Jammern, Schönreden, Ausreden, um den heißen Brei reden, Ausflüchte, usw. Manche Menschen wurschteln lieber im stillen Kämmerlein weiter, anstatt die Betroffenen zu informieren und machen die Lage dadurch eher schlimmer.

Einzugestehen, ich schaffe es nicht, kann auch etwas Befreiendes mit sich bringen. Der Kampf hat dann ein Ende. Vor allem können im Dialog neue Möglichkeiten entstehen. Vielleicht sind die Betroffenen noch nicht einmal wütend und sogar dankbar, dass wir den Mut haben, die Schwierigkeiten offen anzusprechen.

Den Moment annehmen

Lassen Sie uns den Stürmen des Lebens weniger mit hektischer Aktivität, Frust, Jammern und Wut begegnen. Öffnen wir vielmehr unser Herz und reagieren mit einem wachen Verstand. Der Kampf wird vor allem dann aussichtslos, wenn wir die Gegebenheiten ignorieren und uns an lieb gewordene Vorstellungen klammern.